Von Uwe Hegewald

Wer Elisabeth Bischoff ans Telefon bekommen will, sollte einen langen Atem und gute Kondition besitzen. Ständig ist die Calauerin auf Achse und meistens sind es Sportstätten, die sie ansteuert.

„Montag Gymnastik in der Stadthalle, Mittwoch Kegeltraining, Donnerstag Übungen mit der Sportgruppe von Gisela Gebauer und Freitag trainiere ich gemeinsam mit Claudia Richter und Sven Hanisch unseren Kegel-Nachwuchs“, zählt sie auf. „Achso: Mittwochs fahre ich mit meinen Mädels Karin, Adelheid und Gabi noch zum Schwimmen ins Lübbenauer Delphinbad. Nur dienstags ist Pause und an Wochenenden – vorausgesetzt es stehen keine Wettkämpfe an“, ergänzt die passionierte Bohle-Keglerin. Selbstverständlich ist das nicht, eher bewundernswert, denn im Ausweis von Elisabeth Bischoff steht neben dem Geburtsort Werchow (Stadt Calau) immerhin das Geburtsjahr 1943.

„In meinem Leben hat Sport schon immer eine wichtige Rolle gespielt“, sagt die Seniorin. Angefangen habe es mit Geräteturnen in der Schule. Handball spielte sie bis 1970 aktiv. „Und das noch nicht in der Halle, sondern den klassischen Feldhandball im Freien“, erzählt sie. Zwischenzeitlich sei die Calauerin mit Handball und Kegelsport zweigleisig gefahren. „1968 machten Berichte von der Zwei-Bahnen-Anlage in Saßleben die Runde. Dort sind wir nach einem Handball-Training spontan hingefahren“, erinnert Elisabeth Bischoff sich.

Und sie erinnert sich auch daran, wie wuchtig sie die Kugel schieben konnte - dank der beim Handball antrainierten Kräfte. Am Ende ist sie beim Kegelsport geblieben, der beim SV Calau auf einer Sechs-Bahnen-Anlage betrieben wird. Noch bevor man die passionierte Bohlekeglerin dort persönlich trifft, stößt man schon im Vorraum auf ihren Namen: Sie steht auf einer Infotafel, wo alle Bahnrekorde festgehalten sind. „Bahnrekord, C-Damen, E. Bischoff, 894 Holz“, ist dort weiß auf schwarz zu lesen. In der Altersklasse C spielen Damen ab einem Alter von 70 Jahren und Elisabeth Bischoff im Grunde gegen sich selbst.

„Es gibt in diesem Alter nicht viele Frauen, die das noch durchziehen“, so die 75-Jährige, die bei Kreismeisterschaften in der Ü70 nahezu konkurrenzlos ist. Ihr größter Erfolg datiert aus dem Jahr 2008, als die Calauerin im niedersächsischen Oldenburg Deutsche Vizemeisterin der Damen über 60 wurde. Vorangegangen war dem eine regelrechte Wettkampfserie, um sich überhaupt für Deutsche Meisterschaften zu qualifizieren. Diese Qualifikation gelang Bischoff mehrfach: Clubinterne Vergleiche und entsprechende Erfolge bei Kreis-, Regional- und Landesmeisterschaften sorgten dafür.

Bis 2017 zählte die Ausnahme-Keglerin noch zur Landesauswahl, die sie seit vorigem Jahr als Betreuerin begleitet. Es falle ihr schwer, „nein“ zu sagen, wenn Hilfe benötigt wird, gesteht Elisabeth Bischoff, die von Freunden kurz „Lieschen“ genannt wird. Ein „fleißiges Lieschen“, wie der Laudatio zum Tag des Ehrenamtes in Oberspreewald-Lausítz zu entnehmen ist: „Die Nachwuchsförderung für die Sektion Kegeln innerhalb des Vereins liegt Frau Bischoff sehr am Herzen. Dies spiegelt sich nicht nur in ihrer Arbeit als Übungsleiterin wider, sondern auch in ihrem allseitigen Tun und Handeln wie zum Beispiel der Reinigung der Kegelbahn und der Trikots, der Bahnaufsicht und vielem mehr. Wo immer Hilfe gebraucht wird, ist sie zur Stelle. Sie ist zentrale Ansprechpartnerin für alle Belange in der Sektion Kegeln.“

In den Fulltime-Job reingerutscht ist sie durch ihren Ehemann Günter Bischoff (1939-2016). „Der war Bahnenwart bei den Calauer Keglern, hat fast alles gemacht und ich habe mitgemacht“, erzählt sie. Die ansteckende Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Bischoffs mündete frühzeitig in Kontakte zu anderen Familien. Auch außerhalb von Sportstätten, wenn gegenseitige Besuche, gemeinsame Unternehmungen anstehen oder Geburtstage gefeiert werden.

Für Formen solcher gemeinsamer Freizeitgestaltungen führt sie als Beispiel Besuche im Calauer Erlebnisbad an. „Bei dem Sommerwetter im zurückliegenden Jahr sind wir jeden Tag zum Schwimmen ins Freibad gegangen. Da sich dieses gegenüber unserer Kegelhalle befindet, bietet sich dieser Besuch in der Sommersaison regelrecht an“, begründet „Lieschen“ Bischoff, die als Freizeitgärtnerin noch ein weiteres Hobby pflegt. Eigentlich wollte sie ihre Parzelle in der Calauer Gartensparte „Schreberglück“ schon kündigen, hatte die Rechnung jedoch ohne ihre Nachkommen gemacht. „Sie wohnen in hektischen Städten und freuen sich jedes Mal auf die entspannenden Momente im Grünen.“