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| 17:35 Uhr

Wildtier-Aufzucht
Eine Großtrappe namens Adolf

Gernod Heindel bei der Fütterung drei seiner aufgezüchteten Jungstörche auf seinem Hof in Reddern bei Altdöbern. Insgesamt bewertet er das aktuelle Storchenjahr bisher als gut. Sein ungewöhnlichstes Tier, das er aufgezogen hat, war eine Großtrappe aus Göttingen.
Gernod Heindel bei der Fütterung drei seiner aufgezüchteten Jungstörche auf seinem Hof in Reddern bei Altdöbern. Insgesamt bewertet er das aktuelle Storchenjahr bisher als gut. Sein ungewöhnlichstes Tier, das er aufgezogen hat, war eine Großtrappe aus Göttingen. FOTO: Rüdiger Hofmann
Altdöbern/Reddern. Gernod Heindel zieht in Reddern verletzte und geschützte Wildtiere in seiner Pflegestation auf. Von Rüdiger Hofmann

Seit 34 Jahren betreibt Gernod Heindel im Altdöberner Ortsteil Reddern eine Auffang- und Pflegestation für verletzte und geschützte Wildtiere. Rund 200 davon nimmt er jährlich auf seinem einem Hektar großen Hof an. „Meistens bringen aufmerksame Leute verletzte oder verwaiste Tiere zu mir“, sagt Heindel. Mit dabei waren bereits Vögel aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin und dem Erzgebirge.

Gemeinsam mit seiner Familie übernimmt der 56-Jährige dann die vorübergehende Aufzucht und Pflege. Gehege, Teiche und Vogelvolieren hat er angelegt. Er besorgt Futtermittel und Medikamente. Die Aufzucht und Pflege erfolgt, bis die Tiere wieder fit sind und eigenständig leben können. Dann verlassen sie den Hof.

Verlassen werden bald auch die derzeit anwesenden sieben Jungstörche Heindels Anwesen. Vor etwa zwei Monaten sind sie auf seinem Hof abgegeben worden, da sie ein Elternteil verloren hatten. Inzwischen wurden sie aufgepäppelt. „Mit 20 Küken pro Tier und pro Tag“, sagt Heindel. Pro Monat benötigt er rund 200 Kilogramm an Futterküken.

Inzwischen beobachtet Heindel, wie fünf der sieben Störche abends auf den Dächern stehen und erste Flugübungen unternehmen. „Ein sicheres Zeichen, dass sie bald aufbrechen.“ Das diesjährige Storchenjahr bewertet Heindel generell als gut. „Es gibt viele Heuschrecken als Nahrungsgrundlage für die Tiere, um damit den Mangel an Fröschen auszugleichen“, so der Experte.

Neben Weiß- und Schwarzstörchen hat Heindel in den vergangenen Jahren eine Vielzahl anderer Tierarten – unter anderem fast 800 Igel, mehr als 200 Bussarde, 160 Turmfalken, 127 Mauersegler, rund 60 Höckerschwäne, elf Seeadler sowie 52 Fledermäuse in acht Arten – gepflegt und großgezogen. Insgesamt mehr als 4 000 Tiere und mehr als 160 verschiedene Arten. Auch eine Schneeeule war dabei. Heindel führt exakt Buch darüber.

Das ungewöhnlichste Tier auf seinem Hof – was Art und Namen anbelangt – war vor drei Jahren mal eine Großtrappe namens Adolf. „Sein Pfleger hieß auch so. Früher war das ein verbreiteter Vorname“, sagt Heindel mit einem Augenzwinkern. Über Göttingen und Calau sei das Tier zu ihm nach Reddern gelangt.

Neben der Aufnahme verletzter Vögel und Säugetiere ist der Revierförster auch in verschiedene Zucht- und Auswilderungsprojekte eingebunden. „Das Projekt Wiederansiedlung des Steinkauzes im Landkreis Oberspreewald-Lausitz haben wir begonnen“. Auch Dohlen gibt es erstmals seit 40 Jahren wieder in seinem Wohnort.

Heindel ist als fachkundiger Waldpädagoge auch regelmäßig in Kindertagesstätten und Schulen zu Gast und führt Waldexkursionen durch. Urlaub fällt da zwangsläufig flach. Der Hof könne nicht unbeaufsichtigt bleiben, außerdem ist im Mai und Juni Hochsaison. „Ende August, Anfang September, häufen sich die zu pflegenden Igel. An manchen Tagen brauchen 20 Igel hintereinander die Flasche“, so Gernod Heindel.

Auch Schwarzstörche gibt es auf dem Hof der Heindels.
Auch Schwarzstörche gibt es auf dem Hof der Heindels. FOTO: Rüdiger Hofmann
Erstmals seit 40 Jahren haben sich Dohlen in Reddern angesiedelt.
Erstmals seit 40 Jahren haben sich Dohlen in Reddern angesiedelt. FOTO: Rüdiger Hofmann