| 02:41 Uhr

"Drei Schwestern" – schon vergessen?

Marita Lange erinnert sich gern an die Dreharbeiten des DDR-TV-Films "Drei Schwestern"
Marita Lange erinnert sich gern an die Dreharbeiten des DDR-TV-Films "Drei Schwestern" FOTO: U. Hegewald/uhd1
Altdöbern. Schon mehrmals hat es professionelle Filmcrews zu Dreharbeiten ins Altdöberner Schloss und seinen Park gezogen. Unvergessen bleibt der DEFA-Märchenfilm "Der Meisterdieb", der 1977 in Altdöbern gedreht wurde und der bei den Parksommerträumen 2016 eine willkommene Wiedergeburt erlebte. Uwe Hegewald / uhd1

Die Theaterloge Luckau hatte das Märchen der Gebrüder Grimm neu inszeniert, um es vor historischer Kulisse und einem begeisterten Publikum aufzuführen.

Dass einige Jahre nach dem "Meisterdieb" erneut Filmemacher in Altdöbern unterwegs waren, ist bei vielen Einheimischen in Vergessenheit geraten. 1983/1984 entstand der DDR TV-Film "Drei Schwestern", nach einem Drama des russischen Schriftstellers Anton Tschechow (1860 bis 1904).

"Schade, dass der Film so sehr in Vergessenheit geraten ist", bedauert auch Marita Lange, die sich sehr genau an die Dreharbeiten vor über 30 Jahren erinnern kann. Seinerzeit in der Gebäudewirtschaft (heute WiS) tätig war sie die erste Ansprechperson für die Crew um Regisseur Thomas Langhoff. Ihre Aufgabe bestand darin, Räumlichkeiten für die Garderobe zu finden, nach geeigneten Komparsen Ausschau zu halten und nach Reinigungskräften. "Im verwaisten Schloss lag der Staub zentimeterdick auf den Böden und Treppenstufen", schildert Marita Lange die damalige Situation.

Und sie war für den Wetterbericht aus Altdöbern zuständig. Wiederholt wurde sie angerufen, ob denn der Park schon zu Grünen beginne. "Die Hauptszene spielte im Herbst, da sollten noch keine grünen Triebe und Blätter zu sehen sein", begründet sie. Für Außenszenen wurden schließlich zahlreiche Säcke mit Laub herangetragen, um die Stimmung authentisch erscheinen zu lassen. Bei der Tischlerei Noack fand Marita Lange zudem einen lokalen Handwerker, der eine Kinderschaukel errichtete.

Daniel Jech war es als Sechsjährigem vorbehalten, als schaukelnder Knirps in die erste große Schauspielerrolle seines Lebens zu schlüpfen. "Ich erinnere mich noch, dass ich mehrmals vom Kindergarten abgeholt wurde und dass es öfters Pralinen zu naschen gab", so der heute 39-Jährige.

An der Seite ihrer Tochter Katrin übernahm Marita Lange selbst eine kleine Rolle als Komparsin. Ebenso Sohn Thomas Lange, der von 2004 bis 2015 als Fan-Beauftragter beim FC Energie Cottbus tätig war. Rund ein Drittel des TV-Filmes "Drei Schwestern" sind nach Aussage der Vermögensberaterin im Jubiläumsjahr (25) in Altdöbern gedreht worden. Eine darzustellende Szene wird Marita Lange nie vergessen: "Wir sollten uns das brennende Moskau vorstellen und wie wir mit unseren Habseligkeiten bei einem Schlossherren um Unterschlupf bitten", erzählt sie. Beklemmend: Inmitten der Dreharbeiten heulten die Sirenen. Wenig später erfahren Filmcrew und Schauspieler, dass im benachbarten Pritzen das Herrenhaus brennt.

Apropos Schauspieler: Neben dem 1944 in Cottbus geborenen Darsteller Uwe Kockisch zählte auch Monika Lennartz (unter anderem mehrere Tatort-Verfilmungen) zum Team. Ebenso Ursula Werner - 2009 wurde sie für die beste weibliche Hauptrolle in "Wolke 9" mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Am 25. März 1984 erfolgte schließlich im DDR-TV die Erstausstrahlung von "Drei Schwestern".

Zum Thema:
Zwischenzeitlich mussten Filmcrew und Schauspieler über ein Seitenfenster des Schlosses einsteigen, für das die Tischlerei Noack eigens ein Podest errichtete. Hintergrund war eine nicht zugängliche Nebentür. Wie sich später herausstellte, hatte die Stasi in Räumen des Schlosses eine große Abhöranlage installiert und den Bereich zur strikten Tabu-Zone erklärt.