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Eine Legende kehrt zurück

Nach 41 Jahren kehrt die Klosterbrüder zu einem Konzert ins Altdöberner Schützenhaus zurück. Beim ersten Konzert trug der Auftrittsort der DDR-Rockband noch den Namen Kulturhaus Heinrich Heine.
Nach 41 Jahren kehrt die Klosterbrüder zu einem Konzert ins Altdöberner Schützenhaus zurück. Beim ersten Konzert trug der Auftrittsort der DDR-Rockband noch den Namen Kulturhaus Heinrich Heine. FOTO: PR
Altdöbern. Als einen "Höhepunkt des Konzertjahres" ordnet Dietrich Kessler die Musikveranstaltung am Samstag, 5. November, im Altdöberner Schützenhaus ein. Kessler ist Sänger und Saxophonist der Ostkult-Band "Klosterbrüder", die 1975 in Altdöbern gastierte. 500 Fans wollten die später verbotene Band erleben. Sie ließen den Saal aus den Nähten platzen. Uwe Hegewald / uhd1

"Das war schon eine verrückte Zeit. Immer eine volle Hütte. So etwas vergisst man nicht", erinnert sich Dietrich Kessler im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Trotz Berufsverbot und 18 Monate Stasi-Knast gibt es Momente, an die sich das später an den Westen "verkaufte" Bandmitglied gerne erinnert: "Musik machen und die Begegnungen mit den Fans."

Wie viele werden es wohl bei der Rückkehr am ersten Novemberwochenende im Altdöberner Schützenhaus sein? 1975 hieß die Kultstätte auf dem Weinberg noch Kulturhaus Heinrich Heine, dessen Saal für 220 Gäste ausgelegt war. "So sah es der Bestuhlungsplan vor und der war Gesetz", sagt Ex-Ordnungshüter Ulrich Krause. Er begründet das mit Sicherheitsvorkehrungen, um für einen Ernstfall gewappnet zu sein.

Der drohte beim 1975er Klosterbrüder-Konzert einzutreten. "Über 500 Jugendliche wollten ins Gasthaus, aber das war dort bei Veranstaltungen keine Seltenheit", erinnert sich der damals regelmäßig kontrollierende Abschnittsbevollmächtigte (ABV). In Sachen Besucherzahl wurde so manches Mal ein Auge zugedrückt. "Die jungen Leute wären sonst durch die Fenster in den Saal gestiegen und hätten so den Veranstalter noch um seine Einnahmen gebracht", begründet er. Angst vor den mitunter aufmüpfigen und regimekritischen Jugendlichen habe Ulrich Krause nie gehabt. "Es war vielleicht ein angespannter aber immer respektvoller Umgang. In meinen 31 Dienstjahren als Verkehrspolizist oder ABVer musste ich nicht ein einziges Mal die Dienstwaffe ziehen oder den Gummiknüppel benutzen", betont er.

Auch nicht beim Gastspiel der Klosterbrüder. Bereits 1963 hatte sich die Amateur-Band aus Magdeburger Studenten gegründet und wechselte Anfang der 70er Jahre ins Profilager. Kulturfunktionären war die Band aufgrund ihres Namens, der Musik und der großen Fangemeinde ein Dorn im Auge. Um einem angedrohten Berufsverbot aus dem Weg zu gehen, änderte die Band wenige Monate nach ihrem Auftritt in Altdöbern ihren Namen in "Gruppe Magdeburg".

Der Hype blieb - erst recht nach der legendären "Klosterbrüder & Stern Combo Meißen-Tour" (1975) unter dem Namen "Fusion". "Wir hatten damals 65 Konzerte hintereinander, manchmal zwei Auftritte am Tag", erzählt Dietrich Kessler. Die Lausitz habe man oft angesteuert. Cottbus, Großräschen, Senftenberg oder Forst fallen ihn als häufige Auftrittsorte ein. Als ihnen die Funktionäre immer öfter und mehr Steine in den Weg legten, entschlossen sich die Bandmitglieder einen kollektiven Ausreiseantrag zu stellen. Es folgten Berufsverbot und für Hans-Joachim Kneis und Dietrich Kessler der Stasi-Knast.

14 Tage nach Millennium (2000) erfolgte die Reanimation der Klosterbrüder, die sich seither immer mal wieder zu einer Mugge zusammenfinden. "Inzwischen sind wir alle um die 60. Besondere Anlässe locken uns aber schon noch auf die Bühne. Anfang des Jahres hatten wir im ‚Alten Theater' Magdeburg ein gemeinsames Konzert mit Renft und Speiches Monokel", so Bandsprecher Kessler. Der RUNDSCHAU verrät er vorab, worauf sich Konzertbesucher freuen dürfen: Eigene Kompositionen, bekannte Bluessongs aber auch nationale und internationale Ohrwürmer von Jethro Tull bis Eric Clapton.

Ab sofort nimmt Bernhard Dase Reservierungen entgegen (035434 533). Der Gastwirt hat auch schon Kontakte mit den Produzenten des DDR-Kräuterlikörs "Klosterbruder" (Zinna) aufgenommen, um dem Treffen mit den Legenden noch mehr Schmackes zu verleihen.