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Eine Bürgerinitiative vor dem Neuanfang

Knapp 50 Zuhörer zog es kürzlich zum Stammtisch der BI Altdöberner See ins Gasthaus nach Muckwar. Neben dem wachsamen Blick auf den See wollen die BI-Mitglieder um ihren Sprecher Dirk Marx jetzt den Fokus auf die umgebende Landschaft richten.
Knapp 50 Zuhörer zog es kürzlich zum Stammtisch der BI Altdöberner See ins Gasthaus nach Muckwar. Neben dem wachsamen Blick auf den See wollen die BI-Mitglieder um ihren Sprecher Dirk Marx jetzt den Fokus auf die umgebende Landschaft richten. FOTO: Hegewald
Muckwar/Ogrosen. Die BI Altdöberner See hatte sich dem Kampf gegen den Eisenhydroxid-Schlamm verschrieben. Nun will sie auch auf dem Land Veränderungen herbeiführen, fühlt sich dabei aber ausgebremst. Uwe Hegewald

(uhd) Nach ihrem erfolgreichen Feldzug gegen das Einleiten von Eisenhydroxid-Schlamm (EHS) in den Altdöberner See stellt sich die gleichnamige Bürgerinitiative neuen Zielen. Dabei wird der Radius vom Gewässer auf das umliegende Land erweitert. Eine natur- und umweltfreundliche Ausrichtung solle sich nicht auf See und Ufer beschränken.

Besucher des BI-Stammtisches sind kürzlich die Gefahren einer tickenden Zeitbombe vermittelt worden. So haderte Dr. Werner Kratz, stellv. Vorsitzender des Nabu Brandenburg mit dem sorglosen Umgang der hiesigen Äcker: "Gärreste aus Biogasanlagen sind Giftcocktails und gefährden die Umwelt. Plastikbespannte Felder zeugen vom sorglosen Umgang und zweifelhafter Landwirtschaft ohne Sinn und Verstand."

Sein Zorn richtet sich insbesondere gegen große Kapitalgesellschaften, die verbrannte Erde hinterlassen und dessen Vorstände nicht in der Region leben. "Wer Gewässer oder Böden verunreinigt, dem drohen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen", stellt der Jurist Eike Albrecht von der BTU Cottbus-Senftenberg klar. "Das betrifft nicht nur den Landwirt, der den Güllehahn achtlos öffnet, sondern auch diejenigen, die das anordnen oder dulden", so der Umweltrechtler. "Dokumentieren sie Vorgänge, fotografieren sie und bringen sie Vergehen zur Anzeige", fordert er Besucher des Stammtisches auf.

Dirk Marx ärgert sich, dass nur eine überschaubare Anzahl von Zuhörern nach Muckwar gekommen ist: "Die Umweltzerstörung in der Region geht einher mit der Ignoranz der dafür Verantwortlichen. Der letzte Stammtisch wurde sichtbar nicht von den Menschen der Region erkannt und genutzt." Neben 8000 über Nabu und Bund versendeten E-Mails wurden Vertreter betroffener Orte sowie aus Vetschau, Calau und Altdöbern eingeladen. Doch der regionale Nabu und der Zweckverband Lausitzer Seenland seien unsichtbar, bedauert Marx.

Der Ogrosener wittert einen Komplott: " Man will nicht hören, was wir in Muckwar auf den Tisch gebracht haben. Will sagen, man hat unsere Veranstaltung ganz offiziell ausgebremst", kritisiert er und macht das an einem Beispiel fest. So habe der für den BI-Stammtisch angekündigte Ronny Danneberg kurzfristig abgesagt. Wurde dem ehemaligen und inzwischen gekündigten Projektleiter der Biogasanlage Schöllnitz (KTG Agrar AG) möglicherweise ein Maulkorb verpasst?

Werner Kratz appellierte, die Flinte nicht vorzeitig in ein nur selten pestizidfreies Kornfeld zu werfen. "Die BI Altdöberner See ist gut aufgestellt und hat mit dem Erfolg für den See bewiesen, was möglich ist", so der Privatdozent. Was seiner Meinung zuverlässig wirke, sei ein Aufstand der Massen sowie der Druck aus Bevölkerung und Politik. Dirk Marx schwört die BI und alle Wegbegleiter auf Geschlossenheit ein. "Es macht keinen Sinn aufzuhören. Die Leute sind nicht naiv, sondern nur extrem verschreckt, weil sie nicht wissen, wie sie sich gegen Akteure wehren können, die in Kritik geraten sind und wie sei bei der Politik Gehör finden", argumentiert er. Von nun an stünde er für eine Gegenbewegung zur Verfügung.

Im Rahmen des BI-Stammtisches informierte Dipl.-Ing. Bernhard Scherf (Altdöbern) über "besorgniserregende Situationen von zwei Mülldeponien am Altdöberner See". Es handele sich um unsanierte Sondermüllkippen, in denen möglicherweise unerlaubte, gefährliche Chemikalien oder radioaktive Stoffe lagern.