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| 14:07 Uhr

Ehrenamt in Oberspreewald-Lausitz
Verbindungsglied zwischen Alt- und Neustadt

 Seine Wahlheimat Lübbenau stuft Hans-Joachim Nemitz als lobens-, lebens- und liebenswert ein. Im Kulturzentrum Gleis 3 (Foto) hat die „AG Zeitgeschichte“ ein Domizil gefunden, wo sich die lokalen Geschichtsforscher regelmäßig treffen. Zuvor war „Haschenz Gasthaus“ zentraler Anlaufpunkt.
Seine Wahlheimat Lübbenau stuft Hans-Joachim Nemitz als lobens-, lebens- und liebenswert ein. Im Kulturzentrum Gleis 3 (Foto) hat die „AG Zeitgeschichte“ ein Domizil gefunden, wo sich die lokalen Geschichtsforscher regelmäßig treffen. Zuvor war „Haschenz Gasthaus“ zentraler Anlaufpunkt. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Hans-Joachim Nemitz (Lübbenau). Von Uwe Hegewald

Die Cafeteria der Sparkasse Niederlausitz in Senftenberg wäre zum Festakt am Tag des Ehrenamtes des Oberspreewald-Lausitz-Kreises aus allen Nähten geplatzt, hätten Vereine immer alle ihre Zugpferde entsendet. Deutlich wird das an der Arbeitsgemeinschaft „AG Zeitgeschichte“ Lübbenau, die im Februar 2004 ins Leben gerufen wurde. „Bärbel Blaha arbeitete seinerzeit beim städtischen Kooperationsprojekt Lübbenaubrücke und war gebeten worden, eine entsprechende Gruppe zusammenzustellen. Wir feiern also in wenigen Wochen unser 15-jähriges Bestehen“, erzählt Hans-Joachim Nemitz. Er zählte seinerzeit zu den Personen, die von Bärbel Blaha angesprochen wurden, um zu erfahren, ob diese an einer Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft interessiert seien. Der Wahl-Lübbenauer musste nicht lange überlegen, ging es doch im ersten Projekt um eine Ausarbeitung zum Thema „50 Jahre Grundsteinlegung Neustadt Lübbenau“. 1957 gilt als das Geburtsjahr der Neustadt, ausgelöst durch den Bau des Braunkohlenkraftwerkes mit seinen markanten sieben Schornsteinen als weithin sichtbares Wahrzeichen. Hans-Joachim Nemitz ist einer der vielen Tausend Menschen, die seinerzeit Lübbenau zur Wahlheimat machten. In Neubrandenburg aufgewachsen, studierte er an der Technischen Hochschule Magdeburg Wärmetechnik und heuerte im Jahr 1968 im Lübbenauer Kraftwerk an. „Letztendlich bin ich bei der Datenverarbeitung gelandet, die sich damals gerade im Aufbau befand“, erinnert sich der Hobbyforscher. „Geschichte und Literatur haben mich schon immer fasziniert, daher bereitet mir auch die Arbeit in der AG so viel Freude“, sagt er. Keiner der Zeitgeschichtler erhebe für sich den Anspruch, ein klassischer Historiker zu sein. Flache Hierarchien und eine lockere Struktur kennzeichnen das rund zwölfköpfige Team um ihren Sprecher Günter Noatsch. Im Ort gelten sie als die Leute, die in Lübbenau Geschichte (auf-)schreiben, was Hans-Joachim Nemitz nicht dementieren will und muss. „Wir haben uns schon mehreren Themen gewidmet, Zwischenergebnisse öffentlich präsentiert, Vorträge und Ausstellungen durchgeführt“, fasst er zusammen. Im städtischen Rathaus konnten Besucher bereits Ausstellungen besuchen, im Kolosseum oder im Seniorenheim im benachbarten Calau. Inzwischen hat die „AG Zeitgeschichte“ nahezu alles aufgearbeitet, was Lübbenauer Geschichte betrifft und dabei den Fokus nicht ausschließlich auf die Entwicklungen in der Neustadt gelegt. „Die historische Altstadt ist uns genauso wichtig“, erklärt er. Insbesondere bei der Aufarbeitung „700 Jahre Lübbenau“ anno 2015 lief die Arbeitsgruppe zu Hochform auf. Inzwischen ist nahezu alles aus der lokalen Geschichte aufgearbeitet. „Was wir uns noch vorstellen können, ist ein Blick auf die Verkehrsentwicklung der Stadt Lübbenau inklusive markanter Straßen, Schienenwege und Plätze“, führt Hans-Joachim Nemitz an. Ein Mammutprojekt bei zwei säumenden Autobahnen, einem bedeutenden Bahnhaltepunkt und stark frequentierten Straßen, von denen viele sogar aus Wasser sind. Einig ist sich die AG „Zeitgeschichte“ darüber, nur ausstellungswürdige Projekte in Angriff zu nehmen, die die Allianz der Hobbyhistoriker kräftemäßig nicht überfordern.

Dass die Zeitgeschichtler ihre Projekte konsequent angehen, beweist eine jüngst organisierte Ausstellung zur Geschichte des Kraftwerkes Lübbenau, die Besucher aus Nah und Fern lockte. „Es wurde die am stärksten besuchte Ausstellung der Rathausgalerie“, hieß es in der Laudatio zum Tag des OSL-Ehrenamtes. Dank akribischer Recherchearbeit sowie externer Bereitstellung von zahlreichen Schrift-, Druck- und Fotodokumenten verfügt die Arbeitsgemeinschaft über einen ansehnlichen Fundus von Archivmaterial. Der erlaubt es den Geschichtsforschern, allen Interessierten bei Bedarf entsprechende Informationen zu liefern oder Einblicke in Unterlagen zu gewähren. Ohnehin sei das Team schon ein wenig stolz auf seine 15 Jahre währende Arbeit. Dazu Hans-Joachim Nemitz: „Durch unsere Kontaktpflege und regelmäßige Beiträge in den Stadtnachrichten verspüren wir eine große Resonanz, auch bei der jüngeren Generation. Rückmeldungen zeigen, wie wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, sagt er.

Die Hände in den Schoß legen will und kann die Arbeitsgemeinschaft daher nicht, eher einen Ruhemodus pflegen, bevor sie sich anderen Herausforderungen stellt. An einer selbst auferlegten, drei Säulen umfassenden Maxime wird dabei festgehalten: Verschwundenes, Verändertes und Neues für die Nachwelt fixieren und bei Bedarf präsentieren.