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| 15:07 Uhr

Bauvorhaben Rewe in Vetschau
Ein Leben an der Kante

Auf dem Baufeld am ehemaligen Kulturhaus in Vetschau entsteht derzeit der neue Rewe-Markt. Erste Fundamente sind bereits erkennbar.
Auf dem Baufeld am ehemaligen Kulturhaus in Vetschau entsteht derzeit der neue Rewe-Markt. Erste Fundamente sind bereits erkennbar. FOTO: Rüdiger Hofmann
Vetschau. Anwohner am Kulturhaus-Baufeld in Vetschau mit Einbußen. Baugenehmigung wird geprüft. Von Rüdiger Hofmann

„Ich müsste jetzt Flüssiggas bestellen und weiß nicht, wie die Lieferung unter den Gegebenheiten überhaupt stattfinden soll“, sagt Herbert Wünsche, der am Baufeld des ehemaligen Kulturhauses in Vetschau wohnt und dort ein Fotoatelier betreibt. Durch die Baumaßnahmen für den neuen Rewe-Markt nebst Rossmann-Filiale und Bäckerei direkt vor den Toren der Anwohner und die gesperrte Zufahrt ist eine Lieferung schlichtweg nicht möglich. „Außerdem hat der Bagger die Querstreben von meinem Zaun weggerissen, nun rutscht der Zaunpfosten weg“, sagt er verärgert.

So sah die Toreinfahrt vor Siemons Grundstück zwischenzeitlich aus.
So sah die Toreinfahrt vor Siemons Grundstück zwischenzeitlich aus. FOTO: Rüdiger Hofmann

Ähnliches Leid klagt Anneliese Siemon. „Ich wollte eigentlich meinen Hof pflastern lassen, aber wie denn?“, sagt sie. Vor kurzem ist eine drei Meter tiefe Baugrube direkt an ihre Einfahrt gebaut worden, wodurch Siemon auf dieser Seite überhaupt nicht mehr vom Hof kam. Nachdem sie mit der Presse drohte, wurde die Grube wieder zugeschüttet.

Doch ein Thema verärgert die Anwohnerin derzeit – neben dem inzwischen vierstelligen Geschäftsausfall – am meisten. Die Baumaßnahmen für den neuen Rewe-Markt sind im vollen Gange, nun wurde auch mit dem Rossmann-Bau begonnen, der sich bald direkt vor ihrem Grundstück befinden wird. „Der Rossmann soll jetzt aber größer als ursprünglich geplant gebaut werden – und dafür liegt keine Baugenehmigung vor“, sagt Siemon. Sie spricht von „Schwarzbau“ und „Willkür des Bauherrn“. „Hier werden Baugesetze mit Füßen getreten und die deutsche Gesetzgebung missachtet.“ Ein größerer Rossmann würde bedeuten: es wird näher an die Grundstücke von Siemon und Wünsche herangebaut, und das zieht neben einer zu schmalen Zufahrt auch mehr Verschattung nach sich. Laut Siemons Aussage hat das Amt für Umwelt und Bauaufsicht des Landkreises Oberspreewald-Lausitz diesbezüglich Stellungnahmen von der Stadt Vetschau abgefordert. „Und diese hat alles durchgewunken“, sagt Siemon. Eine Anfrage der RUNDSCHAU bei der Pressestelle des Landkreises hat ergeben, dass derzeit geprüft wird, ob überhaupt eine Baugenehmigung für den größeren Rossmann-Markt vorliegt.

Anneliese Siemon und Herbert Wünsche leben mit Einschränkungen.
Anneliese Siemon und Herbert Wünsche leben mit Einschränkungen. FOTO: Rüdiger Hofmann

Währenddessen hat Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) spontan eine Beschlussvorlage für die Einleitung eines Änderungsverfahrens zum Bebauungsplan „Am Kulturhaus“ und eine Vorlage für die Beteiligung der Öffentlichkeit in den jüngsten Hauptausschuss eingereicht. „Gegenstand der Änderung ist eine geringfügige Verschiebung der überbaubaren Grundstücksfläche“, heißt es aus der Vorlage. In der kommenden Woche werden beide Beschlussvorlagen in der Stadtverordnetenversammlung thematisiert – sicher auch im Beisein von Anneliese Siemon.

So sieht die „Zufahrt“ aktuell aus. Geschäftsausfälle sind die Folge.
So sieht die „Zufahrt“ aktuell aus. Geschäftsausfälle sind die Folge. FOTO: Rüdiger Hofmann