ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:34 Uhr

Erich Schier schaut in Adebars Kinderstube

FOTO: B. Marx
Lehde. Sorgfältig Buch führt Erich Schier in Lehde darüber, wann die Störche auf dem Feuerwehrturm Quartier beziehen, wie viele Junge sie aufziehen. In diesem Jahr hat er das Storchenpaar am Sonntag gesichtet. Von Bernd Marx und Ingrid Hoberg

„Das war eine schöne Osterüberraschung, als beide Störche auf dem Turm gelandet sind“, erzählt er. „Sie haben gleich losgeklappert.“ Viele Besucher des Spreewalddorfes zückten ihre Kameras und fotografierten oder filmten die Neuankömmlinge. Im vergangenen Jahr waren die Störche eine Woche später in Lehde angekommen. „Das war der 10. April“, erinnert sich Erich Schier. Zwei Jungstörche wurden 2009 großgezogen.

„Ich habe nichts dagegen, wenn die Leute mich Storchen-Erich nennen“, sagt das Lehd'sche „Urgestein“ Erich Schier und schmaucht seine Pfeife. Solange der 84-Jährige zurückdenkt, gab es Störche in seinem Dorf. Nachweislich ist das Nest auf dem Spritzenhaus seit 1904 besetzt. Heute macht ein Schild des Nabu auf die jährliche Ankunft der Störche, die Anzahl der Jungtiere und den Abflug der Großvögel aufmerksam. So trudeln die Tiere aus der Ferne etwa Ende März bis Mitte April in Lehde ein. Ende August buchen die Vögel ihre „Tickets“ für die Reise in das ferne Afrika. Zwischen April und August liegt die Aufzucht der Jungvögel, die von Einheimischen und Besuchern jedes Jahr aufmerksam verfolgt wird.

„Die Touristen erzählen oft, dass sie in ihrer Heimatregion schon lange keine Störche mehr gesehen haben“, berichtet Erich Schier. Im Gegensatz dazu sind die Weißstörche, teilweise auch Schwarzstörche, im Spreewald noch häufig anzutreffen.

Meist sind es ein oder zwei Jungtiere, die im Spreewalddorf das Licht der Welt erblicken. Doch auch tragische Momente mussten die Tierfreunde immer schon verkraften. Trockenheit, Futtermangel, Unwetter, Regenschauer, Tierstreitigkeiten oder andere Ursachen hatten zur Folge, dass kein Jungvogel sich blicken ließ. Für alle diese Eintragungen auf dem Schild in Lehde am Feuerwehrturm fühlt sich Erich Schier verantwortlich. „Ich arbeite eng mit den Naturschützern des Weißstorchzentrums in Vetschau zusammen“, sagt er und registriert penibel jede Besonderheit der Adebare.

Wenn es zum Abflug in Richtung Afrika geht, versammeln sich die Störche frühmorgens auf dem Wohnhaus von Erich Schier. „Es wird auf dem Dach noch mal richtig laut geklappert, und dann ziehen meine Lieblinge nach Süden“, sagt er. Doch nun freut er sich erst einmal auf die Storchensaison 2010.