ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:30 Uhr

Angespannte Kassenlage
Vetschau geht an die Finanz-Reserven

 Knapp eine Million Euro soll die Innensanierung des Vetschauer Schlosses kosten.
Knapp eine Million Euro soll die Innensanierung des Vetschauer Schlosses kosten. FOTO: Kuschy
Vetschau. Im Haushaltsplan für 2020/2021 sind in Vetschau noch mehrere größere Investitionen geplant. Doch die Kämmerin mahnt: Wenn auch künftig investiert werden soll, müssen Bedingungen erfüllt werden. Von Daniel Preikschat

     Am Schulzentrum „Dr. Albert Schweitzer“ wird ein Mehrzweckgebäude errichtet. Kosten: 3,5 Millionen Euro.
Am Schulzentrum „Dr. Albert Schweitzer“ wird ein Mehrzweckgebäude errichtet. Kosten: 3,5 Millionen Euro. FOTO: Rüdiger Hofmann

Die Vetschauer Kämmerin Isabel Sandig ist noch nicht lange im Amt und musste bei der Präsentation des ersten von ihr erstellten Haushalts am Montag im Wirtschaftsausschuss gleich sehr deutliche Worte wählen. Werden bestimmte Bedingungen nicht erfüllt, sagte sie unmissverständlich, können in Vetschau neue Projekte erst gar nicht mehr in Angriff genommen werden. Dann können nur noch begonnene Maßnahmen fertig gestellt und Pflichtaufgabe einer Kommune erfüllt werden. Jede Investition, so die Finanzerin, müsse künftig auf Umfang und Notwendigkeit geprüft werden. Und: „Wünsche sind an die tatsächlichen Möglichkeiten anzupassen.“

 Für den Ausbau und die Sanierung von Gemeindestraße, im Bild die Schönebegker Straße, planen die Vetschauer 2020 und 2021 insgesamt 1,1 Millionen Euro ein.
Für den Ausbau und die Sanierung von Gemeindestraße, im Bild die Schönebegker Straße, planen die Vetschauer 2020 und 2021 insgesamt 1,1 Millionen Euro ein. FOTO: Hofmann Rüdiger

Grenzen setzt den Möglichkeiten in Vetschau das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben. Um im 18-Millionen-Euro-Haushalt für die Jahre 2020/2021 das Minus auszugleichen, müssen die Vetschauer in ihre Rücklage greifen. Bis 2024 verringert sie sich auf nur noch fünf Millionen Euro. An Investitionen eingeplant sind in den zwei Jahren – um nur die größten zu nennen – 1,5 Millionen Euro für den Bau eines Mehrzweckgebäudes am Schulzentrum, 1,1 Millionen Euro für den Ausbau von Gemeindestraßen und 690 000 Euro für die Sanierung des Vetschauer Stadtschlosses.

Für ein neues Mehrzweckgebäude in Naundorf müssen samt Planung 380 000 Euro eingeplant werden, für den Anbau des Feuerwehrgerätehauses in Vetschau 375 000 Euro und für die Sanierung des Dachs der Grundschule in Vetschau 300 000 Euro. Inklusive Fördermittel investiert Vetschau 2020 und 2021 zusammen 6,8 Millionen Euro. Eine Reihe von Baumaßnahmen müssen 2022 aber noch fortgeführt werden. Für das Mehrzweckgebäude am Schulzentrum werden 2022 weitere zwei Millionen Euro fällig, die Schloss-Sanierung kostet insgesamt knapp eine Million Euro.

Neu im Amt ist in Vetschau aber nicht nur Kämmerin Isabel Sandig. Nach der Kommunalwahl haben im Wirtschaftsausschuss einige neue Stadtverordnete einen Sitz, es gibt neue sachkundige Einwohner und mit Hagen Banusch (CDU) auch einen neuen Vorsitzenden. Vielleicht wurden auch deshalb so viele Fragen gestellt und Kommentare abgegeben, dass am Ende der ersten Haushaltsdiskussion in der neuen Wahlperiode noch nicht abgestimmt wurde. Bevor die Abgeordneten im Wirtschaftsausschuss der Stadtverordnetenversammlung empfehlen, die Haushaltssatzung zu beschließen, wollen sie sich noch schlauer machen. Dazu, so wurde vereinbart, wird es demnächst einen Termin geben.

Lob gab es dennoch für Isabel Sandigs Zahlenwerk. „Eine filigrane Arbeit, sehr detailliert“, sagte der sachkundige Einwohner Bernd Pumpa und mahnte eine bessere Wirtschaftsförderung an, damit Vetschau perspektivisch höhere Einnahmen verbuchen kann. Stefan Schön (Grüne) sprach die 17 Milliarden Euro an für die Lausitz, um den Kohleausstieg bewältigt zu bekommen. Davon sollte Vetschau doch ein, zwei Millionen Euro bekommen. Fertige Konzepte für entsprechende Anträge jedoch liegen nicht fertig in der Rathausschublade, entgegnete Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). Vielmehr müsse man schnell reagieren, wenn klar ist, wie an das Geld heranzukommen ist.

Weiter warfen viele einzelne Haushaltsposten Fragen auf bei Stadtverordneten und sachkundigen Einwohnern. Hans-Ulrich Reuter (SPD) beispielsweise wollte wissen, was sich hinter einem „Medienentwicklungskonzept“ verbirgt, für das 55 000 Euro eingeplant sind. Babette Rostock, ebenfalls sachkundige Einwohnerin, erschienen 60 000 Euro für den Bauhof, um die Friedhöfe zu pflegen, etwas viel. Happig fand Daniel Rostock, weiterer sachkundiger Einwohner, fast 700 000 Euro für die Schloss-Sanierung. Dass ein Mäh­roboter, vor zwei Jahren angeschafft, 14 000 Euro im Jahr an Unterhaltungskosten verursachen soll, wollte sich Stefan Schön (Grüne) nicht erschließen. Angesprochen wurden unter anderem aber auch die über 190 000 Euro für die Betreibung von Slawenburg und Info-Punkt.

Fragen über Fragen also, die alle in der nächsten Haushaltsberatung geklärt werden sollen, wie Sitzungsleiter Hagen Banusch zumindest hofft. Ein paar Stunden müsse man wohl einplanen – und am besten dem Rathaus vorher die Fragen zukommen lassen, bat sich Bürgermeister Kanzler aus.