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| 01:05 Uhr

Eine Entscheidung mit viel, viel Herz

OSL-Kreis.. Die Pläne des Kreises, kurz vor Ferienende den Eltern von rund 6000 Schülern ratzbatz eine stärkere Beteiligung von insgesamt 1,3 Millionen Euro am Schülerverkehr aufs Auge drücken zu wollen, sind gescheitert.

Eine klare Mehrheit von 28 Kreistagsabgeordneten aller Fraktionen lehnte am Donnerstag den von der Verwaltung vorgeschlagenen 50-prozentigen Elternanteil an einer Jahreskarte für den Schulbus ab.
Nur sieben SPD-Vertreter votierten nach einem 90-minütigen Wortgefecht für eine Änderung zum 1. August.
Als "unmoralisch und rücksichtslos gegenüber den Eltern" wertete in ihrer unverblümten Art Gabriele Theiss (SPD), im Hauptjob Leiterin der Grundschule in Guteborn, den späten Beratungszeitpunkt mitten in den Ferien. Die neuen Anträge zur Schülerbeförderung seien bereits im Mai im festen Vertrauen an die alte Regelung an alle Eltern verteilt worden, forderte zuvor in der Bürgerfragestunde Gudrun Kindermann, Chefin der Allgemeinen Förderschule Altdöbern, eine "Entscheidung mit Herz".
Dass auch bei Förderschülern künftig ein Elternanteil erhoben werden sollte, stieß auf ihr glattes Unverständnis: "Unsere Schützlinge sind durch ihre Leistungsschwäche bestraft genug im Leben."
Vergeblich mahnte Landrat Holger Bartsch (SPD) auch mit dem Hinweis auf die 21 Millionen Euro große Kassenlücke im Kreis eine nüchternde Abwägung aller Fakten an. Das erst im Mai vom Landtag novellierte Schulgesetz sehe eine "angemessene" Beteiligung aller Eltern an den Schülerfahrtkosten vor.
Den von Alt-Bundespräsident Roman Herzog geforderten "Ruck" in der Bildungslandschaft könne es nur geben, wenn Schule und Schülerverkehr als Teil einer "elementaren Grundversorgung" akzeptiert würden, entgegnete Hans Dietzel (CDU).
Im eigenen Versuch, einen "sozial angemessenen" Elternanteil schwarz auf weiß zu definieren, probierten sich am Donnerstag immerhin CDU- und SPD-Fraktion mit kurzfristig eingebrachten Änderungsanträgen. Sowohl die christdemokratische Variante einer 10-prozentigen Eigenbeteiligung als auch der SPD-Vorschlag einer Staffelung nach Familienverdienst blitzten jeweils bei einer knappen Kreistagsmehrheit ab.
Insgesamt mehr Beratungszeit forderten übereinstimmend Wolf-Peter Hannig (PDS) und Winfried Böhmer (Bündnis 90/Grüne).
Mit der jetzigen Entscheidung bleibt in punkto Schülerverkehr im Landkreis vorerst alles beim Alten.
Eine 30-prozentige Beteiligung am Jahresfahrschein wird demnach fällig, wenn die Zeitkarte auch privat genutzt wird. Landrat Bartsch erklärte noch im Kreistag, dass eine Neuregelung jetzt erst zum Schuljahr 2004/05 in Kraft treten könne. Eine Aufgabe dann wohl für den neuen Abgeordnetenkreis nach der Kommunalwahl am 26. Oktober. (os)