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Drei Millionen für Super-Campus

FOTO: Dennis Skley
Vetschau. Der Planung eines attraktiven Vetschauer Campus' mit großem Mehrzweckgebäude für geschätzte 3,1 Millionen Euro hat der Hauptausschuss zugestimmt. So ist zu erwarten, dass auch die Stadtverordnetenversammlung am 13. Juli grünes Licht gibt. Hannelore Kuschy

Im Klartext hieße das: Ein zusätzliches Mehrzweckgebäude mit Multifunktionsraum und Bibliothek wird angestrebt. Allerdings nur, wenn es Fördermittel in ausreichender Höhe gibt.

Denkbar wäre aus städtischer Sicht eine Förderung von 66 Prozent aus Stadtumbaumitteln. Nach dieser Variante, die eine Außenwirkung in die Wohngebiete bedingt, hätte die Stadt aus eigenen Mitteln noch rund 1,05 Millionen Euro beizusteuern. Die Minimalvariante ohne Bibliothek und Raum für den Musikverein ziehe laut Stadt eher schulische Verbesserungen nach sich und könne folglich nur über Fördermittel aus dem Bildungsbereich unterstützt werden. Der Fördersatz hierfür liege in der Regel bei 45 Prozent. Das würde bedeuten, dass die Stadt rund 1,13 Millionen Euro selbst beizusteuern hätte.

Diese Rechnung mag den einen oder anderen, bis dahin noch unschlüssigen Abgeordneten überzeugt haben. Bedingung für ein Ja zum Grundsatzbeschluss war jedoch auch, dass den Abgeordneten die Entwurfsplanung vorgestellt wird, bevor die Genehmigungsplanung fertig für einen Baubeginn auf dem Tisch liegt.

Während Andreas Malik (CDU) verlautbart, dass man in die Bildung investieren müsse und dieses Vorhaben nicht halbherzig angehen dürfe, sondern mit einem modernen Haus 4 den Standort zukunftssicher gestalten solle, mahnt Winfried Böhmer (Bündnisgrüne): gemach, gemach. Die Stadt müsse das Haus auch finanzieren. Die Frage werde sein: "Was können wir letztlich auch stemmen?" Ähnlich sieht es Ulrich Lagemann (WGO): "Multifunktional werde immer wichtiger, aber das koste mindestens eine Million Euro! Karola Schmidt (Die Linke) stimmt dem Beschluss zu, klagt aber doch über Bauchschmerzen wegen der 160 000 Euro hohen Planungskosten, die in jedem Falle anfielen.

Eine Lanze für ein großes Haus 4, wie sie es nennen, brechen Eltern in der Sitzung. Dass eine Reaktion von dieser Seite erst jetzt komme, darüber wundert sich Uwe Jeschke (SPD). Ein gutes Projekt sei das Mehrzweckgebäude nach seiner Ansicht nach wie vor. Für Elternsprecherinnen sowohl des Grundschul- als auch des Oberschulteils ist das Haus aus verschiedenen Gründen wichtig. Es gäbe keinen großen Raum im Schulzentrum fürs Schulessen, für Kultur und Feiern zum Schulbeginn, für Abschlussfeiern und Jugendweihe. Sportunterricht habe schon ausfallen müssen, weil Veranstaltungen in der benachbarten Solarsporthalle stattgefunden hätten und so weiter.

Wichtig für Schulleiter Steffen Bretschneider ist in erster Linie, mit dem Neubau Missstände im Schulzentrum zu beseitigen, das derzeit von 434 Schülern besucht wird. Den Schülern müsse in erster Linie Gelegenheit gegeben werden, angemessen ihr Schulessen einzunehmen. Allein von den 191 Oberschülern würden seinen Angaben zufolge nur noch 23 in der Schule Mittag essen. Benachteiligte Schüler hätten eh das Nachsehen, weil der zu kleine Essenraum nicht ohne Barrieren, also Treppen, zu erreichen sei.

Wie für die Eltern sei auch für ihn ein großer Raum für ein Schulzentrum mit Ganztagsangebot unabdingbar. "Dann wäre es auch möglich, das Essenangebot zu erweitern, also beispielsweise um Frühstück und Vesper. Bibliothek und Musikverein in diesem Haus würden zudem unserem Schulprofil entsprechen", sagt er. "Nur wenn Kinder gemeinsam zur Bibliothek gehen, werden sie auch mehr lesen. Und das wollen wir gern zu einer schönen Gewohnheit werden lassen." Im kommenden Schuljahr werde die zweite Bläserklasse aufgemacht. Würde der Musikverein ins Haus einziehen, wäre das eine Chance für beide Seiten.

Ein Großteil der Schüler, auch aus dem benachbarten Spree-Neiße-Kreis, kommt mit dem Bus zur Schule. Bis zur Abfahrt, so Bretschneider, hätten Schüler in einem großen Haus 4 Gelegenheit zu sinnvoller Beschäftigung.