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Emis setzt Anreize für Azubis

Vertriebsleiter Johannes Mayer (r.) zeigt Wirtschaftsförderin Bärbel Weihmann, Hartmut Klauschk, Fachbereichsleiter der Lübbenauer Stadtverwaltung, und Landrat Siegurd Heinze (v.l.) Steuerungskomponenten auf einer Montageplatte. Im Hintergrund Emis-Geschäftsführer Christopher Perschk (l.) und Benjamin Oppermann von der Emis-Geschäftsleitung.
Vertriebsleiter Johannes Mayer (r.) zeigt Wirtschaftsförderin Bärbel Weihmann, Hartmut Klauschk, Fachbereichsleiter der Lübbenauer Stadtverwaltung, und Landrat Siegurd Heinze (v.l.) Steuerungskomponenten auf einer Montageplatte. Im Hintergrund Emis-Geschäftsführer Christopher Perschk (l.) und Benjamin Oppermann von der Emis-Geschäftsleitung. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Azubis und Fachkräfte zu gewinnen, wird für Emis Electrics immer mehr zum Problem. Bei einem Besuch von Landrat Siegurd Heinze (parteilos) erläuterte die Geschäftsführung die Gründe dafür, aber auch mögliche Lösungen. Daniel Preikschat

Es gab Zeiten, da haben sich bei Emis Electrics hundert Bewerber auf eine Stelle beworben. Geschäftsführer Christopher Perschk hat das gut in Erinnerung, weil es auch noch gar nicht so lange her ist. Heute, sagt er, seien es nur noch 30 bis 40 Bewerber, die außerdem dramatisch schlechter qualifiziert sind. Auf Montage wollten gerade junge Leute heute gar nicht mehr.

Diese düstere Situationsbeschreibung gab Christopher Perschk auf Nachfrage seiner Gäste ab. Landrat Heinze war bei seinen alljährlichen Firmen-Visiten im Herbst zunächst im Norden des Landkreises unterwegs, Emis Electrics seine zweite Station. Für die Stadt Lübbenau schloss sich Fachbereichsleiter Hartmut Klauschk der Besuchergruppe an.

Perschk und seine Kollegen in der Geschäftsleitung, Daniel Gollasch und Benjamin Oppermann, konnten aber auch auf Bemühungen verweisen, das Problem Fachkräfte- und Azubi-Mangel auf Dauer vielleicht doch in den Griff zu bekommen. Zum einen ist da das rechtzeitige Werben um Nachwuchs in den Schulen und Hochschulen. Man sei dort sehr aktiv, werbe für sich und biete Praktika an. Schon Siebt- und Achtklässler können für eine Woche ins Unternehmen hineinschnuppern.

Lob vom Landrat für Lübbenau

Zum anderen versuche Emis, seine Attraktivität noch zu steigern. Perschk gestand ehrlich ein, dass ein mittelständisches Unternehmen wie Emis Electrics nicht so hohe Löhne zahlen könne wie große Konzerne etwa im Westen Deutschlands. Dafür bieten sich bei der Lübbenauer Firma mit ihren zehn Standorten bundesweit wahrscheinlich die besseren Aufstiegsmöglichkeiten. Weiter gebe es Zuschüsse, Prämien und Übernahmegarantien für tüchtige Auszubildende - außerdem ein womöglich stärker als in Großunternehmen ausgeprägtes Wir-Gefühl. Bei Emis werde jeder Mitarbeiter angehört und könne mitreden, bestätigte Benjamin Oppermann, zuständig für Unternehmensentwicklung.

Finanzleiter Daniel Gollasch sieht aber auch die ganze Lausitz in der Pflicht, sich für Fachkräfte und Azubis attraktiver zu machen durch geschlosseneres Auftreten. Das sei "eine Riesenaufgabe" für das Marketing. Hierbei verwies Hartmut Klauschk auf die guten Standortfaktoren in Lübbenau: ausreichend Kita-Plätze, attraktive Wohnmöglichkeiten, gute Bildungsangebote. Das Stichwort für Siegurd Heinze, auf das kürzlich für fast sechs Millionen Euro sanierte Gymnasium hinzuweisen. Überhaupt aber sei Lübbenau gut aufgestellt.

Im Vergleich zu kleineren Unternehmen steht Emis nach Ansicht Heinzes bei der Azubi- und Fachkräfte-Suche noch gut da. Erste Station seiner Besucher-Tour war am Morgen die Duräumat Agrotec in Neupetershain mit 40 Mitarbeitern gewesen. "Die bekommen gar keine Bewerbungen mehr", habe der Landrat dort erfahren. Zudem habe Emis Electrics "gute Perspektiven".

Breit aufgestellt

Dabei bezog sich Siegurd Heinze auf Ausführungen der Emis-Geschäftsführung. So seien die Lübbenauer mit ihren drei Unternehmensbereichen Electrics, Energy und Industriemontagen längst nicht mehr nur Kraftwerke-Dienstleiter. Auch in der Bahn- und Chemiebranche habe man einen Fuß in der Tür. Weiter will man sich profilieren bei der Einspeisung alternativ gewonnener Energie ins Leitungsnetz.

Zum Thema:
Emis Electrics beschäftigt an zehn Standorten bundesweit 500 Mitarbeiter und hat ständig rund 30 Azubis. Der Jahresumsatz beläuft sich nach Angaben der Geschäftsführung auf 35 bis 40 Millionen Euro jährlich. Gegründet wurde die Firma 1990 von Eberhard Perschk, der damals 25 Mitarbeiter beschäftigte. Erst im vergangenen Jahr hat Emis in Gelsenkirchen die Industriemontagen Dombrowski übernommen.