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| 02:32 Uhr

Ein Tanzhaus in Wüstenhain

Bis zum großen Start in ihrem Tanzhaus, der ehemaligen Gaststätte Krüger, gibt es für Sabine und Guilain Vernimmen noch eine Menge zu räumen. Denn erst seit zwei Wochen leben sie gemeinsam in Wüstenhain.
Bis zum großen Start in ihrem Tanzhaus, der ehemaligen Gaststätte Krüger, gibt es für Sabine und Guilain Vernimmen noch eine Menge zu räumen. Denn erst seit zwei Wochen leben sie gemeinsam in Wüstenhain. FOTO: Kuschy
Wüstenhain. Wüstenhain, der kleine Gemeindeteil von Vetschau, hat ein Tanzhaus. Sabine und Guilain Vernimmen aus Belgien haben die ehemalige Gaststätte Krüger gekauft. Die beiden Tanzdozenten wollen Menschen helfen, durch primitiven Tanz das Zuhause im eigenen Körper zu finden. Schon bald soll es damit losgehen. Hannelore Kuschy

Beim Urlaub 2002 auf Zypern haben sich die ehemalige Cottbuserin Sabine und der Belgier Guilain Vernimmen kennengelernt. Die heute 52-Jährige zog 2004 nach Antwerpen. Aus den ursprünglich geplanten zwei Jahren wurden neun. "Die Stadt ist voller Kultur, Kunst und Geschichte, aber ohne Natur. Mir hat die gute Luft gefehlt", gesteht sie. Und ihr fehlten ihre drei Kinder und drei Enkel. "Ich hatte sie, meine Arbeit, meine Straße, meine Sprache nicht mehr", beschreibt sie heute, was sie damals nicht mehr hat glücklich sein lassen. "Geh mal zu Kaatje", habe Guilain, der schon seit 1990 tanzt, ihr geraten. Kaatje, die Tanzlehrerin, half ihr, zu sich zu finden, denn "Tanz hat Nebenwirkungen", sagte die Lehrerin - das spürte einst auch Guilain selbst. "Zwei Jahre habe ich in einer schwierigen Zeit gebraucht, um eine andere Einsicht in mein Leben zu finden", erzählt er. Dieser primitive Tanz, ohne feste Schrittkombinationen, ohne Bewertung lasse Emotionen frei. Wer Mut habe, sich darauf einzulassen, entdecke das Zuhause im eigenen Körper. "Wir wollen Menschen dabei helfen, genau das zu finden, sich selbst wahrzunehmen", erzählt Sabine Vernimmen, die schon als Kind im ehemaligen Cottbuser Pionierhaus gern getanzt hat.

Beide hatten sich in Antwerpen nach Ruhe, Natur und Stille gesehnt - es sollte nach Deutschland gehen. Tochter Stefanie hat für sie im Internet das Wüstenhainer Gasthaus mit Tanzsaal ausfindig gemacht. Das war für die beiden aus Belgien aber nicht Liebe auf den ersten Blick. Heute schätzen sie alles um sich herum: "Die stille Gegend, viel Natur, das ideale Haus - hier ist einfach alles da, und wir wollen nur den i-Punkt setzen", erklärt die 52-Jährige freudestrahlend.

Schon Ende Oktober beginnen die ersten mehrwöchigen Workshops Tanz und Gefühl, Tanz und Entspannung, Tanz und Theater. "Während der Tanzabende begleite ich die Teilnehmer mit Übungen, die den Tanz entspannt und fließend werden lassen", sagt die Dozentin für intuitiven Tanz.

Ab 10. November wird an jedem zweiten Sonntag im Monat für 10 bis 12 Uhr zum "Wüstentanz" eingeladen. Ebenfalls für November ist ein Tanzwochenende geplant. Niemand wird dabei seine Schuhe durchtanzen, denn getanzt wird barfuß. Vonnöten seien lediglich eine dünne Decke, Trinkwasser und bequeme Kleidung. Dozent Guilain Vernimmen bietet ab Monatsende Kurse für griechischen Volkstanz an.

Wer sich solche Auszeiten gönnen möchte, um nichts anderes als sich selbst zu erleben, kann beispielsweise im benachbarten Tornitz übernachten. "Dort haben wir Partner mit Ferienwohnungen gefunden", sagt Sabine Vernimmen.

Irgendwann soll auch der Dachboden der alten Scheune am Tanzhaus soweit sein, dass die Gäste auch im Heu schlafen können.

Die Gegend schaffe ein Übriges, denn bis zum Gräbendorfer See seien es nur wenige Meter, der Hof am Tanzhaus biete Rückzugsmöglichkeiten, und auch im nahe gelegenen Wald könne jeder Entspannung finden.