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Ein Erntefest-Macher in Raddusch

Wenn Werner Buchan wieder telefonieren muss, damit beim Landeserntefest am Wochenende alles läuft, hat auch Hund Eddie was zu melden.
Wenn Werner Buchan wieder telefonieren muss, damit beim Landeserntefest am Wochenende alles läuft, hat auch Hund Eddie was zu melden. FOTO: H. Kuschy
Raddusch. "Das wird schon ein schönes Fest" – da ist sich Werner Buchan aus Raddusch ganz sicher. Bis zum Brandenburger Dorf- und Erntefest am kommenden Wochenende sind es nur noch ein paar Tage, an denen aber doch immer wieder noch Kleinigkeiten zu klären sind. Hannelore Kuschy

Und wenn es die richtige Hängerkupplung an einem Fahrzeug ist, das im großen Festumzug mit rund 50 Bildern am Samstagvormittag mitfährt. "Ich kenne jedes einzelne Bild", sagt der 70-Jährige und wird deshalb am Hotel den Zug auch moderieren. Ein Stück weiter an der Bühne übernimmt Ortschronist Manfred Kliche.

Werner Buchan erinnert sich noch gut an die erste Versammlung überhaupt, in der es um die Radduscher Bewerbung für das Fest ging: "Manfred hatte gleich viele Ideen. Ich schaute mich um und fragte mich, wer von den wenigen Radduschern, die da waren, denn überhaupt die Sache in die Hand nehmen sollte. Dann sagte ich mir: Ich werd' den Manfred unterstützen."

So ging's auch gleich los. "Für so ein Fest braucht man viel Fläche. Ich bin zu Landwirten und Pächtern gegangen. Die Frage war, was sie anbauen können, damit die Flächen zum Fest frei sind", erzählt der Radduscher. Zu den Landwirten der Region hat er beste Kontakte, denn seit den 1990er-Jahren ist er der einzige Meister weit und breit, der seinen Anlasser- und Lichtmaschinenservice auch für Landtechnik anbieten kann.

Schließlich hat Raddusch den Zuschlag fürs Fest bekommen. Dann war es aus mit der Ruhe, auch für Werner Buchan. Klinken putzen ist er gegangen, nicht nur im Dorf. Vor allem aus der Umgebung habe er viel Zuspruch gefunden. "Wenn du sowas machst, brauchst du keine E-Mail zu schreiben. Du musst zu den Leuten gehen, mit ihnen reden, auch mal 'n Bier trinken", sagt er. Gefahren ist der Radduscher nach Müschen, Naundorf, Boblitz, Groß Lübbenau und weiß der Gott wohin noch, um für den Umzug zu werben. "Willste nich mitfahren?" - diese Frage habe er wer weiß wie oft gefragt. Ein Ranzower zum Beispiel fährt auf seinem Kremser im Zug mit. "Zeigen wollen wir die Heu- und die Getreideernte, Traditionen und Heimatpflege, so wie es sich für ein Erntefest gehört", erzählt er. "Eine historische Kartoffelernte müsste es auch geben", dachte er sich. So mussten beizeiten dafür Kartoffeln gesteckt werden. Weil später zur Ernte keine Plastikkörbe passen, schwang sich Werner Buchan wieder ins Auto und fuhr nach Boblitz. "Die passenden Körbe stehen jetzt hier", sagt der Radduscher zufrieden.

Aus Boblitz und auch Göritz erfuhr der Rührige auf seine Nachfrage noch mehr Hilfe. Tief- und Wasserbau und die Göritzer Agrar GmbH klotzten ran, um den Festplatz zwischen Wohnblock und Bahnhof zu bearbeiten. "Der konnte nicht so bleiben und musste mehrmals gemulcht und gewalzt werden. Das ist so eine Sache nebenher von vielen", sagt er. Oder wer denke daran, vor jedem Bild im Umzug jemanden ein Schild mit Nummer und Namen des Teilnehmers tragen zu lassen - so wie es Burg bei seinen Umzügen vormache? Schüler aus Cottbus, nicht aus Vetschau, seien dafür zu gewinnen gewesen, bedauert Werner Buchan.

Dann ist da ja noch "seine" Oldtimerparade. "An die 30 Traktoren und landwirtschaftlichen Gerätschaften werden zu sehen sein. Einige davon fahren im Festumzug mit und werden anschließend gleich dorthin gestellt", erzählt er.

Manchmal habe sich der 70-Jährige gefragt: "Warum machste das eigentlich alles?". Aber immer wieder beschleiche ihn dann das Gefühl, dass sonst kaum jemand an dies und das denke. Selbst wenn mal niemand anrufe und keiner vor der Tür stehe, um etwas zu fragen, gehe ihm das Fest nicht aus dem Kopf. Da: Das Telefon klingelt wieder. Dazu würde am liebsten auch Hund Eddie mal was sagen.