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| 14:14 Uhr

Durchfahrtsverbot B 169
Saßlebener jetzt von Lkw-Verkehr genervt

 Angela und Lutz Lehradt aus Allmosen bestätigen: Das Durchfahrtverbot für Lkw ist spürbar. Aber viele Lkw fahren nachts weiter illegal durch den Ort.
Angela und Lutz Lehradt aus Allmosen bestätigen: Das Durchfahrtverbot für Lkw ist spürbar. Aber viele Lkw fahren nachts weiter illegal durch den Ort. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Klein Oßnig. Das Durchfahrtsverbot auf der Bundesstraße 169 für den Schwerlastverkehr wirkt in Allmosen und Klein Oßnig. Doch jetzt belasten Ausweichverkehre die Anwohner an den Landesstraßen bei Calau. Und an der B 97 bei Gallinchen gehen die Leute auf die Barrikaden. Von Kathleen Weser und Daniel Preikschat

Die Fahrten großer Sattelzüge und Lastkraftwagen mit Anhängern auf der Bundesstraße 169 in Allmosen (Oberspreewald-Lausitz) und Klein Oßnig (Spree-Neiße) sind mit dem Durchfahrtsverbot zum Schutz der Anwohner vor dem Straßenlärm gedrosselt. Das baden jetzt aber auch Anwohner an den Landesstraßen um Calau aus.

Verkehrsbelastung an der B 97 hat zugenommen

Zudem gehen die Bürger in Gallinchen auf die Barrikaden. Die Verkehrsbelastung an der B 97 ist bereits extrem. Durch Ausweichverkehre und Baustellen hat diese in den vergangenen Wochen weiter zugenommen. Jetzt fürchtet die Stadt Cottbus schon einen Freudentag im nächsten Jahr: Denn wenn die Papierproduktion am Standort Schwarze Pumpe auf volle Touren kommt, müssen die Produkte per Lkw auch über die Bundesstraße 97 transportiert werden. Gegen den steigenden Verkehrslärm häufen sich bereits die Beschwerden.

„Die Anwohner in Gallinchen gehören zu den Verlierern des Durchfahrtsverbotes auf der B 169 in Klein Oßnig und Allmosen“, stellt Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) fest. Er bestätigt: Eine Sammelbeschwerde von 70 Anwohnern aus Gallinchen über unerträglichen Verkehrslärm ist im Rathaus angekommen.

Verkehr verlagert sich von Allmosen nach Saßleben

FOTO: LR / Daniel Preikschat

Auch Dietrich Hepe beklagt sich. Er gießt Blumen an der alten Schmiede in Saßleben. Und während er gießt, rollen Lkw in kurzen Abständen am Haus vorbei. Es sind so viele geworden in den vergangenen Wochen, dass es seine Lebensgefährtin mittlerweile fast bereut, das denkmalgeschützte Kleinod vor Jahren erworben und so schick saniert zu haben. „Sonntagabends, so ab 22 Uhr, geht’s los“, erzählt der Rentner. Dann fahre bis Mitternacht fast ein Lkw nach dem anderen durch den Ort. Ganz deutlich sei zu spüren: Seit in Allmosen das Durchfahrtsverbot auf der Bundesstraße 169 für Lkw gilt, ist in Saßleben die Belastung durch Schwerlastverkehr für Anwohner fast unerträglich geworden. Die Fahrer wollen Mautgebühren sparen und fahren zwischen A 13 und A15 über die Landstraßen durch die Calauer Region.

Durchfahrtsverbot für Saßleben gefordert

Seine Lebensgefährtin ist am vergangenen Freitag in Calau gewesen, erzählt Dietrich  Hepe weiter. Ministerin Kathrin Schneider (SPD) hat im Rathaus mit Anwohnern über das Thema gesprochen. Das Ortsschild solle versetzt werden, damit die Lkw früher auf Tempo 30 drosseln müssen, das in Saßleben gilt. „Das reicht nicht“, sagt Hepe. Er fordert für Saßleben auch ein Lkw-Durchfahrtsverbot, damit die Anwohner von den Rollgeräuschen der Sattelzüge und Lastkraftwagen mit Anhängern entlastet würden.

Der Anwohner in Saßleben erlebt nun das, was Anwohner in Allmosen und Klein Oßnig dazu getrieben hat, die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße vor den Kadi zu ziehen. Der unerträglich Lärm, vor dem die Behörden die Bürger an der viel befahrenen Bundesstraße nach Recht und Gesetz zu bewahren haben.

Schwerlastverkehr in Allmosen und Klein Oßnig spürbar gesunken

In Allmosen und Klein Oßnig ist dem ersten Monitoringbericht des Landes und der zum Lärmschutz verdonnerten Landkreise zufolge der Schwerlastverkehr mit dem Durchfahrtsverbot um etwa 40 Prozent gesenkt worden. Das entlastet die Ohren, bestätigt Gerhard Düring, der Sprecher der Interessengemeinschaft B 169 aus Klein Oßnig. Die lärmgeplagten Anwohner aber erwarten trotzdem mit Spannung die nächsten Daten der Zählungen, die im September vorgelegt werden sollen. Denn sehr belastbar sind die ersten Zählergebnisse der Prüfung zur Wirkung des Durchfahrtsverbotes noch nicht. Der Zeitraum von etwa zwei Monaten ist sehr kurz. Und diverse Baustellen auf der Bundesstraße und auch auf der Autobahn können auch Ausweichverkehre provoziert haben, die nicht von Dauer sind.

Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) hat zudem am Donnerstag bei der Vorlage der ersten Zwischenergebnisse auch deutlich gemacht, dass sie sich belastbare Zahlen von den festen Maut-Zählstellen des Bundes erhofft. Die liegen noch nicht vor.

Die Menschen, die an der Bundesstraße 169 wohnen, bestätigen: Es sind weniger Lkw unterwegs, die Strecke ist aber für Autos und Kleintransporter attraktiver geworden. Denn die kommen nun auch flotter voran auf der Verkehrsader, wenn Brummis nicht so oft wie zuvor den Verkehrsfluss bremsen.

B 169: Wieder mehr Lkw-Verkehr in der Nacht

Angela und Lutz Lehradt, die im Elternhaus an der B 169 in Allmosen eine Gärtnerei betreiben, stellen fest: „Tagsüber haben wir jetzt weniger Lkw-Verkehr auf der Bundesstraße. Aber nachts nutzen schon wieder immer mehr Laster die gesperrte Strecke.“

Unter dem Ausweichverkehr auf den Landstraßen, auf denen die Autobahn sehr gern weiter umfahren wird, haben nun die Anwohner an den Landesstraßen 54 und 55 zu leiden. Werner Suchner (parteilos), Bürgermeister von Calau,  sagt: „Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt. Der Schwerlastverkehr hat tatsächlich zugenommen und wirkt sich negativ auf unsere Stadt aus.“

Calauer Bürgermeister sieht Befürchtungen als bestätigt

Vom Monitoring, mit dem die Wirkung des Durchfahrtsverbotes für Lkw in Allmosen und Klein Oßnig begleitet werden soll, erwarte er auch für die L 54 und L 55 „konkrete Zahlen zur Mehrbelastung – und als Konsequenz konkrete Maßnahmen zum Lärmschutz“.  Lebensqualität sei ebenso wichtig wie funktionierender Lieferverkehr.