ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:00 Uhr

Lindengrundschule Missen
Ein Klassenzimmer wird grün

Richtfest des „grünen Klassenzimmers“ der Lindengrundschule in Missen: Nachdem Zimmermann Stefan Müller seinen Richtspruch hielt, durfte Gabriela Kasimir, Vorsitzende des Schulfördervereins, den letzten Nagel in einen der Holzbalken schlagen.
Richtfest des „grünen Klassenzimmers“ der Lindengrundschule in Missen: Nachdem Zimmermann Stefan Müller seinen Richtspruch hielt, durfte Gabriela Kasimir, Vorsitzende des Schulfördervereins, den letzten Nagel in einen der Holzbalken schlagen. FOTO: Stephan Meyer / LR
Vetschau/Missen. Die Lindengrundschule in Missen bietet in Zukunft auch Unterricht im Freien an. Von Stephan Meyer

„Wir wollen mit den Kindern dort über die Natur sprechen, wo sie auch stattfindet, und nicht nur im Klassenzimmer“, sagt Petra Pietus, Schulleiterin der Lindengrundschule in Missen. Mit dem „grünen Klassenzimmer“ der Ganztagsschule, das voraussichtlich im Herbst fertiggestellt wird, wird das bald Realität. Das „Zimmer“ ist ein hölzerner, offener Pavillon auf dem Schulgelände, der in Zukunft auch Unterricht im Freien ermöglicht. Am Donnerstag fand das Richtfest statt.

Das Projekt wurde 2015 auf Initiative von Gabriele Kasimir ins Leben gerufen. „Nach dem Umzug der Lindengrundschule in das rekonstruierte Schulgebäude haben wir festgestellt, dass wir mehr Platz brauchen“, erklärt die Lehrerin und Vorsitzende des Schulfördervereins die Idee hinter dem „grünen Klassenzimmer“. „Wir haben nach neuen Möglichkeiten zum Unterrichten gesucht“.

Zunächst bekam die Schule den ehemaligen Missener Frisörladen von der Stadt Vetschau zugesprochen. Dort findet nun die Hortbetreuung statt. Doch auch dieser Platz reichte, laut Gabriele Kasimir, auf die Dauer nicht aus, so dass bei einer Mitgliederversammlung des Schulfördervereins die Idee zum „grünen Klassenzimmer“ geboren wurde. Im Februar 2016 wurde dann der Bau beschlossen.

Einen großen Anteil zur Umsetzung leisteten einige Eltern und der Hausmeister Marko Lehmann. Durch die Elterninitiative „Holzaktion“ wurde im Frühjahr 2017 Baumaterial beschafft. Dazu bekamen sie die Genehmigung der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) auf freien Waldflächen Robinien zu schlagen. Seit Herbst vergangenen Jahres bearbeitete Marko Lehmann die Stämme bei sich zu Hause. Der gelernte Zimmermann schälte und sägte sie auf Maß zu.

Doch so ein Vorhaben ist auch mit erheblichen Kosten verbunden. Ein Antrag auf Fördermittel bei der PS-Lotteriesparen der Sparkasse Niederlausitz viel positiv aus, sodass das Projekt mit 1500 Euro bezuschusst werden konnte. Die Schüler wurden ebenfalls aktiv, um ihr „grünes Klassenzimmer“ zu ermöglichen. Mit einem Spendenlauf trugen sie zur Finanzierung bei. „Wir haben uns dann Sponsoren gesucht und die Kinder sind Runden auf dem Sportplatz gelaufen“, erinnert sich Gabriele Kasimir. „Wir hatten unter den Sponsoren Einzelpersonen dabei, die bis zu eintausend Euro gespendet haben. So kam eine gute Summe dazu.“ Die Gesamtkosten schätzt die Lehrerin auf circa sechs- bis siebentausend Euro.

Die Stadt Vetschau hat sich ebenfalls an dem Vorhaben beteiligt. Als Schulträger ist sie Bauherr, stellte den Bauantrag und unterstützte das Projekt finanziell.

„Aber wir haben nicht viel Geld beitragen müssen“, gestand Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) beim Richtfest. Er lobte das außerordentliche Eigenengagement der Schule, der Eltern und des Fördervereins. „Es funktioniert in Missen“, erklärte Kanzler. „Hier wird viel gemacht und nicht immer nur gemeckert und gefordert.“ Da falle es ihm als Bürgermeister leichter, an einem Vorhaben wie diesem mitzuwirken.

Im Herbst soll eine große Einweihungsfeier erfolgen. Bis dahin müssen noch das Dach gedeckt, Bänke, Tische und eine Tafel besorgt, sowie ein Sonnensegel installiert werden. Die jetzigen Sechstklässler zeigten sich beim Richtfest etwas traurig, da sie zur Einweihung schon eine andere Schule besuchen. Schulleiterin Petra Pietrus lud sie jedoch ein, dann bei ihrer alten Schule mal vorbeizuschauen. „Unsere Tür steht euch immer offen“. Der Erfolg um das grüne Klassenzimmer hat den Schulförderverein beflügelt, der nun bereits ein neues Projekt ins Auge gefasst hat. Das Schulgelände soll um einen Wasserspielplatz ergänzt werden.