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Ein Handschlag genügte einst

Der im Jahre 1920 errichtete Adam-Bagge-Gedenkstein in Lübbenau wurde im Jahre 2013 fachgerecht gesäubert. Dabei wurde die in den fast hundert Jahren entstandene Patina aus den Vertiefungen der Buchstaben und Zahlen entfernt. Es gegenwärtig schwer, den Namenszug im Granitstein zu erkennen. Bei der Aufnahme der Fotos wurde der Namenszug mit Kreide nachgezeichnet. In einigen Jahren wird der Name wieder lesbar sein.
Der im Jahre 1920 errichtete Adam-Bagge-Gedenkstein in Lübbenau wurde im Jahre 2013 fachgerecht gesäubert. Dabei wurde die in den fast hundert Jahren entstandene Patina aus den Vertiefungen der Buchstaben und Zahlen entfernt. Es gegenwärtig schwer, den Namenszug im Granitstein zu erkennen. Bei der Aufnahme der Fotos wurde der Namenszug mit Kreide nachgezeichnet. In einigen Jahren wird der Name wieder lesbar sein. FOTO: Bernd Marx/bdx1
Lübbenau. Einige Details aus den Vorträgen, Präsentationen und Ausstellungen anlässlich des Jubiläumsjahres "700 Jahre Lübbenau" haben Regionalforscher zum Anlass genommen, um noch vorhandene Rätsel zur Geschichte der Spreewaldstadt zu lösen. Auch der Beitrag in der RUNDSCHAU vom 18. bdx1

August 2015 zum 340. Todestag des einstigen Lübbenauer Bürgermeisters Adam Bagge (1622 bis 1675) gehörte dazu.

Dazu meldete sich eine Nachfahrin. Sie steht wohl in der zehnten Generation des Bürgermeisters Adam Bagge. Örtliche Heimatforscher versuchen gegenwärtig gemeinsam mit ihr, weitere Spuren aufzuspüren und die noch vorhandenen Artefakte einer Lösung zuzuführen.

Noch konnte nicht geklärt werden, aus welcher Linie die Nachfahrin stammt. Adam Bagge und seine Frau Anna Margaretha, geborene Tischer, hatten fünf Kinder; Maria (Geburtsjahr 1650), Anna Margaretha (1652), Adam (1659), Christian (1659) und Eleonora (1662).

Eine Spur zum im Jahre 1659 geborenen Adam Bagge konnte bereits aufgenommen werden. So brauchte der damals 27-jährige Adam Bagge am 11. Juni 1686 nicht den Untertaneneid vor der Standesherrschaft ablegen. Es genügte der Handschlag.

Er war zu dieser Zeit Besitzer des Schortenschen Gutes und des Kalaukschen Gutes am Stadttor, dem heutigen Spreewaldmuseum, was wohl den Ausschlag für diese außergewöhnliche Geste der Obrigkeit gab. Das Schortensche Gut befand sich an der westlichen Seite der damaligen Kirche. Die heutige Nikolaikirche wurde erst in den Jahren 1738 bis 1741 errichtet.

Das Schortensche Gut hatte sein Vater (Vater und einer seiner beiden Söhne trugen den gleichen Vornamen) im Jahre 1666 für 250 Taler gekauft. Es ist anzunehmen, dass er gleichzeitig der erste Grundbesitzers dieses Areals war. In dieser Zeit wurde die heutige Ehm-Welk-Straße mit Grundstücken bebaut und entwickelte sich zur städtischen "Hauptstraße". Vorher war es die Mittelstraße. Die Standesherrschaft gewährte auf Grund der legendären Lebensrettung von Graf Johannes Sigismund zu Lynar (1616 bis 1665) durch den Vater Adam Bagge Abgabenfreiheit.

Im Jahre 1697 wiederholte Graf Friedrich Casimir zu Lynar (1673 bis 1716) nochmals die Privilegien vor dem Kreisgerichtsrat, die sein Vater dem Adam Bagge und seinen Nachfahren gewährte.

Der Sohn Christian Bagge, mittlerweile Besitzer des Kalaukschen Gutes am Tore, hatte bereits am 29. Januar 1685 seinen Untertaneneid gegenüber der Standesherrschaft geleistet.

Viel Glück hatte Vater Adam Bagge mit seinen beiden Gütern nicht. Noch zu seinen Lebzeiten wurden beide Güter Opfer einer verheerenden Feuersbrunst und mussten neu aufgebaut werden.

Später setzte sich Christian Bagge dafür ein, dass auch seine Mutter Anna Margaretha und seine drei Schwestern Nutznießer von den gräflichen Privilegien wurden. Die Herrschaft von Lübbenau bestätigte schriftlich, dass die Mutter und die drei Schwestern gleichfalls von Steuern, Diensten und anderen "Beschwerungen" befreit sind. Die Beurkundung wurde mit dem großen gräflichen Amtssiegel bekräftigt.

Die Tochter Anna Bagge heiratete am 29. November 1674 den Lübbenauer Hans Bösagk. Die alteingesessene Lübbenauer Familie wurde im Jahre 1496 noch Pesagk geschrieben.

Vater Adam Bagge übte in Lübbenau die Funktionen des Bürgermeisters, des Amtschössers (Amtsverwalter seiner beiden Güter) und Oberkirchenvorsteher aus.

Noch heute befinden sich in der Nikolaikirche zwei Leuchter, der er einst der Gemeinde schenkte. Seine letzte Ruhe fand der Vater Adam Bagge nur wenige Meter von seinem Grundbesitz entfernt, an der westlichen Seite der Kirche, wo sich damals noch ein Friedhof befand.

Auf dem Areal des Schortenschen Gutes wurde Ende des 19. Jahrhundert das "Hotel zum braunen Hirsch" errichtet. Im Jahre 1913 ging dieses Gebäude in den Besitz des Hotels "Zum Deutschen Haus" über, welches im Jahre 1888 erbaut wurde. Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten öffnete Ende 2010 an gleicher Stelle das Restaurant " Charleston" seine Pforten.