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| 16:00 Uhr

Titanen on Tour
Hoch zu Roß als Zeichen des Friedens

Frank Trogisch und Marcel Gnerlich (Gemeinde Luckaitztal) sind erfahrene  Kutscher. Damit besitzen sie bestes Rüstzeug, um an Etappen der „Titanen on Tour“ teilzunehmen.
Frank Trogisch und Marcel Gnerlich (Gemeinde Luckaitztal) sind erfahrene Kutscher. Damit besitzen sie bestes Rüstzeug, um an Etappen der „Titanen on Tour“ teilzunehmen. FOTO: Uwe Hegewald
Muckwar/Schöllnitz/Wormlage/Brück. Drei passionierte Kutscher aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind bei „Titanen on Tour“ dabei. Von Uwe Hegewald

Die Zahlen sprechen für sich: Acht Planwagen durchqueren sechs Länder, um nach 2300 Kilometern und rund 12 Wochen in Weliki Nowgorod (Russland) einzutreffen. Start war am 18. Juli in Brück (Potsdam-Mittelmark), das Pferdekenner auch schon mal als „Landeshauptstadt der Kaltblüter“ bezeichnen.

Das hängt mit der schwergewichtigen Pferderasse zusammen und der international bekannten Veranstaltung „Titanen der Rennbahn“. Mit dem Projekt „Titanen on Tour“ zieht der veranstaltende Kaltblut Zucht- und Sportverein Brück mit dem Rheinisch – Deutschen – Kaltblut erneut internationales Interesse auf sich. „Das ist schon mal eine Hausnummer. Hut ab vor den Organisatoren, die sich dieser Herausforderung stellen“, würdigt Frank Trogisch. Als passionierter Kutscher weiß der Landwirt aus Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) was Mensch, Tier und Material abverlangt wird.

Als er von dem Projekt hörte, stellte er seine Unterstützung in Aussicht. Über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen wird Trogisch den Treck als Kutscher begleiten. „Täglich sollen rund 35 Kilometer zurückgelegt werden. Insgesamt sind über 70 Nachtlager geplant, in der Regel in mitgeführten Zelten“, informiert er. 48 Utensilien umfasst die persönliche Packliste, die jedem Kutscher zugestellt wurde: Neben Tasse und Teller, Unterwäsche, Rasierzeug und Traubenzucker sind nach Möglichkeit auch Blasenpflaster, eine Zeckenzange und eine Bibel mitzubringen. Diese dürfte mit Pfarrer Helmut Kautz in Zusammenhang stehen, der beim Start alle Wagen, Pferde und Mitfahrer gesegnet hatte.

Eine von Peter Glasbrenner in Schwäbisch-Hall gegossene und mitgeführte Friedensglocke wurde geläutet und soll an jeder Station wiederholt geschlagen werden. Am Ende der Tour – voraussichtlich am 4. Oktober – soll die Glocke in Weliki Nowgorod bleiben. „Mit der Tour wollen wir Botschafter für Verständigung, gegen Unwissenheit, Hass und Unverständnis – für ein wertvolles, freies und versöhntes Europa sein“, fassen die Organisatoren ihre Mission zusammen.

„Das ist ein Projekt, bei dem man nur einmal im Leben Gelegenheit bekommt, mitzuwirken“, sagt Marcel Gnerlich aus Schöllnitz. Der Gemeindevertreter aus Luckaitztal wird den Treck auf Abschnitten durch das Nachbarland Polen begleiten. An seiner Seite ist Ralf Hendrischk aus Wormlage (Stadt Großräschen). Die beiden kennen sich seit vielen Jahren, haben unzählige regionale Pferdeveranstaltungen begleitet, an Stollenreiten teilgenommen oder bei Kutschentreffen und darin eingebetteten Hindernisparcours ihre Kräfte gemessen.

Bei „Titanen on Tour“ sind alleridngs nocht weitere Qualitäten gefragt. Ein Blick in den Tagesablauf verrät: 6 Uhr Wecken/Morgentoilette, 6:30 Uhr Fütterung der Pferde, 7 Uhr Frühstück, 7:30 Uhr Pferde putzen und Einspannen. Um 9 Uhr setzt sich der Treck in Bewegung und macht zur Mittagszeit rund zwei Stunden Rast (Verpflegung: zwei Stullen bzw. individuelle Menge). Zwischen 19 und 20 Uhr sollen die jeweiligen Etappenorte erreicht sein. „Dann heißt es wieder Ausspannen, Füttern, Tränken, die Tagesauswertung vornehmen, Route für den kommenden Tag verinnerlichen und die Personen für die Nachtwache benennen“, liest Frank Trogisch aus dem Info-Bogen vor. „Ich glaube, dass wir erst nach Abschluss dieser Aktion so richtig begreifen, was mit der Tour in Bewegung gesetzt wurde“, so der Vorsitzende der IGZ Interessengemeinschaft Zugpferde, Landesverband Berlin-Brandenburg.

Er wird den Treck durch Litauen, Lettland und Estland begleiten. „Die Bundesgeschäftsstelle der IGZ unterstützt die Friedenstour mit 2500 Euro. Willkommenes Geld für das ambitionierte Vorhaben, das noch nicht vollständig ausfinanziert ist“, betont er.