Von Hartmut Bott

Am 14. Mai 1619 gab es in Vetschau einen fürchterlichen Stadt brand, bei dem, neben 80 Häusern, auch der Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert und die ganze Kirche zerstört worden waren.

Wie war es überhaupt zu dem verheerenden, die kleine Stadt vernichtenden, Brand gekommen? Eine Chronik von 1681 erzählt, einem Vetschauer Bürger sei zur katholischen Zeit – vor Einführung der Reformation in Brandenburg ab dem Jahr 1540 – vom Pfarrer auferlegt worden, eine Wallfahrt auf dem Jakobsweg nach „Compostel zu St. Jabob“ in Portugal zu unternehmen. Er war „dann einfach mal weg“. Der Weg war weit, und die Zeit war lang, aber unterwegs sah er etwas, was ihn ungeheuer faszinierte: eine Windmühle auf einem Hause stehend. So etwas musste er auch haben! Er „nahm einen Riss“, das heißt, er machte eine Aufrissskizze.

Nach seiner Heimkehr beantragte er bei der Vetschauer Obrigkeit eine Baugenehmigung für eine solche Mühle. Diese wurde dann zum privaten, persönlichen Gebrauch erteilt – „darauf die Besitzer wie auch die Vorigen ihr eigen Getreide und Malz mahlen dürften“.

Ein Nachkomme wollte sein privates Bier brauen. Beim Herstellen des Malzes durch das Rösten – auch Dörren oder Darren genannt – gequollener Gerste ließ er es an der nötigen Vorsicht fehlen, und schon brannte es lichterloh. Das war am Dienstag , dem 14. Mai 1619, abends gegen 19 Uhr.

Anlässlich dieses Ereignisses vor 400 Jahren gedenkt die evangelische Kirchengemeinde Vetschau der Zerstörung des damaligen Städtchens, ihrer ganzen Kirche und des Kirchturms mit einem Glockengeläut am Dienstag, dem 14. Mai, um 19 Uhr – also zum Zeitpunkt des Brandausbruchs.

(Der Bericht wurde den Aufzeichnungen des verstorbenen Pfarrers Klaus Lischewsky entnommen.)