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Elegant durch den Spreewald geleitet

Angesichts dieser neuen Schilder wie am Südumfluter bei Boblitz macht das Paddeln viel mehr Spaß.
Angesichts dieser neuen Schilder wie am Südumfluter bei Boblitz macht das Paddeln viel mehr Spaß. FOTO: Martin Richter
Lübbenau. Mit den neu aufgestellten Wegweisern im Spreewald wird das Wasserwandern noch attraktiver. Ausgeschilderte Routen verhindern das Abkommen vom rechten Weg. Auch an die Sicherheit der Paddler wurde gedacht. Willi Löben

Sie treiben mitten auf dem Wasser, die Karte eifrig hin- und herwendend und suchen am Ufer krampfhaft nach irgendwelchen Anhaltspunkten: verzweifelte Paddel-Touristen auf der Suche nach dem rechten Weg.

Dieses Bild von orts unkundigen Kanu- und Paddelboot-Anfängern soll nun im Spreewald ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. Denn ab sofort wird den Hobby-Paddlern die Orientierung auf den Wasserwanderwegen mit Hilfe von Wegweisern leichter gemacht. "Viele Touristen wissen nicht, was Hauptfließe oder Nebenrouten sind. Daher werden sie nun mit Schildern sicher durch den Spreewald geführt", sagt Martin Richter vom gleichnamigen Bootsverleih.

Zuvor wurde für das Land Brandenburg durch Project M, einem landesweit agierenden Unternehmensberater für die Tourismus- und Freizeitbranche, eine Studie zum Thema "wirtschaftliche Effekte im Wassertourismus" durchgeführt. Darin wurde spezifisch auf den Kanusport und den damit zusammenhängenden Tourismus eingegangen. Der von Project M entwickelte "Masterplan naturverträglicher Wassertourismus Spree-Spreewald" bietet nicht nur Hinweise zur Entwicklung einer Kanu-Region auf der Spree, sondern gibt auch Einblicke in das Geschehen rund um den Wassertourismus.

Ein negativer Aspekt, der sich in der Studie zeigte, war unter anderem die mangelhafte Infrastruktur. So seien nicht genügend Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten für Paddler mit eigenen Booten vorhanden oder eben die Wasserrouten nicht ausreichend beschildert gewesen. "Quantität und Qualität der wassertouristischen Infrastruktur sind zentralere Erfolgsfaktoren für die weitere Entwicklung", sagt Matthias Wedepohl, der die Studie von Project M durchführte.

Um den Kanusport im Spreewald attraktiver zu machen, ist zunächst die Maßnahme mit den Fernwegweisern umgesetzt worden. In der Nähe von Gewässerkreuzungen befinden sich nun - an Aluminiumpfählen angebracht - grüne Schilder. Sie zeigen den Paddlern aber nicht nur Ort und Entfernung. Piktogramme verfeinern das Schildkonzept mit Hinweisen, wo sich beispielsweise die nächste Toilette oder ein Biwakplatz befinden. Einen zusätzlichen Vorteil hat die neue Beschilderung auch für die Rettungskräfte. Denn unter den Schildern sind jeweils ein Buchstabe sowie eine Nummer angebracht, die den genauen Standort angeben, wo sich vielleicht ein Unfall ereignet hat.

Mit dieser Kombination kann nicht nur die Rettungsleitstelle in Cottbus arbeiten, auch die Kanuverleihstationen im Spreewald können das. "Wir können anhand der Punkte auf der Karte sehen, wo Gäste sich befinden und sie telefonisch leiten", erklärt Martin Richter.

"In Lübbenau sind soweit alle Wegweiser aufgestellt", berichtet der Bereichsleiter der Stadt für Planung und Beitragswesen Peter Brandt. Er fügt hinzu, dass die Beschilderung nur einer der Bausteine zur Verbesserung des Wassertourismus ist, die in dem Masterplan beschlossen wurden. In diesem Zuge loben Peter Brandt und Martin Richter die Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat, dem Spreewaldverein Lübben als Träger des Projekts sowie die umliegenden Gemeinden bis Schlepzig. "Es war zwar ein langer Prozess, doch wenn man die Schilder jetzt stehen sieht, hat sich alles gelohnt", sagt Martin Richter.

Zum Thema:
Aus derStudiegeht hervor, dass das Marktvolumen im Kanuverleih hoch ist. In den vergangenen fünf Jahren verzeichneten die Verleihstationen eine gestiegene Buchungszahl von 56 Prozent. Ebenfalls erwarten 70 Prozent einen moderaten Anstieg. Eine Marktsättigung ist nicht abzusehen.