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| 01:06 Uhr

Ein Jahr lang Gast im Land der Maori

Lauchhammer.. Wie ein Abenteurer sieht Fabian Roedel nicht gerade aus. Und doch hat der 17-Jährige eine aufregende Zeit mit spektakulären Erlebnissen hinter sich. Für ein Jahr lebte der junge Lauchhammeraner während eines Schüleraustausches in Neuseeland. Jetzt ist er wieder zu Hause. Von Petra Maser

„Ich hatte mich lange vorher über solch eine Möglichkeit informiert, war auch schon mal für drei Wochen in Amerika. Dann fand ich über die Lausitzer Rundschau den Link zum ABI, der unabhängigen Info-Stelle, die die Austauschprogramme vergleicht und bewertet“ , erinnert sich Fabian. Daraufhin bewarb sich der Schüler bei verschiedenen Programmen, denn wegen der großen Nachfrage sind die Plätze rar. Kurz vor Weihnachten 2003 habe sich dann die einmalige Gelegenheit ergeben. Es hat sich gelohnt: Denn die Vielzahl der unterschiedlichen Eindrücke und Erfahrungen steht ihm noch deutlich ins Gesicht geschrieben.
Nicht ohne Lampenfieber habe er den 32-stündigen Flug nach Sydney angetreten. Von dort führte die Reise weiter nach Whangarei. Die Stadt ist etwa so groß wie Lauchhammer und liegt im Norden der Nordinsel Neuseelands. „Was uns dann vor Ort erwartete, war echt der Hammer“ , lässt Fabian jeden, der mit ihm spricht, an seiner Begeisterung teilhaben. Inmitten tropischer Regenwälder befindet sich der Ortsteil Matapouri, der für ein Jahr Fabians zu Hause sein sollte.
In seiner Gastfamilie sei er sehr liebevoll aufgenommen worden. Das Zusammenleben mit der vierköpfigen Familie, in der außer ihm noch eine finnische Schülerin lebte, habe prima funktioniert. „Das lag wohl auch daran, dass die Menschen in Neuseeland so unkompliziert und gelassen sind“ , vermutet der 17-Jährige. Seine Gastmutter habe sehr gut für ihn gesorgt. Oft kamen spontan weitere Gäste. Das Haus mit Meerblick sei ein Traum gewesen. Und das Baden im Pazifik sowie das Klippenspringen in kleinen verträumten Lagunen ein besonderes Vergnügungen, das eher an einen Urlaub erinnert, als an eine Studienreise. Beinahe paradiesisch erscheinen die Erlebnisse, von denen Fabian erzählt.
Doch Austauschschüler müssen auch zur Schule gehen. In der kleinen Bildungseinrichtung mit 480 Schülern verschiedener Nationalitäten ist er in fünf Fächern unterrichtet worden. Neben Mathematik, Englisch und Biologie hätten der Theaterkurs und der Sport eine wichtige Rolle gespielt. Bei den Zwischenprüfungen erreichte er das beste Ergebnis, das es jemals an dieser Schule gab und erhielt dafür eine besondere Auszeichnung.
Fabian ist vor allem davon beeindruckt, dass die Jugendlichen in dem südlich von Australien gelegenen Land gern zur Schule gehen, weil sie dort ihre Freunde treffen. In kleinen Gruppen von sechs bis 15 Jungen und Mädchen könne man „viel intensiver lernen als in unseren großen Klassen“ .
Trotz so mancher Probleme herrsche eine lockere Atmosphäre im Unterricht. Dies sei völlig anders als in Deutschland. Es gäbe auch viel mehr Freizeit- und Sportangebote an den Schulen, für die sich auch die Lehrer engagieren. Dadurch entstehe ein gutes Verhältnis zwischen Schülern und Pädagogen. Die sechs Stunden Unterricht jeden Tag seien längst nicht so anstrengend wie hier in Deutschland: „Viele Experimente tragen dazu bei, dass es interessant bleibt.“ Nur die lilafarbene Schuluniform habe ihm nicht so gut gefallen.
Während des einjährigen Aufenthaltes lernten die Austauschschüler auch Land und Leute kennen. Interessantes erfuhren die Jugendlichen bei Rundfahrten auf der Nord- und Südinsel über die Maori, die Ureinwohner Neuseelands. Etwa 80 Prozent seiner Mitschüler waren maorischer Abstammung. Deren bodenständige Lebensweise und Gelassenheit habe ihn sehr beeindruckt. Maori seien sehr fleißige Menschen, die sich einen recht hohen Lebensstandard erarbeitet haben. Vor allem seien sie überaus gastfreundlich. Das habe er selbst immer wieder gespürt.
Eines der größten Abenteuer auf der Südhalbkugel sei ein zweiwöchiges Camp gleich zu Beginn des vorigen Jahres im australischen Regenwald gewesen. Die Gäste erhielten dort eine Einführung in die Kultur, Gepflogenheiten und Verhaltensregeln und übten sich in der Umgangssprache. „Wir unternahmen in den zwei Wochen auch zahlreiche Ausflüge in die Stadt, lernten die Natur mit ihren besonderen Tieren und Pflanzen kennen und erlebten die Kultur der Ureinwohner“ , so Fabian. Riesige Spinnen und Eidechsen an den Wänden der Hütten seien übrigens keine Seltenheit und nichts für schwache Nerven gewesen, erzählt der Abenteurer schmunzelnd.
Die gesamte Reise stelle eine reiche Erfahrung für sein weiteres Leben dar. Da ist sich Fabian Roedel ganz sicher. „Vor allem aber hat sich mein Englisch kolossal verbessert.“ Die Sprache sei so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er manchmal auch mit seinen Eltern zu Hause englisch spreche.
Was der Weltenbummler während seiner langen Reise vermisst hat? „Besonders dunkles Brot und hin und wieder etwas Wurst.“ Dafür habe es aber viele andere leckere Sachen gegeben: Fisch, Lammfleisch und Gemüse aus eigenem Anbau zum Beispiel.
Inzwischen besucht der Rückkehrer die 11. Klasse des Finsterwalder Gymnasiums und hat viel nachzuholen. Den Stoff, der in Neuseeland nicht unterrichteten Fächer, muss er selbstständig aufarbeiten. Seine Mitschüler haben natürlich für ihn mitgeschrieben und werden ihn beim Lernen unterstützen. Dafür erzählt er ihnen gern von seinen Erlebnissen auf den Maori-Inseln und den dort gewonnenen Freunden, die ihm schon jetzt sehr fehlen.