Von Rüdiger Hofmann

Was ist in diesen Tagen bloß in Vetschau los? Erst vergiftet ein Unbekannter oder mehrere Täter vier Katzen im Stadtgebiet. Wenig später wird in Raddusch auf den Labrador-Berner-Sennenhund-Mischling Balu geschossen. Ein Spitzdiabolo-Geschoss durchquert den Bauchraum des Tieres, zerfetzt nahe der Niere eine Arterie und bleibt in einer Rippe stecken. Der Hund verblutet und stirbt.

Und nun der nächste Vorfall: Sechs Laternen sind in der Lindenallee beschossen worden, weitere im Schlosspark. Man sieht deutlich die Einschusslöcher in den Glasscheiben der historischen Lampen. Die Beleuchtung ist nun defekt. Der oder die Täter sind – wie auch bei den Katzen- und Hundemorden – bislang unbekannt.

Doch damit nicht genug: „Am Schloss und der Stadtverwaltung sind weitere Objekte attackiert worden“, sagt Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). „Dort sind jeweils eine Scheibe im Erd- und Obergeschoss sowie die beiden Lampen neben dem Hauseingang beschossen worden. Zudem die Kartenlesegeräte sowohl am Schloss als auch am Stadthaus II, dem Kavalierhaus“, so Kanzler. „Bei den Fenstern liegt der Schaden bei 627 Euro.“ Bei den sechs Laternen können die Kosten bislang nur grob geschätzt werden. „Von etwa 600 Euro je Stück – in Summe also rund 3600 Euro – kann aber ausgegangen werden“, sagt Kanzler. Insgesamt liegt die Schadenshöhe also zwischen 4000 und 5000 Euro.

„Die Stadt hat inzwischen Anzeige erstattet gegen unbekannt“, bestätigt Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizei. Sehr wahrscheinlich ist bei den Vorfällen mit den Lampen eine Druckluftwaffe zum Einsatz gekommen, da mehrere Projektile innerhalb der historischen Lampengehäuse gefunden wurden. Die Bevölkerung wird durch die Vorfälle zunehmend verunsichert. Auf dem Weihnachtsmarkt am vergangenen Wochenende auf dem Areal des Schlosses wird getuschelt – zumal die Schäden im Schlosspark von vielen wahrgenommen werden. „Die in den vergangenen Monaten gehäuft auftretenden Beschädigungen sowie die Art und Weise der Tatbegehung machen unruhig und unsicher“, bewertet Kanzler die Vorfälle. Jeder sei aufgefordert, Augen und Ohren offen zu halten. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei wurde intensiviert und funktioniert sehr gut. Es wird sich engmaschig abgestimmt. Dass offenbar genehmigungsfreie Waffen zweckwidrig angewendet werden, mahnt zur allgemeinen Wachsamkeit und zu sachgerechten Gesprächen insbesondere in der Familie und im Freundeskreis“, so Kanzler.

Spannend ist die Frage, ob zwischen den Schüssen im Schlosspark und der Lindenallee sowie dem getöteten Hund in Raddusch ein Zusammenhang besteht. Die Polizei ist sich ziemlich sicher, dass hierbei nicht die gleiche Waffe beziehungsweise die gleichen Geschosse verwendet wurden. „Um das Glas im Fall der Lampen zu zerstören, reicht im Grunde ein Luftgewehr. Im Fall des getöteten Hundes aber muss das Gewehr manipuliert worden sein. Außerdem wurde ein Diabolo als Geschoss eingesetzt. Anders ist die hohe Durchschlagskraft nicht zu erklären“, so Sprecherin Filohn. Und auch Bengt Kanzler bestätigt: „Fest steht, dass die jeweils gefundenen Projektile unterschiedlich sind.“

Zunächst bleibt die Stadt auf den Reparaturen und den Kosten sitzen. „Wird oder werden der oder die Täter gefasst, wird selbstverständlich der Schadenersatzanspruch geltend gemacht“, sagt Kanzler. Die Reparatur der Laternen sei beauftragt und werde voraussichtlich noch im Dezember durchgeführt. Die Fenster konnten bereits repariert werden.

Hinter vorgehaltener Hand sind einige Stimmen in Vetschau laut geworden, dass sich jemand an der Stadtverwaltung mit den Waffenaktionen rächen will, weil in jüngster Zeit deutlich mehr Strafzettel vom Ordnungsamt verteilt werden als sonst. „An derartigen Mutmaßungen beteilige ich mich nicht – halte das aber eher für unwahrscheinlich“, sagt Kanzler auf RUNDSCHAU-Nachfrage.