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| 20:07 Uhr

Ockerschlamm
Aktionsbündnis: Eisenocker dringt in den Spreewald ein

Blick vom Hochwasserschutzdamm zwischen Boblitz und Raddusch über die Raschkonitza, dem heutigen Südumfluter, in Richtung Jeschoa (auf dem Foto oben), der heutigen Unteren Boblitzer Kahnfahrt. Auf dem rechten Ufer der Raschkonitza stand die Wassermühle. Der Durchstich-Kanal (auf dem Foto links) wurde 1908 angelegt. Foto: B. Marx/bdx1
Blick vom Hochwasserschutzdamm zwischen Boblitz und Raddusch über die Raschkonitza, dem heutigen Südumfluter, in Richtung Jeschoa (auf dem Foto oben), der heutigen Unteren Boblitzer Kahnfahrt. Auf dem rechten Ufer der Raschkonitza stand die Wassermühle. Der Durchstich-Kanal (auf dem Foto links) wurde 1908 angelegt. Foto: B. Marx/bdx1 FOTO: Bernd Marx
Raddusch. Wer dieser Tage im Spreewald unterwegs ist und in den Südumfluter schaut, reibt sich verwundert die Augen: Deutliche Braunfärbung zeugt von einer hohen Eisenbelastung. Doch wie kann das sein? Vor dem Biosphärenreservat Spreewald soll eigentlich eine „Barriere“ den Eisenocker aufhalten, teilt Winfried Böhmer, Sprecher des Aktionsbündnisses Klare Spree e. V., mit. „Nicht nur Greifenhainer Fließ und Südumfluter führen eine erhöhte Eisenfracht, auch die Radduscher Kahnfahrt glänzt hässlich braun“, so Böhmer. Von Rüdiger Hofmann

Wer dieser Tage im Spreewald unterwegs ist und in den Südumfluter schaut, reibt sich verwundert die Augen: Deutliche Braunfärbung zeugt von einer hohen Eisenbelastung. Doch wie kann das sein? Vor dem Biosphärenreservat Spreewald soll eigentlich eine „Barriere“ den Eisenocker aufhalten, teilt Winfried Böhmer, Sprecher des Aktionsbündnisses Klare Spree e. V., mit. „Nicht nur Greifenhainer Fließ und Südumfluter führen eine erhöhte Eisenfracht, auch die Radduscher Kahnfahrt glänzt hässlich braun“, so Böhmer.

Die ergiebigen Niederschläge der letzten Zeit führten zu einem stärkeren Abfluss, wodurch der abgesetzte Eisenhydroxidschlamm (EHS) im Greifenhainer mobilisiert werde und in den Südumfluter gelange, so Böhmer. Aus dem Greifenhainer Fließ würden 100.000 Kubikmeter Schlamm ausgebaggert. Damit gelangt bei geringer Wasserführung kein EHS mehr bis zum Südumfluter.

„Aber die Eiseneintritte wurden nicht beseitigt. Es wurde nur Absetzraum für das immer wieder nachströmende Eisen geschaffen. Und bei den jetzigen starken Abflüssen funktioniert das nicht und Eisenocker erreicht wieder das Biosphärenreservat“, sagt Böhmer. Darüber hinaus seien die Absetzbecken im Eichower Fließ überfordert. Die größeren Wassermengen und das kühle Wasser führen dazu, dass die Anlage die hohen Eisenmengen nicht mehr zurückhalten kann und viel davon in das Greifenhainer Fließ strömt.

In Raddusch führt das Göritzer Mühlenfließ ebenfalls eine ungewöhnlich hohe Wassermenge. Die vor Kurzem realisierte Umleitung des Göritzer Mühlenfließes nimmt diese Mengen nicht auf und so gelangt verstärkt Eisen in die Radduscher Kahnfahrt.

„Das Aktionsbündnis Klare Spree fordert erneut, dass die geplanten Maßnahmen für die Entlastung des Greifenhainer Fließes und der Radduscher Kahnfahrt endlich umgesetzt werden. Darüber hinaus kritisieren wir, dass eine Quellbehandlung der südlichen Zuflüsse des Spreewaldes nicht vorankommt. Bis zu 90 Kilometer dieser Gewässer sind quasi ökologisch tot. Dort leben keine Bachflohkrebse, keine Fische und kein Eisvogel mehr“, sagt Böhmer.

Doch dem Spreewald droht eine noch größere Gefahr durch die riesigen EHS-Mengen, die sich in der Talsperre Spremberg absetzen. Selbst wenn nun mit der Beräumung der Vorsperre begonnen werde, würde unverändert etwa die Hälfte des EHS in der Hauptsperre landen. „Bei einem Hochwasser sehen wir die Gefahr, dass diese Schlämme mobilisiert und ausgetragen werden. Erst im Spreewald würden sich diese dann absetzen und einen nicht vorstellbaren ökologischen Schaden verursachen“, sagt Winfried Böhmer. „Die Beräumung auch der Hauptsperre sehen wir deshalb als unabdingbar an“, so der Sprecher des Aktionsbündnisses.