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| 13:29 Uhr

Durch die Linse betrachtet
Vom Spreewald über Ungarn nach Tibet

 Zahlreiche Gäste waren zur Eröffnung im Kolosseum anwesend.
Zahlreiche Gäste waren zur Eröffnung im Kolosseum anwesend. FOTO: Philipp Brendel
Lübbenau. Die Fotogruppe „elektron“ Lübbenau präsentiert anlässlich ihres 60. Jahrestages eine Vielfalt der Fotografie im Kolosseum Lübbenau. Von Philipp Brendel

Den richtigen Moment für das besondere Detail finden – das ist die wahre Kunst des Fotografen. Heute ist es eigentlich viel zu einfach ein Foto zu machen. Wir schießen Hunderte, Tausende Fotos mit unseren Handykameras, schwimmen und ertrinken fast in einem ganzen Meer aus halbherzig geschossenen Fotos. Dabei kann schon eine relativ knappe Fotoauswahl die Vielfalt unserer Welt, ihrer Regionen und deren Besonderheiten ablichten.

Eine besonders vielfältige Fotoausstellung ist jüngst erst im Kolosseum Lübbenau eröffnet worden. Die Fotogruppe „elektron“ konnte auf eine große Auswahl zurückgreifen, weil an der diesjährigen Ausschreibung des Wettbewerbs viele teilgenommen hatten. Ausgeschrieben waren in Südbrandenburg die Themen „Leben im Spreewald“ oder die Wahl eines individuellen Themas. Somit waren der Kreativität der Hobbyfotografen kaum Grenzen gesetzt. Die Fotoausschreibung stieß auf großes Interesse: Die 38 Fotografen kommen aus Lübbenau, Vetschau, Calau, Cottbus, Greifenhain und Doberlug-Kirchhain. Aus einer Vielfalt von insgesamt 157 eingereichten Fotos sind 54 als Meisterwerke der Fotokunst ausgewählt worden, die nun bis Anfang November im Kolosseum präsentiert werden.

 Anja Heinze, Jampa Thinley und Liane Heinze (v.l.n.r.) präsentieren das ausgezeichnete Werk „Geschwisterliebe“.
Anja Heinze, Jampa Thinley und Liane Heinze (v.l.n.r.) präsentieren das ausgezeichnete Werk „Geschwisterliebe“. FOTO: Philipp Brendel

Mit jeder Fotografie beginnt auch eine Reise in die Geschichten und Erlebnisse eines Fotografen. So taucht der Besucher der Fotoausstellung in typische spreewäldische Situationen ab oder trifft auf so manch kuriose Spreewälder Gestalt. Doch die Reise beginnt nur im Spreewald und geht dann weiter um die ganze Welt:

Welcher Besucher wagt etwa einen Absprung vom Monte Baldo als Paragleiter? Oder traut sich etwa in die gespenstisch wirkende Kirche der vergessenen Seelen? Wer sich etwas ausruhen möchte von der langen Weltreise durch die Fotokunst ist bei einer Verschnaufpause im Frühling im Spreewalddorf Lehde herzlich eingeladen. Und ganz unverhofft trifft der Besucher auf ganz besondere Lebensgeschichten, wie die von Liane und Anja Heinze aus Vetschau und dem aus Tibet stammenden Jampa Thinley.

 Undine Grabitz ist ein genialer Schnappschuss gelungen.
Undine Grabitz ist ein genialer Schnappschuss gelungen. FOTO: Philipp Brendel

Liane Heinze, die den Anerkennungspreis für ihre Fotografie „Geschwisterliebe“ in der Kategorie „Freies Thema“ erlangen konnte, erklärt den näheren Hintergrund zur ausgezeichneten Fotografie. Auf der Fotografie sind vier tibetische Nomadenkinder zu sehen. Zwei der Kinder, wohl ein Geschwisterpaar, umarmen sich innigst, während eines der Kinder etwas fragend in Richtung des Betrachters blickt.

Eine besondere Geschichte verbirgt sich hinter dieser Fotografie. Seit zehn Jahren unterstützen Liane Heinze und ihre Schwester Anja Heinze Hilfsprojekte für Nomaden im Tibet. Mittlerweile sind durch ihr Engagement vier Schulen und eine Krankenstation im östlichen Tibet entstanden. Für Jampa Thinley stellt die Fotografie eine sinnbildliche Verbindung zu seinem Heimatland Tibet her. Seine Eltern mussten damals aufgrund der Gewalt der chinesischen Herrschaft aus dem Tibet fliehen. Er selbst wurde in Indien geboren. Heute lebt er in Augsburg, wobei er sich selbst scherzhaft als einzigen Tibeter der Stadt bezeichnet. Jampa stellt für das von Liane und Anja Heinzig unterstützte Hilfsprojekt wichtige Kontakte vor Ort  her. Dabei hebt er hervor, dass es dem Hilfsprojekt nur ums Soziale gehe und nicht um Politik: „Wir machen keine Politik.“

Durch ihre Fotografien macht Liane Heinze auf die besondere Situation im Tibet aufmerksam: „Es wird gezeigt, was vor Ort wichtig ist und was fehlt.“ Ihre Schwester Anja Heinze schildert die Lage vor Ort im Tibet: „Die Nomaden, denen wir helfen, haben ein ganz einzigartiges Leben. Sie müssen beispielsweise erst an die Schule gewöhnt werden.“

Ganz andere Einblicke in die Fotowelt ermöglicht Undine Grabitz aus Calau, die den Ersten Preis in der Kategorie „Freies Thema“ mit ihrer Fotografie „Graurinder im Trab“ erlangen konnte. Das Foto hatte sie damals auf ihrer Hochzeitsreise im Jahr 2010 geschossen. Dabei gelang ihr ein genialer Schnappschuss einer wilden Herde aus Graurindern, die in ihrer hastige Bewegung im Staub und im Licht der Sonne aufgehen. Schon seit 50 Jahren verfolgt Undine Grabitz ihre Fotoleidenschaft: „Am liebsten fotografiere ich die Natur – die Schönheit der Natur.“ Angefangen hatte sie mit der „Perfecta“ ihres Vaters mit gerade einmal sechs Jahren. Seit 2014 ist sie Leiterin der Calauer Fotogruppe „FotoGen“.

Jutta Hinze betrachtet aufmerksam die einzelnen Fotografien der Ausstellung. Die Fotografie „Spreewälder Wellnessritual“, ebenfalls von Liane Heinze und mit dem Sonderpreis der Stadt Vetschau ausgezeichnet, bezeichnet sie auf ihre Weise als „außergewöhnlich“. Und tatsächlich ist die abgebildete Spreewälderin außergewöhnlich. Wellness auf Spreewäldisch heißt demzufolge: Fußbad im Gurkenwasser und Gesichtspflege mit saurer Gurke auf den Augen. Mit Blick auf die Fotografie „Hungrige Schwalbenschnäbel“ von Norbert Fink betont Jutta Hinze die Besonderheit des Fotografierens: „Der Fotograf darf nicht einfach nur auf den Knopf drücken, sondern muss das Besondere herausstellen.“