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| 02:32 Uhr

Erfahrungen der Vorfahren genutzt

Beim Feldtag im Fokus: "Kraut und Rüben" – Zwischenfruchtanbaumix zur Bodenverbesserung.
Beim Feldtag im Fokus: "Kraut und Rüben" – Zwischenfruchtanbaumix zur Bodenverbesserung. FOTO: Peter Becker/peb1
Göritz. Mehr als fünfzig Landwirte, zumeist aus dem südbrandenburger Raum, folgten der Einladung der Göritzer Agrar GmbH, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Saatveredlung AG (DSV) am Freitag einen Feldtag durchführte. Peter Becker / peb1

Für den Laien vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig dürfte die Tatsache sein, dass "Kraut und Rüben" auf einigen Göritzer Feldern durcheinander wachsen. Schnell wird vor Ort klar, dass genau das so gewollt ist. "Futter für den Boden" nennen es die Landwirte. Da steht Buchweizen zwischen Rettich und Mais, Abessinischer Senf zwischen Sandhafer und Melde.

Spätestens bei der letztgenannten Pflanze dürfte sich beim Kleingärtner die Stirn runzeln. Nicht so bei den Pflanzenexperten des DSV und bei Bernd Weidner, der bei den Göritzern für den Pflanzenanbau verantwortlich ist. "Schauen Sie mal auf das wunderbare Wurzelwerk der Melde - ist das nicht ein herrlicher Humusbildner", richtet sich DSV-Geschäftsführer Christoph Felgentreu an die umstehenden Landwirte. Humusbildung, Wasser- und Stickstoffbindung waren somit auch die meistbenutzten Wörter beim Feldgang.

Ein Zahlenbeispiel: Für ein Kilogramm Stickstoff muss der Landwirt beim klassischen Anbau etwa einen Euro bezahlen. Lässt er die richtigen Pflanzen in der Zwischenfrucht wie in der Untersaat für sich arbeiten, bringen sie das 40-fache an Stickstoffertrag! Bernd Weidner an die Bauernkollegen: "Wir erfinden hier nichts Neues, wir nutzen nur die Erfahrungen unserer Vorfahren, die in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sind - Stichwort LPG - und stellen sie auf eine wissenschaftliche Basis."

Weidner nennt Beispiele einer Ertragsverdopplung beim Roggen, die nachweislich auf die Untersaat mit Gräsern zurückzuführen ist. Nach dem Umpflügen sorgen die Gräser weiterhin für Bodenverbesserung durch Humusbildung. Humus, den die Regenwürmer dringend brauchen.

Regenwürmer sind das Stichwort von Jana Epperlein. Sie kommt von der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung aus Neuenhagen. In ihrer Promotionsarbeit hat sie den Einfluss der Würmer auf den Ertrag erforscht. Die kleinen Helfer tragen ihrer Meinung nach wesentlich zur Ertragserhöhung bei - wenn ihre Biologie beachtet wird. "Wer zum falschen Zeitpunkt den Boden durchpflügt, zerstört Lebensraum!" Jana Epperlein hat sich die Mühe gemacht und auch die Wurmgänge untersucht. Die sogenannte Losungstapete, mit der die Gänge ausgekleidet sind, enthält 64 Kilogramm Stickstoff je Hektar bei durchschnittlicher Besiedlung. Alle Landwirte waren sich einig, dass sie den Aspekten Unter- und Zwischensaat, den Regenwürmern und vor allen Dingen der Natur generell mehr Aufmerksamkeit schenken müssen und wollen.

Der Vetschauer Landwirt Karl-Heinz Ricken: "Seit drei Jahren bauen wir zwischen den Erdbeeren einen Mix aus Leinsamen und Rotschwingel an. Mit dem Rasenmäher erzeugen wir dann die nötige Biomasse für die Humusbildung." Bernd Weidner beschäftigt das Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Pflanzen: "Da liegt noch viel Wissen brach. Und es wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis wir etwas klüger sind und in der Pflanzenproduktion zu gesicherten Erfolgen kommen."