Wenn Wände reden könnten, wäre schnell zu erfahren, welche Laute Besucher beim Betreten der pracht- und prunkvollen Räume des Barockschlosses ausstoßen: "Ah" und "Oh" klingt es bei jenen, die erstmals durch die aufwendig restaurierten Zimmer schreiten. So auch gestern.

Seit dem Jahr 2010 konnten 15 Räume des Schlosses fertiggestellt werden. Neben den Festsälen das Foyer, Treppenhäuser und der überbaute Innenhof als zweigeschossiger Wintergarten. Dazu gehören die entsprechenden Fassaden, Terrassen und Zugänge zum Hauptgebäude.

Die Baukosten beliefen sich in dieser Zeit auf rund fünf Millionen Euro. "Insgesamt sind bisher rund 15 Millionen Euro in die Sanierung des Altdöberner Schloss- und Parkensembles geflossen" teilte Dr. Wolfgang Illert kürzlich zur Ausstellungseröffnung mit. Illert ist Geschäftsführer der Brandenburgischen Schlösser GmbH (BSG) und Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die derzeit im Lichthof ihre Wanderausstellung "Seht, welch kostbares Erbe" präsentiert. Noch bis 14. August kann diese an den Wochenenden jeweils von 11 bis 17 Uhr besucht werden.

Die Geschichte zeigt, dass sich Funktionäre nicht immer dem kostbaren Erbe im Ort bewusst waren. Nach dem Auszug von Schwestern der katholischen Kirche, die das Schloss von 1946 bis 1974 gepachtet hatte und als Kinder- und Altenheim nutzte, litt das barocke Objekt.

Eine temporäre Unterbringung von Wöchnerinnen aus der benachbarten Frauen- und Geburtsklinik konnte nur kurzzeitig für Entspannung sorgen. "Hier war der Schlafraum für die jungen Muttis, hier das Behandlungszimmer und dort der Warteraum", wussten Annemarie Welkisch und Magdalena Hartelt von der früheren Klinikbelegschaft zu berichten. Leerstand, Diebstahl, Vandalismus setzten dem Erbe zu, das 1996 von der BSG übernommen wurde.

Vorangegangenen waren häufige Besitzerwechsel, die fast vier Jahrhunderte währen sollten. Als renommierteste Schlossbewohner gelten Carl Heinrich von Heineken (1707-1791) und Heinrich von Witzleben (1854-1933). Deren Altdöberner Schaffensperioden und die ihrer hinzugezogenen Kunsthandwerker, Baumeister und Angestellten können noch heute bewundert werden.

"Ich war noch nie in diesem Schloss und habe nicht ansatzweise mit dieser Pracht gerechnet", befand Frank-Peter Spröte. Der Lübbenauer zählt zu jenen, die seit Jahren regelmäßig an RUNDSCHAU-Touren teilnehmen. "Man kann der Heimatzeitung und der Schlösser GmbH nur dafür danken, dass sie uns diese Besichtigung der sonst verschlossenen Räume ermöglicht haben", bemerkte Harald Kupsch (Ranzow) zur Halbzeit. Zu diesem Zeitpunkt stand noch die Kurzführung durch den Schlosspark an.

Dieser trägt die Handschrift des deutschen Gartengestalters Carl Eduard Petzold (1815-1891). Der Meisterschüler des Fürsten Pückler hat in Europa und Deutschland rund 175 Garten- und Parkanlagen geschaffen, darunter auch den Altdöberner Park.

"Beeindruckend, über welchen Wissensschatz Stefan Hohmann verfügt. Der Landschaftsarchitekt kennt sich gleichermaßen in Geschichte und Gegenwart von Schloss und Park aus", schwärmte Ursula Andreack aus Altdöbern. Ebenso Birgit Hüter aus Luckau: "Ich bin überhaupt das erste Mal in Altdöbern und komplett überrascht. Man kann den Ort für einen Besuch nur weiterempfehlen." Am Ende der zweistündigen Tour ging sie beherzt auf den Gästeführer zu, um sich eine Vermutung bestätigen zu lassen. Demnach haben beide einst an der Gartenbauschule Erfurt studiert.

Zum Thema:
Zu den Altdöberner Parksommerträumen am 13. und 14. August präsentieren sich Schloss und Park in besonderem Glanz. Besucher bekommen ein abwechslungsreiches Kunst- und Kulturprogramm mit Livemusik, Serenadenkonzert, Ausstellungen, Führungen und Kinderprogramm geboten. Schloss und Park werden in romantisches Licht getaucht, der nächtliche Himmel mit einem Höhenfeuerwerk garniert sowie Fahrten mit Booten und der "Seeschlange" (Tschu-Tschu-Bahn) angeboten. uhd1