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Ein Camp, Leute trocken zu legen

Blaue Rosen verteilte Vereinsvorsitzender Reiner Schmidt an seine Gäste, auch Hauptamtsleiterin Beate Matzke wurde bedacht.
Blaue Rosen verteilte Vereinsvorsitzender Reiner Schmidt an seine Gäste, auch Hauptamtsleiterin Beate Matzke wurde bedacht. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Calau/Plieskendorf. Pfarrerin Martina Schmidt wird zum diesjährigen Radler-Pfingstausflug eine Warnweste des BKE tragen. Landrat Siegurd Heinze beteuerte, sich die signalfarbige Weste bei der "Tour de OSL" am Samstag, 24. Juni überzustreifen. Uwe Hegewald

Damit erweisen sich beide als Botschafter einer Institution, die es so nur ein einziges Mal im Land Brandenburg gibt. Vor 25 Jahren gründete sich die Ortsgruppe "Blaues Kreuz" Calau und machte das Ferienzentrum Friedrichsfeld zum wöchentlichen Treffpunkt.

"Es ist unser zweites Zuhause", sagt Reiner Schmidt, Vorsitzender, Mitbegründer und Motor der Ortsgruppe. 16 Mitglieder zählt die Gemeinschaft, die offen ist für alle Menschen mit Suchtproblemen (Tel. 0152/36727883). "Egal ob Alkohol-, illegale Drogen- oder Medikamentensucht, unabhängig von Geschlecht, Nationalität oder Religion", so Schmidt.

Gratulanten aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen waren gekommen, aber auch Lando Horn (Brunsbüttel), Bundesvorsitzender des Blauen Kreuzes, dessen Ursprünge bis in das Jahr 1877 zurückreichen. "Uns lag einfach mal am Herzen, sich bei den Leuten zu bedanken, die unsere Arbeit seit vielen Jahren begleiten und unterstützen. Ob mit finanziellen Zuwendungen oder mit aufbauenden Worten", umriss Reiner Schmidt das Hauptanliegen der Jubiläumsfeier.

Blaue Rosen und Warnwesten mit unverwechselbarem BKE-Aufdruck wurden überreicht, im Gegenzug gab es Präsente und so manche verbale Streicheleinheit. "Ich kann mich nur davor verneigen, was sie in den zurückliegenden Jahren bewegt haben. Wir brauchen diesen Verein, dieses Netzwerk. Sucht bleibt ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir nur gemeinsam lösen können", befand Heinze. Mit dem Aufzeigen eines Drogen-ABC von Alkohol, Chrystal Meth über Heroin oder Kokain führte der OSL-Landrat den Anwesenden die Bandbreite der Geißel Drogen vor Augen. Keiner sei davor gefeit, es könne alle treffen. Unternehmer, Akademiker oder Politiker.

Für den Treffpunkt Friedrichsfeld, das "Camp, in dem Leute trocken gelegt werden" hatte Heinze gute Nachrichten. "Mir ist zu Ohren gekommen, dass die Stadt Calau vorerst am Objekt festhält", so Heinze mit Blick Richtung Rathaus-Delegation. Hauptamtsleiterin Beate Matzke und Kämmerin Barbara Hollmichel überbrachten Glückwünsche der Verwaltung und Grußworte des Bürgermeisters und sie bedankten sich für das Engagement im Ferienzentrum Friedrichsfeld vor den Toren der Stadt. Für BKE-Ortsgruppenchef Reiner Schmidt, der auch zwölf Jahre stellvertretender Vorsitzender im Bundesvorstand war, ging diese Info sprichwörtlich runter wie Öl. Der Verein brauche das Domizil, um solide Arbeit leisten zu können. "Wenn Betroffene bei uns anklopfen, wollen wir sie auffangen und an neue Freundeskreise heranführen", so Schmidt, dessen "Trockenlegung" knapp 30 Jahre zurückliegt. 1988 vollzog er den konsequenten Schritt.

In einem anschaulichen Video hatte Rolf Fillinger über kurzweilige Vereins-Grillfeste berichtet, wie sie sich Außenstehende kaum vorstellen können: gesellig, unterhaltsam und ohne Alkohol.