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Endspurt auf der Künstlermeile

Ein regelrechter Skulpturen-Park ist in dieser Woche auf dem Lübbenauer Kirchplatz entstanden. Gestern hatte zum Beispiel Steffen Mertens noch einige Arbeiten zu erledigen.
Ein regelrechter Skulpturen-Park ist in dieser Woche auf dem Lübbenauer Kirchplatz entstanden. Gestern hatte zum Beispiel Steffen Mertens noch einige Arbeiten zu erledigen. FOTO: Preikschat
Lübbenau. Der Motorsägenlärm ebbt langsam ab, Holzspäne werden zusammengefegt, die Skulpturen mit Pressluft sauber geblasen, bemalt und eingeölt – das Spreewaldatelier 2017 neigte sich am gestrigen Freitag sicht- und hörbar dem Ende entgegen. Nicht nur auf dem Werkplatz der Bildhauer auf dem Lübbenauer Kirchplatz, auch im Zelt der Karikaturisten, wo die an Stellwänden hängenden Zeichnungen von Besuchern schmunzeln betrachtet wurden. Daniel Preikschat

Wie Michael Hensel von der Lübbenaubrücke bestätigt, standen am Freitag auch schon die Mindestpreise für die meisten der rund 40 Kunstwerke fest, die heute versteigert werden. "Auch für den kleinen Geldbeutel wird etwas dabei sein", versprach er. Allerdings können Besucher der Kunstauktion heute Nachmittag auch 2000 Euro und mehr ausgeben. Zum Beispiel für die sitzbankartige Skulptur mit dem eingearbeiteten Reliefmuster von Julia Alberti. 2,80 Meter misst das Werk in der Breite und wäre ein prima Spielzeug für Kinder, wie die Bildhauerin aus Düsseldorf findet.

Wie sie haben auch ihre Kolleginnen und Kollegen die Arbeit auf dem Kirchplatz in dieser Woche genossen. "Das Wetter war ein Geschenk", so Christoph Roßner. Und schön sei schon der Weg morgens von der WiS-Gästewohnung in der Neustadt zum Arbeitsplatz in der Altstadt gewesen. Er habe, so der Sachse aus Bad Schlema, fast nur mit der großen Maschine gearbeitet, den Kopfhörer übergestülpt. "Abgetaucht" sei er so bei der Bildhauerei und konnte "konzentriert ergebnisorientiert" zu Ende bringen, was er sich vorgenommen hat. Drei hohe stelenartige Skulpturen sind entstanden, abstrakte Menschenabbilder, die Roßner "Beziehungsweisen" nennt. Die eher stillen Lebensfreuden wollte er zeigen, beispielsweise, wenn Menschen ein ander zugeneigt sind oder Eltern ihr Kind behüten.

Der Cottbuser Hans-Georg Wagner zeigte sich ebenfalls zufrieden mit dem, was er zustande gebracht hat. Von "fertig geworden" jedoch wollte er nicht reden. Er habe seinem Stamm so viel mitgegeben an Kraft, Energie und Gestaltung, dass die Skulptur nun ihre Aufgabe erfüllen kann. Ähnlich drückt es Dietrich Lusici aus, für den die Zusammenarbeit der Künstler wohltuend war: "Wir waren wie Brüder."

Reiner Schwalme kam am Freitag schon mit Besuchern im Karikaturisten-Zelt ins Gespräch über seine fertigen Arbeiten. Pfarrer Matthias Grzelka gefiel besonders die humorvolle Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Tod: Man sieht einen Greis im Sessel, der über einen Sensenmann mit Clownsnase lacht, sich vielleicht sogar totlacht.

Viel Potenzial für Kritik und Komik hatte für die Zeichner aber auch die anstehende Wahl morgen und die Politik überhaupt. Martin Schulz wird zum Kaspar, den eine Feder aus einer Kiste schnellen lässt, Angela Merkel zur Kröte. Das Reichstagsgebäude zeichnet Rainer Ehrt vollgestopft mit Geldbündeln, den Wähler als einen Schafskopf, dessen Stimmzettel gleich in den Reißwolf fällt.

Wer sich die angefertigten Karikaturen und Skulpturen ansehen will, wer vielleicht sogar eine der Arbeiten erwerben will, der sollte heute noch von 10 bis 12 Uhr auf dem Kirchplatz Bildhauer-Symposium und Karikaturisten-Open-Air besuchen. Um 15 Uhr beginnt dort dann die Auktion.