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| 15:50 Uhr

50-jähriges Firmenjubiläum
Mit Matratze auf die Werkbank

 Stolz präsentieren Sylke, Luise, Siegfried und Sabine Kossack (v.l.) die Ehrenurkunde zum 50-jährigen Betriebsjubiläum des „Hauses für gutes Hören und Sehen“ in Calau, die sie von der HWK überreicht bekommen haben.
Stolz präsentieren Sylke, Luise, Siegfried und Sabine Kossack (v.l.) die Ehrenurkunde zum 50-jährigen Betriebsjubiläum des „Hauses für gutes Hören und Sehen“ in Calau, die sie von der HWK überreicht bekommen haben. FOTO: LR
Calau. Das Calauer Optik- und Akustikunternehmen Kossack feiert 50-jähriges Jubiläum. Seniorchef und Tochter schauen auf eine bewegte Firmengeschichte – mit teils skurrilen Erlebnissen. Von Rüdiger Hofmann

Es ist der 1. August 1969, als in Leuna ein kleines Geschäft das Licht der Welt erblickt – die Augenoptik Kossack. „Da wir zur damaligen Zeit in Calau keine Möglichkeit bekamen, übernahmen wir ein alteingesessenes Geschäft in Leuna“, erinnert sich der gebürtige Calauer und Gründungsvater Siegfried Kossack.

In der Anfangsphase ist der gelernte Augenoptiker auf Wohnungssuche, was ihn zu etwas eigenwilligen Maßnahmen zwingt. „Ich habe mich damals mit einer Luftmatratze in das Geschäft begeben und dort auf der Werkbank übernachtet“, sagt Kossack, der im nächsten Jahr 80 wird. Dreißig Jahre jünger ist sein Unternehmen: In diesem Jahr feiert Kossack & Co. – Haus für gutes Hören und Sehen 50-jähriges Betriebsjubiläum.

Während der Zeit in Leuna kommen die Töchter Sylke und Sabine auf die Welt. 1980 geht es für Siegfried und Frau Luise, die ausgebildete Handelskauffrau ist, zurück in die Heimat nach Calau: In der Schlossstraße erwirbt man einen Geschäftssitz mit angeschlossener Wohnung, wohnt erst zur Miete, kauft später das Haus und baut es aus. Calau hat damit den damals einzigen Optiker in der Stadt.

Nach der Wende erweitert Siegfried Kossack seine Fertigkeiten: Endlich sei es ihm gestattet gewesen, eine Ausbildung zum Akustiker zu durchlaufen. Seit 1992 bietet der Senior die Hörgeräteversorgung mit an. Nun kann in Calau auch der erste Hörakustiker Produkte an den Mann bringen. Das Firmenprofil wird deutlich vergrößert getreu dem Motto: gutes Hören im Blick. Das färbt auch auf die Töchter ab: Sylke Kossack wird zur Akustikerin ausgebildet, Sabine Kossack erlernt den Beruf des Augenoptikers. Seit 1995 ist das Familienunternehmen ebenso in Lübbenau im Medizinischen Zentrum in der Akustiksparte unterwegs, im Calauer Haupthaus bedient man beide Sparten.

2002 wird die Kossack & Co. oHG gegründet. Vater Siegfried zieht sich vorübergehend zurück. Die Töchter übernehmen die Firma. Doch weil es an Personal vor allem im Hörgeräteakustikbereich fehlt, greift der Seniorchef seit einigen Jahren wieder unterstützend mit ein. „Während wir in der Augenoptik ein stabiles Team haben, suchen wir im Bereich Akustik dringend Mitarbeiter“, sagt Sabine Kossack. Eine Ausbildung zum Akustiker würde drei Jahre dauern und in der Berufsschule Lübeck – der deutschlandweit einzigen Schule für Hörakustiker – stattfinden.

Wie sich die Optikerbranche in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat, fasst die Unternehmenstochter so zusammen: „Früher war die Brille reine Sehhilfe, heute ist sie modisches Accessoire.“ Parallel zur Entwicklung in der Mode zeigen sich auch Fortschritte in der Brillenherstellung. Beim Tragen werde heute viel mehr Wert auf Ästhetik gelegt. Aschenbecher auf den Augen sind passé.

„Leider wird das Handwerkliche nicht mehr so gefördert wie früher“, bedauert Sabine Kossack. Neue Messgeräte sind auf den Markt geströmt, die Digitalisierung lässt sich auch in dieser Branche nicht aufhalten. Und dennoch: „Wir müssen wissen, wie eine Brille entsteht. Wenn mal ein Gerät ausfällt, ist eine schnelle Reparatur per Hand nötig“, sagt sie.

Die Brillengläser des Unternehmens werden extern bestellt, aber vor Ort in der heimischen Werkstatt bearbeitet: auf Fassungen zugeschliffen, gelötet, die Bügel gekürzt, Musterverglasungen vorgenommen und vor allem: anatomisch angepasst. „Herzstück neben einem speziellen Messgerät zur Bestellung von Gleitsichtgläsern ist unser Schleifautomat für Fräsungen. Das Polieren erfolgt voll automatisch. Vor 15 Jahren haben wir so etwas noch per Hand erledigt“, sagt Sabine Kossack. Dafür haben die in der Firma aktuell beschäftigten zwölf Mitarbeiter (darunter zwei Azubis) mehr Zeit für die Kundenberatung.

Apropos Azubis: 16 Azubis hat das Unternehmen in einem halben Jahrhundert ausgebildet – darunter vier Meister. Darauf sind sie stolz. Genauso stolz wie auf die Ehrenurkunde, die ihnen die Handwerkskammer bei der offiziellen Geburtstagszeremonie überreicht hat. Zahlreiche Kunden und Geschäftspartner feierten mit Kossacks. Dem ersten, aber sicher nicht letzten Optiker in Calau.