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Erfahrungen vom Königstein nützten Kirche in Reddern

Als Johann Eberhard von Droste zu Zützen den Bau der Redderner Kirche veranlasste, könnten seine Erfahrungen als Kommandeur der Festung Königstein eingeflossen sein.
Als Johann Eberhard von Droste zu Zützen den Bau der Redderner Kirche veranlasste, könnten seine Erfahrungen als Kommandeur der Festung Königstein eingeflossen sein. FOTO: Kirche Reddern: uhd1
Reddern. Zum 200. Mal jährt sich in diesem Jahr die Unterzeichnung eines Pachtvertrages, der es in sich hat. Uwe Hegewald

Das Übereinkommen vom Mai 1817 suggeriert Wohlstand im Dörfchen Reddern (Gemeinde Altdöbern). Der Grundstein dafür wurde bereits 100 Jahre zuvor gelegt. In dem seit 1945 verschollenen Pachtvertrag überträgt Kaufmann Keyling alle seine Güter an dessen Ökonomie-Verwalter Amtmann Haendler in Reddern gegen eine Jahrespacht von 10 000 Talern und beträchtliche, breit gefächerte Naturalleistungen. Obwohl die Bevölkerung noch unter der Last der napoleonischen Kriege ächzte, schienen zumindest die Menschen im Raum Reddern ihren Weg aus der Not gefunden zu haben.

Heute etwas unscheinbar, erlebte das Dorf im 18./19. Jh. eine Blütezeit. Angeschoben von Johann Eberhard von Droste zu Zützen (1662-1726), sächsischer Generalleutnant und Gutsbesitzer, der um 1725 den Bau der sogenannten Flachskirche veranlasste. Zurückzuführen ist der Beiname auf die Architektur des Gotteshauses. Mehrere Etagen im Kirchenschiff wurden früher als Speicher genutzt, so etwa auch für die Lagerung von Flachs (Gemeiner Lein). Warum ausgerechnet die Redderner die Idee hatten, Ernteprodukte zu speichern, könnte auf die frühere Tätigkeit des Bauherrn zurückzuführen sein. Johann Eberhard von Droste zu Zützen machte unter Friedrich August I. von Sachsen (1670-1733), auch August der Starke genannt, militärische Karriere und war über mehrere Jahre Kommandeur der Festung Königstein. Welche Vertrauensstellung der spätere Redderner Gutsherr bei August dem Starken genoss, beweist, dass der Kurfürst von Sachsen und König von Polen oft in Deutschlands größter Bergfestung weilte und sie in dieser Zeit ausbauen ließ.

Wie die Geschichte lehrt, sahen sich Burgen, Schlösser oder Festungen oft Belagerungszuständen ausgesetzt, was eine entsprechende Bevorratung verlangte. Johann von Drostes Erfahrungen auf der Festung Königstein könnten beim Bau der Redderner Flachskirche eingeflossen sein. Von Droste zu Zützen war bereits im Alter von 29 Jahren Oberst im kurfürstlich-sächsischen Leibregiment zu Fuß. Als solcher machte er 1697 den Einmarsch nach Polen mit. Ab 1701 war er Unterkommandant des Infanterie-Regiments sächsische oder deutsche Garde. Im selben Jahr wurde er zum Generalmajor befördert und kommandierte 1703 ein nach ihm benanntes Infanterie-Regiment. Mit diesem zog er in den Großen Nordischen Krieg, erstürmte 1704 Praga (bei Warschau) und befehligte dieses auch 1706 in der Schlacht bei Fraustadt.

Die Einweihung der Redderner Kirche konnte der Ex-Kommandeur der Festung Königstein und Bauherr des Gotteshauses nicht mehr miterleben. Ebenso die Geburt und Taufe seiner Tochter Johanna Eberhardine Erdmuthe (1727-1752). Johann Eberhard von Droste zu Zützen verstarb am 18. September 1726 in Reddern.

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Zu den im Vertrag verankerten Erzeugnissen zählten unter anderem: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer Heidekorn, Hirse, Erbsen, Roggen- und Sommerstroh, aber auch Truthähne, Gänse, Enten, Kapaune (Masthähne), Hühner, Hühnereier, junge Tauben, halbjährige Schweine, Lämmer, Saugkälber und Butter.