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| 09:56 Uhr

Ein Wirkstoff, ein Medikament, ein Hersteller

Cottbus. Rheubalmin-Bad, Vipratox-Einreibung, Pectocor-Herzsalbe – all das kann der Besucher seit kurzem im Brandenburgischen Apothekenmuseum am Cottbuser Altmarkt entdecken. Im Mittelpunkt des neuen Ausstellungsraumes steht eine typische DDR-Offizin, die einmal in der Adler-Apotheke Fehrbellin nördlich von Berlin gestanden hat. Von Ulrike Elsner

Nicht nur die Möbel und die Medikamente erzählen Geschichte. Das kleine Museumsteam um Annette Schiffner hat seit Jahren liebevoll Details zusammengetragen. So steht neben der mit echten Alu-Chips bestückten Kasse eine Flasche Barock-Büroleim. Auch die typische DRK-Spendenbüchse von einst darf nicht fehlen. Selbst der Fußbodenbelag und die Blumentöpfe sind DDR-Produkte. Ebenso die Teebeutel und der gezeigte Einheitskittel. Auch ein Brigadetagebuch und die Dokumentation eines Neuerervorschlages aus der damaligen Cottbuser Nord-Apotheke sind ausgestellt. Außerdem ein Ausbildungsbuch, Nachweislisten für die Warenbestellung oder das von Wissenschaftlern erarbeitete Zentrale Informationsmaterial für verschiedene Medikamente. Was sofort auffällt, ist die völlige Abwesenheit von Werbung. "Es gab lediglich Gesundheits-Informationen", berichtet Annette Schiffner. Auch in das Verzeichnis der DDR-Arzneimittel lässt sie die Besucher Einblick nehmen. In der DDR habe es 2500 verschiedene Medikamente gegeben, sagt die Museumsleiterin. "Heute gibt es zwischen 80 000 und 100 000." Zur DDR-Zeit habe der Grundsatz gegolten: "Ein Wirkstoff, ein Medikament, ein Hersteller." Manches wird heute noch angeboten: Acecal, "das DDR-Aspirin", wie Annette Schiffner sagt, beispielsweise. Anderes sei "nach wie vor ein Renner" wie Panthenolspray. Doch auch in der Apotheken-Geschichte wird die DDR-Mangelwirtschaft offenbar. "Einmal in der Woche kam die Lieferung per Lkw", sagt Annette Schiffner. Doch bei der Bedarfsplanung mussten die Apotheker viel weiter in die Zukunft schauen. Der Grund? Zum Verpacken der Medikamente werden Flaschen, Dosen oder Tüten gebraucht. Und selbst das Verpackungsmaterial habe fünf Jahre im Voraus geplant werden müssen. Eingang ins Museum hat auch das gefunden, was es meist nicht gab. Zellstoff-Taschentücher und Wattestäbchen. Doch 40 Jahre Apothekengeschichte ergeben nicht nur ein Bild des Mangels. "In der DDR wurde sehr ernsthaft Pharmazie betrieben", betont Ernst-Uwe Mann, Vorsitzender des Museums-Fördervereins. Hintergrund Apothekenmuseum Der Markgraf von Brandenburg, Johann von Küstrin, privilegierte seinen Stadtarzt, Dr. Petrus Cnemiander, 1568 zum Führen einer Apotheke in Cottbus. Der ließ sich am Markt ein Haus bauen und eröffnete 1573 die "Löwen-Apotheke". Die Entscheidung, in der Löwen-Apotheke ein Museum einzurichten, fiel 1982. Die Umbauphase dauerte von 1984 bis 1989. Am 1. Juni 1989 öffnete das damalige Niederlausitzer Apothekenmuseum seine Pforten. Führungen gibt es dienstags bis freitags 11 und 14 Uhr, samstags und sonntags 14 und 15 Uhr oder nach Vereinbarung (Telefon 0355 2 39 97).