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Ein goldener Engel für den Topfmarkt

Lübbenau.. Seit dem Saisonbeginn ist vielen die auf dem Topfmarkt aufgestellte Skulptur aufgefallen. Schrott sagen die einen. Die Stadtführer von Lübbenau hingegen führen seit langem ihre Gäste zu diesem Engel, einem neuem Punkt innerstädtischer Sehenswürdigkeiten im Altstadtbereich der Touristenstadt. Tatsächlich besteht der Engel aus Schrott der Lübbenauer Firma Wetzel auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände. Foto: Roland Hottas


Das Material wurde von der Firma gesponsert und sollte aus den Ruinen der alten Kraftwerkslandschaft Neues entstehen lassen - Kunst im Freiraum. So entstand auch der Engel durch die Hand von Dietrich Lusici, einem Berliner Künstler, der seine alte Heimatstadt Lübbenau wieder zu seinem Wohnort wählte und sich mit dem Thema Spreewald als natürlichem und künstlerischem Erlebnisraum widmet.

Um den Engel bemüht
Neben anderen großformatigen Freiskulpturen wurde der Engel beim Bildhauersymposium im Jahre 2000 durch Lusici geschaffen. Jeder kann sich vielleicht noch an die Open-Air-Werkstatt auf dem Roten Platz erinnern, organisiert von der Lübbenaubrücke, die sich mit der Sanierung und dem Rückbau der Lübbenauer Neustadt einen Namen gemacht hat. Das Spreewald-Museum bemühte sich recht bald, diesen Engel mit dem Titel „Balance - Engel für Lübbenau“ zu gewinnen.
Zunächst war geplant, den Engel als schwebende Skulptur an der Außenfassade des Torhauses zu befestigen, um den Charakter des Torhauses als ein Domizil mit Geschichte und Kunst im inneren zu unterstreichen. Allein das gewichtige Material ließ diese Idee scheitern. Dennoch wurde der Engel zur letzten weihnachtlichen Ausstellung im Torhaus, auch unter dem Titel „Für jeden einen Engel“ ausgestellt. Ein dauerhaft geeigneter Standort musste aber noch gefunden werden.
Gemeinsame Überlegungen mit dem Bürgermeister der Stadt, dem Projektleiter der Lübbenau Brücke und der unteren Denkmalbehörde wurden angestrebt und man kam überein, den Engel mit Blick zum Museum auf dem Topfmarkt aufzustellen. Kein Ersatz für die fehlende Postmeilensäule auf dem Lübbenauer Marktplatz, aber ein Schritt zur Verbindung des Stadtzentrums mit der Lübbenauer Vorstadt hin zur Neustadt, eine Erweiterung des Rundganges für Touristen, die bereits bei der Aufstellung des Engels neugierig stehen blieben und Hintergrundwissen abverlangten.
Mittlerweile hat sich unser Engel schon fast nahtlos ins Stadtbild eingefügt. Wer von den Lübbenauern aber neugierig ist, wird auf einer noch im Gehweg eingefassten Bodenplatte den Titel der Skulptur, den Künstler und den Sponsor des Engels in Kürze nachlesen können. Denn ohne die „Emis-Group“ und die Bemühungen von Eberhard Perschk wäre es nie möglich gewesen, den Lübbenau-Engel auch wirklich in Lübbenau aufzustellen. Er hat den Engel gekauft und die Skulptur dem Spreewald-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Zur Museumsnacht im Mai in diesem Jahr wurde der Engel feierlich unter Anwesenheit der Museumsbesucher der Öffentlichkeit von Lübbenau übergeben.
Überlegungen des Künstlers und der Museumsmitarbeiter gehen dahin, den Engel vergolden zu lassen und ihn so zu einem unübersehbaren Kleinod der Lübbenauer Altstadt werden zu lassen. „Für das Blattgold benötigen wir aber noch entscheidende finanzielle Mittel“ , erklärt Ute Henschel. Deshalb ruft die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums zu einer Spendenaktion auf.

Kuss unter dem Goldengel
Vielleicht können dann noch in diesem Jahr Hochzeitspaare unter dem Goldengel ihren Bund fürs Leben mit einem Kuss bekräftigen. Vielleicht wird er aber auch Wallfahrtsort für unglücklich Verliebte, die in der goldenen Pracht Rat such und den Engel durch Berührung für sich in Anspruch nehmen, vielleicht werden aber auch die Museumsbesucher sagen, das Museum ist Goldwert für Lübbenau und es hat sich den Engel wahrlich verdient. Man wird an ihm vorbeischlendern und sein Gold wird von der abendlichen Sonne reflektiert oder vielleicht wird er irgend jemandem zufällig zum Glück verhelfen. Denn wer braucht nicht einen Schutzengel? Die Stadt Lübbenau bestimmt. Man kann im Torhaus in einer eigens dafür vorgesehenen Spendenkasse einen Obolus entrichten. Größere Beträge bitte auf das Konto des Landkreises OSL, Kto. 30 10 10 00 50 bei der Sparkasse Niederlausitz, BLZ 180 55 000, Verwendungszweck 31 00 03 65 00. Stichwort „Engel“ , überweisen. Spendenquittungen werden über das Torhaus erstellt. (red)