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Ehm Welk wurde vor 80 Jahren Lübbenauer

Ehm Welk (rechts) kam mit Ehefrau Agathe und Vater Gottfried nach Lübbenau.
Ehm Welk (rechts) kam mit Ehefrau Agathe und Vater Gottfried nach Lübbenau. FOTO: Repro: Wünsche
Lübbenau. Vor 80 Jahren, genau am 1. April 1935, zogen drei Berliner aufgrund höherer Staatsgewalt des Deutschen Reiches in die Spreewaldstadt. Es waren der beim Reichsminister Goebbels des Naziregimes in Ungnade gefallene Journalist und Schriftsteller Ehm (Emil) Welk (1884 bis 1966), seine Frau Agathe Lindner-Welk (1892 bis 1974) sowie sein Vater Gottfried Welk (1847 bis 1938). Bernd Marx / bdx1

Familie Welk bezog in der Dammstraße eine Wohnung. Heute erinnert eine Gedenktafel an diesem Haus an diesen Abschnitt der Lübbenauer Geschichte.

Bedenkt man, dass Ehm Welk für seine kritischen Zeilen in einem offenen Brief, veröffentlicht in der "Grünen Post", kurzzeitig im Konzentrationslager Oranienburg interniert war, gehört die Einquartierung in der Dammstraße zu seinen Glücksmomenten im Leben. Es ist der Solidarität seiner Journalisten-Freunde im Ausland zu verdanken, dass es "nur" ein mehrjähriges Berufsverbot als Journalist und nichts Lebensbedrohliches für den 51‑Jährigen wurde.

Langes Grübeln über Wenn und Aber scheinen dem Schriftsteller, der am 29. August 1884 im uckermärkischen Dorf Biesenbrow bei Angermünde geboren wurde, fremd gewesen zu sein. Er schaute vermutlich auch nicht den Touristenkähnen hinterher. Er spitzte seinen Bleistift an und schrieb.

Vermutlich vertrieb diese Arbeit so manchen dunklen Gedanken. Zwei Jahre später, im Jahre 1937, lag der frisch gedruckte Roman "Die Heiden von Kummerow" auf der Ladentheke. Sein im gemeinsamen Haushalt lebender Vater Gottfried Welk gab die historische Vorlage für den Familienroman "Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer", der 1938 erschien. Das Buch erfreute besonders die hiesige Leserschar, weil Episoden aus Lübbenau und dem Umland dort ihren Niederschlag gefunden haben.

Noch heute können sich Lübbenauer Einwohner an Ehm Welk, seine Frau und zu Besuch kommende Freunde erinnern. "Ich weiß noch, wie er mit seinem Freund und Schreibkollegen Bruno Hans Bürgel (1875 bis 1948) im einheimischen Schlosspark spazieren ging", denkt die 84-jährige Ilse Müller aus der Ehm-Welk-Straße zurück.

Am 16. April 1940 verließen Ehm Welk und seine Frau die Spreewaldstadt, um nach Neuenkirchen bei Stettin zu ziehen.

Die Erlebnisse aus seiner Kinder- und Jugendzeit in Briesenbrow bekamen im Jahre 1943 mit "Die Gerechten von Kummerow" eine Fortsetzung. Zur Freude seiner Fans wurden in einer Gemeinschaftsproduktion der DDR und der BRD beide Romane im Jahre 1967 verfilmt. Ehm Welk schrieb später noch zahlreiche Romane und Erzählungen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erwarb Ehm Welk bleibende Verdienste beim Aufbau der Volkshochschulen in Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde Ehrendoktor, Professor und Ehrenbürger der Städte Bad Doberan und Angermünde.

Die Lübbenauer haben ihren schreibenden Gast auf Zeit nie vergessen. In fast allen Bücherregalen der Lübbenauer Einwohnerschaft sind seine Werke vertreten. Eine städtische Bildungseinrichtung trägt seit 2001 den Namen "Oberschule Ehm Welk". Bei den jährlich stattfindenden Projekttagen machen sich die Klassen mit dem Leben und Wirken des am 19. Dezember 1966 in Bad Doberan verstorbenen Schriftstellers bekannt.

Im Lübbenauer Ortsteil Groß Klessow macht eine Ehm-Welk-Straße auf die Beziehung zwischen dem Dorf und dem berühmt gewordenen Schriftsteller neugierig.

Lübbenauer Heimatfreunde halten zu den Freunden des Briesenbrower Heimatkreises, wo das Leben, Wirken und Andenken von Ehm Welk und seiner Familie bis heute wachgehalten wird, einen freundschaftlichen Kontakt.