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| 02:32 Uhr

"Ein guter Partner, der uns fehlen wird"

FOTO: Montage LR
Lübbenau. Überraschend und bedauerlich finden Weggefährten Martin Habermanns dessen Ankündigung, sein Stadtverordneten-Mandat zum 1. September niederzulegen. Zugleich wird dem Politiker viel Anerkennung entgegen gebracht. Daniel Preikschat

Als Thomas Fron 1990 für die PDS in der Lübbenauer Stadtverordnetenversammlung Platz nahm, war er 23 Jahre. Halb so alt wie Martin Habermann. Er weiß noch, wie seltsam er es damals fand, als der CDU-Vertreter ankündigte, ein besonderes Augenmerk auf die Demokratiefähigkeit der SED-Nachfolgepartei zu haben. Schließlich war Habermann doch jemand gewesen, der im DDR-System groß geworden ist und dem es dort offenbar auch nie schlecht ergangen ist.

Trotz seiner anfänglichen Vorbehalte jedoch lernte Thomas Fron den älteren Stadtverordneten-Kollegen schnell schätzen. Sachorientiert und vernünftig habe sich der Unionspolitiker stets geäußert. Auch wenn Fron oftmals eine ganz andere Meinung vertrat. Etwa, als es um die Finanzierung der Parkbrücken im Schlosspark ging. Vom Erfahrungsschatz und den guten Kontakten des langjährigen stellvertretenden Landtagspräsidenten etwa ins Bauministerium habe Lübbenau profitiert. Heute könne Thomas Fron nur sagen: "Sein Ausscheiden ist ein Verlust für uns." So überraschend der Zeitpunkt auch sei, das Mandat niederzulegen - mit 73 Jahren Abschied von der Politik zu nehmen, geistig und körperlich noch fit, sei mehr als verständlich.

Der Meinung ist auch Stadtverordnetenvorsteher Uwe Pielenz (SPD). Er kennt den Stadtverordneten Martin Habermann seit 23 Jahren und sagt rückblickend: "In der politischen Auseinandersetzung war Martin immer fair." Es habe Spaß mit ihm gemacht, selbst wenn man in der Einschätzung über Kreuz lag. Pielenz erinnert sich etwa noch an die Diskussion um Parkplätze in der Poststraße oder um Rückübertragungen an die Lynars. Unbequeme Nachfragen, ob sie die Wohnungsbaugesellschaft betroffen haben oder wie zuletzt den Haushalt der Stadt, haben Habermann ebenfalls ausgezeichnet. Ein "guter Partner", sei er gewesen, "der "uns fehlen wird."

Strategisches Geschick

Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) zollt Martin Habermann Respekt für seine Entscheidung. Mitten in der Wahlperiode Platz zu machen für einen Jüngeren, sei keine Selbstverständlichkeit für einen so verdienten Mann. Dem wahrscheinlichen Nachrücker, Rechtsanwalt Stefan Reiter, bleibe nun ausreichend Zeit, Erfahrungen zu sammeln in der Stadtverordnetenversammlung und hier Gesicht zu zeigen. Konsequenz, Selbstbestimmtheit und strategisches Geschick erkennt Wenzel in Habermanns Rückzug aus der Politik. Das habe den Lübbenauer stets ausgezeichnet, in der Stadtverordnetenversammlung und im Landtag von Brandenburg.

Viele Spuren hinterlassen

Martin Habermann, so der Bürgermeister weiter, hinterlässt viele Spuren. Von Anfang an etwa sei der Lübbenauer auch im Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald (WiS) tätig gewesen. Er war Vorsitzender bei der Lübbenaubrücke und hat die DRK-Sozialstation in der Stadt mit aufgebaut. Lange war er in Doppelfunktion Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter, durchgehend CDU-Fraktionschef, immer auch praktizierender Katholik.

Beruflich war Martin Habermann lange Jahre Ingenieur im Kraftwerk, erinnert Wenzel, danach in einem Ingenieurbüro tätig. Er kannte sich aus in der Kohle- und Energieregion. Davon habe Lübbenau profitiert. Eine Reihe von Projekten habe Habermann initiiert und so in Lübbenau viel bewegt.

"Herzlichen Dank", sagt Helmut Wenzel dafür. Und nicht nur dafür. Martin Habermann habe in Lübbenau auch das politische Klima positiv beeinflusst, für gute Streitkultur gesorgt. Mit verbaler Schärfe den eigenen Standpunkt vortragen, dennoch andere Meinungen respektieren - dafür habe er ein Beispiel gegeben.

Jetzt auch an sich denken

Nur auf diese Weise, ist der Lübbenauer Bürgermeister sicher, konnte in der Stadt im Konsens so viel erreicht werden, Lübbenau sich so gut entwickeln. Nun also denke Martin Habermann auch mal nur an sich, lasse los und wolle die anderen mal machen lassen. Damit, so Helmut Wenzel, setze er ein Zeichen.