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Ein Ehrenpreis aus der grünen Mappe

Helmut Jentsch (l.) in Aktion. Sein profundes Wissen zur Natur und Heimatkunde gibt er gern weiter.
Helmut Jentsch (l.) in Aktion. Sein profundes Wissen zur Natur und Heimatkunde gibt er gern weiter. FOTO: Nerenz
Calau/Klettwitz. Helmut Jentsch (84) aus Zinnitz ist der Ehrenbeirat Naturschutz 2016 des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Der Lehrer und Forscher im Unruhestand begeistert vor allem Kinder und Jugendliche für die Natur und Heimatkunde. Kathleen Weser

Das hat Landrat Siegurd Heinze (parteilos) in seiner Laudatio vor dem Kreistag am Donnerstagabend besonders gewürdigt. Der 84-Jährige selbst hat die Auszeichnung in der ihm eigenen Bescheidenheit entgegen genommen - begleitet vom Applaus der Abgeordneten.

Der Verlust der Heimat hatte auch die Familie Jentsch nach dem Zweiten Weltkrieg getroffen. Nach Calau in die Niederlausitz hatte sie es verschlagen. Hier hat Helmut Jentsch als Lehrer an der Missener Schule unterrichtet - und neben profundem Wissen auch seine Begeisterung für die Natur an den Nachwuchs weitergegeben. Die Station junger Touristen in Lübbenau ist eng mit seinem Wirken verknüpft. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Biosphärenreservat Spreewald hat Helmut Jentsch federführend die Wild- und Kulturpflanzen kartiert. In der Vegetationskunde und Pflanzensoziologie und durch seine Forschung zu Wirbellosen, zu denen beispielsweise die Biene gehört, hat der "exzellente Botaniker" - wie der Landrat ausdrücklich betont - Großes in der Niederlausitz geleistet. Jentsch ist Mitbegründer des Biologischen Arbeitskreises Calau gewesen. Seit 1985 hat er als ehrenamtlicher Kreiswanderwegemeister das Wegenetz im Altkreisgebiet maßgeblich mit entwickelt. Helmut Jentsch hat als aktiver Naturschützer auch mit dem erforderlichen Nachdruck mit dafür gesorgt, dass die Eule als erkennbares Zeichen des besonderen Schutzes in der heimischen Landschaft wirksam geworden ist. Und er hat die guten Gründe dafür vielen Menschen unterhaltsam, unermüdlich und geduldig erklärt, um Verständnis und das Engagement der Lausitzer für ihre Umwelt zu wecken. Das ist dem Calauer gut gelungen - und auch eine Werbung für den schönen Landkreis und die Niederlausitz, stellt Heinze fest.

Der bereits im Jahr 2005 mit dem Umweltpreis des Landes Brandenburg ausgezeichnete Helmut Jentsch bleibt bescheiden. Mit einem eher zögerlichen Lächeln nimmt er die jüngste Ehrung entgegen, die der Landrat mit einem schelmischen Lachen "natürlich in einer grünen Mappe" übergibt. Und der Mann im betagten Alter von nunmehr 84 Jahren macht weiter. Im aktuellen Calauer Heimatkalender erzählt er die Geschichte verlassener Orte in der Calauer Schweiz.