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| 02:32 Uhr

Eine "Stachelbeere" im Wiesengrund

Nicht nur Vorsitzender Jürgen Händler (l.) und Reinhard Dümichen vom Calauer Kleingartenverein "Am Wiesengrund" machen sich Sorgen um die "Stachelbeere", sondern viele andere Hobbygärtner auch.
Nicht nur Vorsitzender Jürgen Händler (l.) und Reinhard Dümichen vom Calauer Kleingartenverein "Am Wiesengrund" machen sich Sorgen um die "Stachelbeere", sondern viele andere Hobbygärtner auch. FOTO: Kuschy
Calau. Schlachtefeste, Feiern aller Art, Himmelfahrt, Frauentag, Gänsebratenessen – was hat die alte "Stachelbeere" in der Calauer Gartenanlage "Am Wiesengrund" nicht schon alles erlebt. Damit sie im Mai nicht für immer schließen muss, halten die Hobbygärtner Ausschau nach einem Pächter. Hannelore Kuschy

Rund 50 000 Euro haben die Kleingärtner aus dem Calauer "Wiesengrund" seit der Wende in ihr Lokal "Stachelbeere" gesteckt. Aufgebaut haben sie die kleine Vereinsgaststätte nach und nach selbst ab Ende der 1960er Jahre, erzählt Reinhard Dümichen, der zwei Jahrzehnte - bis vor zwei Jahren - Vereinsvorsitzender war.

"Vor sechs Jahren", erinnert er sich, "ist vor dem Haus in einem proppevollen Zelt für 300 Leute das 50-jährige Bestehen unserer Sparte gefeiert worden". 1960 hatte das damalige Volkseigene Gut Reuden Land für die Gartenanlage abgegeben. Der Verein zählte sofort 99 Mitglieder. 45 von ihnen hatten auch gleich einen Garten. Heute gehören dem Wiesengrund-Verein 150 Mitglieder an. 148 Gärten verteilen sich auf einer Fläche von 5,5 Hektar. Noch steht kein einziger Garten in der Anlage gleich am Wohngebiet leer. "Aber der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder ist doch ziemlich hoch", sagt Vorsitzender Jürgen Händler.

Doch das ist nicht seine einzige Sorge. Ende April läuft der jetzige Pachtvertrag für die "Stachelbeere" aus. "Wenn wir bis dahin keinen neuen Pächter finden, muss sie schließen", stellt er mit Schmerzen fest. "Vereinsmitglieder haben sie mit ihren eigenen Händen aufgebaut. 1972 war der erste Raum fertig. Der inzwischen verstorbene Gotthard Kusche war der erste Betreiber", weiß Reinhard Dümichen. Danach sei lange Zeit erst einmal Ruhe gewesen.

Bestens gelaufen ist die "Stachelbeere" dann erst nach der Wende. Brigitte Ernst und ihr bereits verstorbener Mann Hartmut haben sie als Pächter weit über den Gartenverein hinaus beliebt gemacht. "Schlachtefeste und alle möglichen Familienfeste haben wir hier gefeiert und Skat gespielt. Zu Himmelfahrt sind viele Leute eingekehrt. Und die Jahrestage unserer Sparte waren immer was Besonderes", erzählt Reinhard Dümichen. Früher seien auch Plinse gebacken worden. Es gab feste Öffnungszeiten, die nicht nur die Hobbygärtner kannten, sondern Junge und Ältere aus der ganzen Umgebung. Von anderen seien die Laubenpieper um ihre funktionierende "Stachelbeere" stets beneidet worden. So war es auch noch, als Tochter Manuela Handt das kleine Lokal bis 2010 weitergeführt hat. "Von der Pacht ist es uns bisher auch immer möglich gewesen, ins Haus zu investieren", so Reinhard Dümichen. "Wenn der jetzige Pachtvertrag Ende April ausläuft und wir für die Zeit ab Mai keinen neuen Pächter finden, wäre das schlimm für die Sparte", weiß Jürgen Händler. "Sie könnte zu einem richtigen Treffpunkt auch für junge Leute werden, zumal wir direkt am Wohngebiet, im Grünen und auch am Radweg liegen", ergänzt seine Frau Gabriele.