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| 14:15 Uhr

Krimidreh in Lübbenau
Kamera ab! Kommissar Thorsten Krüger ermittelt wieder in Lübbenau

Zu Besuch beim Spreewaldkrimidreh FOTO:
Lübbenau. Vom 18. September bis 20. Oktober finden in Lübbenau und Umgebung erneut Dreharbeiten zum Spreewaldkrimi statt. Von Liesa Hellmann

Die weißen Gardinen wehen leicht im Wind, totenstill liegt der Friedhof da. Nur ein Rabe krächzt. Die Atmosphäre könnte nicht stimmiger sein am Dienstag in der Boblitzer Lindenstraße. Hier werden einige Szenen für den Spreewaldkrimi mit dem Arbeitstitel „Zeit der Wölfe“ gedreht. Im zwölften Teil der Reihe suchen Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl) und sein Kollege Fichte (Thorsten Merten) nach der Verbindung zwischen einer Rockergang und Umschlägen mit unerwartetem Inhalt, die an verlassenen Orten gefunden werden. Darüber hinaus gibt Krüger ein einsamer Wolf in den Wäldern zu denken.

Der Friedhof ist allerdings nicht Teil des Geschehens und auch der Rabe wurde nicht bestellt, sondern ist nur Zaungast. Die Gardinen hängen nicht vor einem Fenster, sondern sind an ein Podest montiert, auf dem eine Kamera auf das ehemalige Kinderheim auf der gegenüberliegenden Straßenseite gerichtet ist. Damit soll im späteren Film der Eindruck entstehen, dass durch ein Fenster auf die Straße geblickt wird – aus einem Haus, das an dieser Stelle gar nicht existiert. „Dies ist die normale Vorgehensweise im Film“, erklärt Spreewaldkrimi-Produzent Wolfgang Esser, denn schließlich ist es „nicht die Aufgabe des Spreewaldkrimis dokumentarisch, sondern authentisch zu sein“.

Um Authentizität in einem fiktionalisierten Spreewald zu erzeugen, wird fast der gesamte Film an Originalschauplätzen gedreht, Studioaufnahmen sind die Ausnahme. Dabei werden im Film Drehorte miteinander kombiniert, die „in Echt“ manchmal viele Kilometer auseinander liegen. So wurde etwa eine Szene in Biebersdorf bei Märkische Heide gefilmt, denn dort gibt es symmetrisch anmutende Nadelwälder, während um Lübbenau die weniger düsteren Laubwälder dominieren. Im fertigen Film könnte Kommissar Thorsten Krüger dann im Nadelwald direkt in einen Kahn steigen, auch wenn es am Drehort gar kein Fließ gibt. „Wir wollen die magische, mystische und geheimnisvolle Seite des Spreewalds zeigen“, fasst Esser die Rolle der Drehorte für die Grundstimmung des Spreewaldkrimis zusammen. Dazu sind, bevor gedreht wird, Motivsucher im ganzen Spreewaldkreis unterwegs, um Orte zu finden, die zum Drehbuch von Thomas Kirchner passen. Dann muss genau geplant werden, wer und was am Drehort gebraucht wird, denn manche Orte sind schwer zugänglich. In den Anfangszeiten des Spreewaldkrimis wurde viel Technik auch tatsächlich mit dem Kahn an Ort und Stelle gebracht.

Klappe und Action! In Lübbenau wird wieder der Spreewaldkrimi gedreht.
Klappe und Action! In Lübbenau wird wieder der Spreewaldkrimi gedreht. FOTO: LR / Liesa Hellmann

Das ist für die Szenen, die in der Rosenstraße und in der Boblitzer Lindenstraße gedreht werden, natürlich nicht nötig. Am Set herrscht rege Betriebsamkeit. Je nach Szene sind 35 bis 50 Personen hinter der Kamera beschäftigt, hinzu kommen Schauspielerinnen und Komparsen. Leinwände werden herangerollt, um ungünstige Schatten zu verhindern, Leuchter werden ausgerichtet, Schauspieler Christian Redl geht, seinen Text rezitierend, auf und ab. Wenn Regisseurin Pia Strietmann das Signal zum Drehbeginn gibt, wird es auf einmal still und alle Bewegung kommt zum Erliegen. Schließlich darf im Film kein Laubrascheln eines vorbeieilenden Crew-Mitglieds zu hören sein oder die Konzentration der beiden Hauptdarsteller Christian Redl und Thorsten Merten gestört werden.

In der gedrehten Szene übergibt Krüger seinem Kollegen Fichte einen Umschlag, der bei einer Kita gefunden wurde. Im Hintergrund ist das ehemalige Kinderheim Boblitz zu sehen. „Wir haben etwas heruntergekommene Einrichtungen gesucht, die als Fundorte für mysteriöse Umschläge infrage kommen“, erläutert Produzent Esser, „der Spreewald ist für uns Darsteller und keine Kulisse“. Das Gebäude im traditionellen Spreewälder Baustil ragt fast bedrohlich über den spielenden Kinderstatisten auf. Nächste Woche beginnen hier die Bauarbeiten für eine neue Kita und ein Gemeindezentrum. Noch ist davon nichts zu spüren. Das ehemalige Kinderheim steht zwar stumm, aber aussagekräftig vor der Kamera.