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Edelleute flanieren durch den Schlosspark

Altdöbern lässt am Sonntag das Barockzeitalter aufleben.
Altdöbern lässt am Sonntag das Barockzeitalter aufleben. FOTO: U. Hegewald/uhd1
Altdöbern/Cottbus. Letztmalig in diesem Jahr verwandelt sich der Altdöberner Schlosspark zur großen Theaterbühne. Am Sonntag laden Carl Heinrich von Heineken (1707-1791) und seine Gemahlin Friederike Magdalena (1721–1790) zu einem Spaziergang ein. Dargestellt werden die historischen Figuren von Hans Anacker und Katharina Sprigode. Uwe Hegewald/uhd1

Am Anfang stand die Idee: "Altdöbern verfügt mit seinem imponierenden Schloss aus der Zeit des sächsischen Hochbarocks und dem Park über Sehenswürdigkeiten, die anderswo verloren gegangen sind. Ansatz war und ist es, dem versteckten Juwel zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen", begründet Hans Anacker seine Liaison mit dem Lausitzer Kleinod. Außerhalb seines Wirkens im Cottbuser Staatstheater hat er bereits den Fürsten Pückler (Branitz) oder des sächsischen Grafen Brühl (Forst) gegeben. Nun auch den Carl Heinrich von Heineken. "Dieser bot sich bei der Suche nach einer geeigneten Figur für die szenischen Führungen geradezu an. Die Barockzeit bietet mit ihrer Ausstrahlung, den Kostümen und ihrem Charakter unendlich viele Möglichkeiten", so Hans Anacker. Richtig rund wird die Sache durch Friederike Magdalena von Heineken, alias Katharina Sprigode, die der barocken Verführung zusätzlich Farbe verleiht. Amüsante Dialoge, scharfzüngige Wortgefechte aber auch gehobene Konversationen verleihen der 90-minütigen Führung willkommenen Charme. Das alles vor einer einzigartigen Kulisse, bei der nahezu der komplette Schlosspark zur Schauspielbühne erhoben wird.

"Das fundierte Basiswissen hat mich überzeugt", sagt Katharina Sprigode über die Zusammenarbeit mit Hans Anacker. Auch habe der Autor die Formel für eine kurzweilige, unterhaltsame Führung gefunden. "Unsere Gäste bekommen nur wenige Geschichtszahlen um die Ohren gehauen", sagt sie. Boris Aehnelt, im Amt Altdöbern für Tourismus und Wirtschaftsförderung zuständig, weiß um die Qualitäten des Schauspielerduos. "Sie verstehen ihr Fach, haben eine zusätzliche Attraktion geschaffen und so das Angebot im Park bereichert", bemerkt er.

In Verbindung des bekennenden Parkliebhabers Anacker und des Altdöberner Heimatvereins sei es gelungen, ein buchbares Programm an den Start zu bringen. "Jetzt arbeiten wir daran, es noch stärker in die Breite zu tragen", so Aehnelt. Nach fünf Veranstaltungen im Premierenjahr sollen die barocken Verführungen im kommenden Jahr ihre Fortsetzung finden.

"Geplant ist, einen festen Sonntag im Monat zu finden", lässt das Schauspielerduo erste Gedanken kreisen. Als sicher gelten Begegnungen beim Maigang des Altdöberner Heimatvereins, zu den Parksommerträumen im August, zum Tag des offenen Denkmals (September), sowie zur bundesweit durchgeführten Aktion "Lust am Garten" (Juni). Wie groß das Interesse an speziellen Führungen ist, konnten Heineken und seine Gattin an genau diesem Gartenlust-Wochenende erfahren. Dem Vormittagsspaziergang mit 60 Begleitern folgte eine Nachmittagsrunde mit über 100 Interessierten. "Dies hat sich gelohnt", resümiert Hans Anacker. Mit planbaren Stippvisiten im Schloss selbst würde das Projekt zusätzliche aufgewertet. Parkanlagen sind lebendigen Spuren vergangener Zeiten, sagt er. Diesen zu folgen besteht am Sonntag, 14 Uhr.