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Ein Dorf in der Außenseiterrolle

Beim Dorfrundgang hat Horst Radochla (4.v.l.) den Weg gekreuzt. Er und nahm sich Zeit für einen Plausch. Viele Jury-Mitglieder kennen den Kalkwitzer als ehemaligen Calauer Stadtverordneten, Mitglied des Kreistages und Gründer des Spargelhofes Carina.
Beim Dorfrundgang hat Horst Radochla (4.v.l.) den Weg gekreuzt. Er und nahm sich Zeit für einen Plausch. Viele Jury-Mitglieder kennen den Kalkwitzer als ehemaligen Calauer Stadtverordneten, Mitglied des Kreistages und Gründer des Spargelhofes Carina. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Kalkwitz. Rolf Homeyer drückt auf die Euphorie-Bremse: "Bisher haben wir bei den Dorfwettbewerben immer den letzten Platz belegt", so der Kalkwitzer zu den Erfolgsaussichten bei der dritten Teilnahme. Rudolf Kupfer von der Bewertungskommission hält dagegen: "Bei diesem Wettbewerb gibt es keine letzten Plätze und schon gar keine Verlierer. Uwe Hegewald / uhd1

" Die Jury ziehe vor allen den Hut, die sich an dem Wettstreit unter dem Slogan "Unser Dorf hat Zukunft" beteiligen - auch vor den vermeintlich kleinen Dörfern.

Rolf Homeyer leitet in Kalkwitz den Kulturverein und stellt das nicht infrage. Und überhaupt: gegenüber dem letzten Wettbewerb hat sich einiges im Dorf getan, dem der Vereinschef ein gutes Miteinander bescheinigt. "Ich bin froh, dass es hier keinen Zoff gibt und ehrliche Nachbarschaftshilfe geleistet wird", so der Ruheständler. Deutlich wird das bereits am Treffpunkt Druschplatz, über den Monika Lobedan mit einer Thermoskanne frisch gebrühtem Bohnenkaffee eilt. "Ich muss zurück zu meiner 93-jährigen Mutter, wünsche aber allen eine schöne Begehung", teilt sie der Jury mit und stellt die Kanne im "Kultur-Container" ab.

"Unsere jüngste Errungenschaft", berichtet Rolf Hohmeyer mit unüberhörbarem Stolz. Vor über einem Jahr wurde ihm ein preisgünstiger Container angeboten und schon nahmen die Kalkwitzer Dinge ihren Lauf. Familie Horst Radochla steuerte zwei baugleiche Container bei, Familie Norbert Abt (Bischdorf) übernahm den Transport und die Calauer Firma Rentsch & Balke das Aufstellen der Objekte. Der "Kultur-Container" löst den maroden Bauwagen als dörfliche Begegnungsstätte ab. Handeln war angesagt, steht den Kalkwitzern ab diesem Jahr auch nicht mehr der Gemeinderaum im Pfarrhaus zur Verfügung. Ein Mitbewohner hat das Gebäude nach dem Auszug von Pfarrerin Martina Schmidt erworben. Er wird es zum Wohnhaus umgestalten. Dass die geschätzte Pfarrerin mit ihrem Umzug nach Calau eine Lücke hinterlassen hat, steht zweifelsfrei fest. Rolf Hohmeyer versucht es mit Humor zu überstreichen: "Der heutige Regen ist ein Beispiel. Sie war unsere zuverlässige Ansprechperson für gutes Wetter", argumentiert er und macht das am Draht der Pfarrerin nach ganz Oben fest.

Dafür, dass in diesem Jahr in Kalkwitz der Maibaum umgesägt wurde und das Dorf kein eigenes Wahllokal mehr besitzt, werden andere Personen verantwortlich gemacht. "Die Zusammenarbeit mit dem zum Ortsteil gehörenden Saßleben und Reuden wie auch zur Stadtverwaltung in Calau ist ausbaufähig", lässt Ortsbeiratsmitglied Gisela Stepputtis anklingen. Handlungsbedarf sieht sie im Breitbandausbau und bei der Lösung, sich vom maroden Stallgebäude aus LPG-Zeiten zu trennen. Jurymitglieder notieren sich die Verbesserungswünsche, wie auch positive Informationen, die Kalkwitz in die Waagschale werfen. So das Errichten des Spielplatzes in Eigenleistung oder den Zuzug von der Kreuzfahrtschiff erprobten Musikerin Marie Joana Heinrich und einer jungen Imker-Familie aus Berlin. Fortan produzieren fleißige Bienen echten Kalkwitzer Honig. Ebenfalls aus der Hauptstadt kommend, hat eine aufgeweckte junggebliebene Dame das Dorf zum zweiten Wohnsitz erhoben, die nur "Lissy" genannt werden möchte. "Kalkwitz ist mein Sehnsuchtsort. Sobald das Wetter stabil ist, packe ich die Koffer, um für rund ein halbes Jahr hier zu leben", berichtet sie der Jury. Ihre Gründe: "Natur pur, überall freundliche Menschen und ein umfassendes Freizeit- und Kulturangebot." Mit einem von ihr angeführten Vergleich zaubert sie den Teilnehmern des Dorfwettbewerbs-Treffens ein Schmunzeln aufs Gesicht: "Kalkwitz und der Spreewald sind für mich das Florida des Ostens."