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| 07:51 Uhr

Investorenpläne mit Bürgerbeteiligung
Calauer Bahnhof wird zu Bistro und Hostel

 Die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider (2. v. r.),  nahm am Freitag am Tag der offenen Tür im Calauer Bahnhofsgebäude teil. Die drei Gesellschafter Steffen Haack, Heinz-Jürgen Zamzow und Swen Rademacher (v. l. n. r.) stellten ihre künftigen Pläne vor.
Die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider (2. v. r.),  nahm am Freitag am Tag der offenen Tür im Calauer Bahnhofsgebäude teil. Die drei Gesellschafter Steffen Haack, Heinz-Jürgen Zamzow und Swen Rademacher (v. l. n. r.) stellten ihre künftigen Pläne vor. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Steffen Haack, Heinz-Jürgen Zamzow und Swen Rademacher präsentieren Ideen zur Nachnutzung des Calauer Bahnhofs – eng abgestimmt mit den Bürgern vor Ort. Von Rüdiger Hofmann

Großer Bahnhof am Calauer Bahnhof: Die drei neuen geschäftsführenden Gesellschafter des Bahnhofgebäudes – Heinz-Jürgen Zamzow, Steffen Haack und Swen Rademacher – haben am Freitag zum Tag der offenen Tür geladen. Erstmals stellten die Eigentümer, die das Gebäude im Sommer für rund 16 000 Euro ersteigert hatten, ihre Pläne für das Areal vor.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD), Calaus Stadtspitze Werner Suchner (parteilos) nebst Bauamtsvertreter, Vertreter der Deutschen Bahn (DB Station und Service), des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Stadtverordnete und vor allem Calauer Bürger kehrten vor Ort ein. Sie werden von Anfang an in den Entscheidungsprozess mit eingebunden. „Wir haben vor einem Monat einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben“, sagt Heinz-Jürgen Zamzow. „Dazu unterbreiteten wir den Bürgern fünf unserer Top-Vorschläge: ein Bistro, ein Hostel, eine Praxis für alternative Medizin, ein Raum für Tanzgymnastik und ein Fitness-Bereich.“

Rund 260 Calauer aus Kernstadt und Umgebung bewerteten die Vorschläge, konnten aber auch eigene Ideen einbringen. Fazit: Das Calauer Bahnhofsgebäude soll zu einem Bistro und einem Hostel umgebaut werden. Allerdings nicht, ohne vorab das dringlichste Problem zu lösen: die Installation einer behindertengerechten Toilette. Top-Idee der Bürger: die Errichtung einer Bar. „Was uns beim Ideenwettbewerb positiv aufgefallen ist: Fast 80 Prozent der Befragten sind unter 30. Das zeigt, dass auch der Jugend die Entwicklung hier am Standort am Herzen liegt“, sagt Heinz-Jürgen Zamzow.

Mit Wohlwollen wurde am Freitag auch das Interesse der Brandenburger Landesregierung an dem Projekt aufgenommen. „Wir wollen die Bahnhöfe im Land erhalten und zu modernen Mobilitätsstationen ausbauen. Insofern freue ich mich über die Initiative der neuen Eigentümer des Bahnhofsgebäudes in Calau“, sagt Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. „Die Bürger können sich  in die Gestaltung eines wichtigen Projektes ihrer Stadt einbringen“, so die Ministerin.

Das Calauer Bahnhofsgebäude aus den 1950er-Jahren steht zurzeit leer. Im Stadtentwicklungskonzept sind die Sanierung des Gebäudes und die Aufwertung des Bahnhofsumfelds als wichtige Vorhaben benannt. Calau ist Schnittpunkt mehrerer Regionalexpress- und Regionalbahnlinien, die zwischen Cottbus und Leipzig beziehungsweise Halle (Saale) sowie zwischen Eberswalde über Berlin nach Senftenberg verkehren. Derzeit steigen dort täglich rund 1000 Personen zu oder um. „Der Tourismus könnte bei der künftigen Bahnhofsnutzung und Gestaltung des Umfelds eine wesentliche Rolle spielen, zumal die Stadt zwischen Spreewald und Lausitzer Seenland liegt“, so Kathrin Schneider.

Unterstützung kommt auch von der Kompetenzstelle Bahnhöfe des VBB. „Sie gilt als zentraler Ansprechpartner, wenn Kommunen oder Investoren eine neue Nutzung für Bahnhofsgebäude entwickeln wollen“, sagt Jürgen Roß, Bereichsleiter Planung und Fahrgastinformation beim VBB. Die vom Land Brandenburg initiierte Stelle koordiniert seit Mitte 2018 die Aktivitäten für die Weiterentwicklung der Bahnhofsstandorte im Land. Sie vermittelt Kontakte zwischen Bahn, Kommunen, aber auch privaten Investoren, und informiert über Fördermöglichkeiten. Eingebunden in die Vorhaben der Gesellschafter ist auch Jan Henkel, Leiter Bahnhofsmanagement Cottbus der Deutschen Bahn. „Mit ihm setzen wir uns im Januar zusammen“, sagt Zamzow.

Er betont, dass das Projekt nicht am Stück, sondern nur in kleinen Etappen zu realisieren sei. Als nächstes werde ein gesamtheitliches Konzept erarbeitet. Die eingereichten Vorschläge würden konkretisiert. Dann sind einige Hürden zu überspringen: „Das Gebäude muss von Bahnzwecken freigestellt werden. Darüber entscheidet das Eisenbahnbundesamt“, sagt Zamzow. Außerdem müsse die Abwasserproblematik geklärt werden. Aktuell liegt nur ein provisorischer Wasseranschluss am Gebäude an. „Wir bauen hier auf Unterstützung seitens der Stadt und des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Calau“, sagt Zamzow. Ein langwieriger Prozess, doch ein Anfang ist erfolgt.