Wenn er sich auch ans Staken nicht so recht traut, beim Päckchen und Pakete verteilen packt er kräftig zu. Das erste schleppt er aufs Ufer zu Sabrina Schier. "Was ist denn da drin?", fragt er neugierig. "Ein Käfig für meine Hasen Bonny und Clyde", verrät sie prompt.

Der Promi staunt nicht schlecht, was alles per Postkahn transportiert wird: Heizpilz, Hollywoodschaukel, Gartenhecke, ja und eben auch einen Hasenkäfig. Bis zu 31 Kilo können Pakete wiegen. Pro Woche, erzählt die gutgelaunte Postfrau, bringe sie im Schnitt 600 Briefe, Einschreiben und Karten, dazu 70 Pakete und Päckchen über die Fließe an den Mann oder die Frau. Zudem biete sie den Service einer kleiner Filiale.

Post-Erfahrungen hat auch der gebürtige Lübbenauer Jens Riewa schon gemacht. Der heute 53-Jährige hat sich nach dem Abi in seinem Wohnort Lübben Geld für ein Moped verdient. "Mit dem neuen Führerschein in der Tasche fuhr ich in einem Trabi 601 Telegramme aus. Ich kam einfach mit der Handschaltung nicht zurecht. Nachdem es mich in einer Kurve fast raustrug, wechselte ich aufs Fahrrad und fuhr Briefe aus", erzählt er und assistiert weiter der geübten Postfrau.

Für Andrea Bunar beginnt jetzt die sechste Saison. "Und immer wieder ist es wunderschön im Frühling. Die Natur sieht jeden Tag anders aus", sagt sie voller Freude. Die 46-Jährige beginnt morgens ihre Zustelltour mit dem Auto. Gegen 13 Uhr startet sie im Kahn. "Da kann es junge Hunde regnen, es geht raus bei Wind und Wetter", versichert die fröhliche Frau. Bei Windböen bewährt sich der im Vergleich zum Holzkahn leichtere Alu-Kahn. Bis 1980 noch kam die Post per Holzkahn zu den Lehdschen. Muskelkater sei in den ersten Wochen nach Saisonstart inklusive, denn jeden Tag, so erzählt Andrea Bunar, lege sie rund acht Kilometer zurück. Bis Saisonende kämen so rund 1100 Kilometer zusammen.

120 Jahre Kahn-Postzustellung ist Frank Bettgenhäuser, Chef der Deutschen Post für die neuen Bundesländer, auch zwei Spenden wert. Zwei Pakete samt Spende von je 5000 Euro gehen an die Lübbenauer DRK-Suppenküche, in der jedes Jahr rund 20 000 Essen für sozial Schwache zubereitet werden, und an den Verein zur Hilfe sozial Schwacher. Für seine Obdachlosenunterkunft sollen davon unter anderem eine Waschmaschine, Waschmittel und Bettwäsche gekauft werden. Die Betreiber der Suppenküche werden das Geld für Küchengeräte und Lebensmittel verwenden.

Zum Thema:
Mussten die Lehdschen Ende der 1890er-Jahre ihre Post sonntags beim Kirchgang abholen, hat die Post 1897 beschlossen, die Sendungen per Kahn zu den Leuten zu bringen. Und das war damals reine Männersache. Viele der 65 Haushalte haben noch heute keine direkte Anbindung zur Straße. Bis Oktober wird mit dem Kahn zugestellt, im Winter per Auto oder zu Fuß.