„Wir bemühen uns, Niedersorbisch als Umgangssprache zwischen Lehrern und Schülern noch stärker zu etablieren.“ Dabei stoße die Schule jedoch oft genug auf Widerstände. So würden einige Lehrer zum Teil wider Willen an die Cottbuser Einrichtung versetzt, sie hätten lange Anfahrtswege und könnten aus Mangel an Sprachkenntnissen in der ersten Zeit nichts zum sorbisch/wendischen Austausch beitragen.

„Auch für den Werterhalt an unserer Schule wird zu wenig getan“, kritisiert Anke Hille-Siekert. „Das beherrschende Element unseres Schulhofes ist Schotterrasen, und gerade mal geschätzte fünf bis zehn Prozent der Schulabgänger bleiben in der Cottbuser Region.“ Damit sei die Gefahr verbunden, dass die sorbisch/wendische Kultur langfristig verschwinde. „Warum ist in Cottbus Niedersorbisch nicht Amts- und Verwaltungssprache?“, fragt die Schulleiterin.

Auch der Vorsitzende im Rat für sorbisch/wendische Angelegenheiten im Land Brandenburg, Harald Konzack, warnt vor einem leichtfertigen Umgang mit der kulturellen Tradition. „Die sorbische Sprache ist eine große Bereicherung – nicht eine zusätzliche Last.“ Nach seinen Worten haben die Kinder des Witaj-Projekts in Sielow ein um 30 Prozent größeres Leseverständnis als der Landesdurchschnitt: „Damit sind auch die Sorgen vieler Eltern entkräftet, die uns gegenüber das Argument äußern, ihr Kind solle doch erst mal richtig Deutsch lernen, bevor es sich einer weiteren Sprache widmet.“ So sei Witaj „ein Angebot zum Nulltarif für die Mehrheitsbevölkerung“.

An die Adresse des Cottbuser Oberbürgermeisters Frank Szymanski (SPD) gerichtet, gibt Harald Konzack zu bedenken: „Ehe ein Mehrwert geschaffen wird, gilt es zu investieren.“