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Ein Park der Gottespferdchen

Da staunen die Kleinen nicht schlecht: Michaela Murrer, Leiterin der Radduscher Kita "Marjana Domaskojc", erzählt ihnen im Libellenpark am Hafen, welche schönen Namen die Libellen tragen, die im Spreewald zu entdecken sind.
Da staunen die Kleinen nicht schlecht: Michaela Murrer, Leiterin der Radduscher Kita "Marjana Domaskojc", erzählt ihnen im Libellenpark am Hafen, welche schönen Namen die Libellen tragen, die im Spreewald zu entdecken sind. FOTO: H. Kuschy
Raddusch. Durch das blaue und das rote Auge der Kunst-Libelle möchte er doch schon mal schauen, der Karl. Doch der Dreijährige sieht, dass er fast nichts sieht. Hannelore Kuschy

Weil eine Libelle, auch Gottespferdchen genannt, ganz andere Augen als der Mensch hat. Im neuen Libellenpark am Radduscher Naturhafen erfahren kleine wie große Besucher Erstaunliches über die graziösen Bewohner nicht nur des Spreewaldes. Aber der ist tatsächlich ein Libellen-Paradies. Denn 52 der 68 in Brandenburg heimischen Arten sind dort zu Hause. In ganz Deutschland gibt es 81 Arten - etwa die Hälfte davon ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Ein guter Grund für den Radduscher Tourismus- und den Kunstverein, diesen Libellenpark zu schaffen. Mädchen und Jungen der Radduscher Kita "Marjana Domaskojc" erfahren an der großen Info-Tafel zum Beispiel, dass die Facettenaugen einer Libelle aus unvorstellbaren 30 000 Einzelaugen bestehen und dass die Tierchen, die zu Land und zu Wasser leben, wunderschöne Namen tragen. Außerdem können sie mit ihrem Vier-Flügel-Antrieb schneller als 50 Kilometer pro Stunde fliegen und sind somit wohl die schnellsten Fluginsekten auf der Welt. Über einen QR-Code an der Tafel gelangt der Besucher zu einem Fotoalbum, auf dem alle Libellen zu sehen sind.

Mehr Laune als an der Info-Tafel zu stehen, macht den Kindern aber die Wackellibelle, die wie die beiden Holzlibellen von Jörn Morling aus Burg hergestellt wurde. "Diese Wackellibelle", erklärt Tourismusvereinschef Peter Becker, "veranschaulicht in etwa, wie sich eine Libelle fühlt, wenn sie auf einem Blatt landet".

Um Einheimische wie Besucher für die Natur des Spreewaldes zu sensibilisieren, ist dieser Park geschaffen worden. Und begonnen werden soll damit bereits bei den Kindern. An der Rezeption des Hotels "Radduscher Hafen" finden die Kleinen entsprechende Kreuzworträtsel, Bastel- und Malvorlagen zum Thema.

Mit dem Park allein ist das Projekt nicht vollendet. Dort beginnend, soll auf der linken Seite am Fließ entlang ein Libellenweg bis Kaupen und hinüber zur Wiese als Kunstraum gestaltet werden. Die ersten Objekte seien schon da, erzählt Peter Becker. Allein die beiden Vereine aber könnten die notwendigen finanziellen Mittel für weitere nicht aufbringen. Die Stadt Vetschau habe bereits einen Teil zum Libellenpark beigesteuert. In Aussicht stehe neben der so genannten Ockerpyramide als Botschaft an künftige Generationen nahe dem Hafen ein sechs Meter hoher silberner Löffel. Er soll deutlich machen, dass die Menschen das, was sie sich mit dem Ockerschlamm in der Spree eingebrockt haben, wieder auslöffeln müssen.

Der geplante Rundweg vor allem für Familien, soll durch den Wiederaufbau der Schroschkoa-Brücke komplettiert werden. Diese Brücke hatte es Ende der 1930er-Jahre als Fußgängerbrücke schon einmal gegeben. Wegen Baufälligkeit aber musste sie in den 1970er-Jahren abgetragen werden.

Zum Thema:
Um den Tourismusverein Raddusch und Umgebung und den Verein Kunstdorf Raddusch bei ihrem Vorhaben Lehr- und Kunstpfad Libellenweg zu unterstützen, werden gern Spenden entgegengenommen. Gespendet werden kann unter der Verbindung Verein Kunstdorf Raddusch, IBAN DE 41 180926840000252085, BIC GENODEF1LN1, Spreewaldbank Lübben.