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| 17:59 Uhr

Radtourismus im Spreewald
Wohin mit dem „Brückenschieber“?

 130 Teilnehmer setzten kürzlich bei einer Wanderung ein Zeichen gegen einen Brückenschieberbau im Wotschofskaweg.
130 Teilnehmer setzten kürzlich bei einer Wanderung ein Zeichen gegen einen Brückenschieberbau im Wotschofskaweg. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Der Wotschofskaweg kommt für eine Stahlkonstruktion zum Übersetzen von Rädern an Stufenbrücken nicht mehr infrage. Nun sucht die Stadt Lübbenau einen anderen Standort. Von Daniel Preikschat

Zumindest im Internet steht die Stadt Lübbenau weiterhin mit Stolz und Selbstbewusstsein hinter ihrer „Brückenschieber“-Erfindung. Das Deckblatt einer Präsentation auf der Stadtseite www.luebbenau-spreewald.de zeigt nebeneinander die Fotos von Laufmaschine, Dampflokomotive, Motorflugzeug – und eben den „Brückenschieber“. Darüber wird Goethe zitiert: „Jede große Idee, sobald sie in Erscheinung tritt, wirkt tyrannisch.“

Wie die Diskussion am Mittwoch in der Stadtverordnetensitzung zeigte, ist es jedoch nicht so leicht, auch einen passenden Platz für die auf dem Foto recht massiv wirkende Konstruktion zu finden. Den Standort Wotschofskaweg hat die untere Naturschutzbehörde des Landkreises schon mal abgelehnt. Nun war zu entscheiden, ob ein anderer Standort gesucht werden soll. Der entsprechenden Beschlussvorlage haben die Stadtverordneten zugestimmt. Darüber hinaus wollen sie den Testlauf für den ersten „Brückenschieber“ noch in der Hauptsaison 2019 abgeschlossen wissen.

Für Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) ist das auch realisierbar. Entscheidend sei, sich in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde auf einen geeigneten und damit auch genehmigungsfähigen Standort festzulegen. Christina Balke (CDU) drang auf einen Stadtverordnetenbeschluss dazu in der nächsten Sitzung am 8. Mai. Reinhard Mich (AWG) würde, um Zeit zu sparen, die Standortfrage zuvor gar nicht mehr in jedem Fachausschuss beraten lassen. Holger Bartsch (SPD) nannte bereits zwei Radwege mit Stufenbrücken, die geeignet sein könnten: der eine führt über den Barzlin, der andere vorbei an der Dubkowmühle.

Zuvor hatten sich in der Einwohnerfragestunde mehrere Lübbenauer nochmals kritisch geäußert. Eine Fragestellerin nannte den „Brückenschieber“ „lächerlich“ und fragte, wer sich so etwas ausdenkt. Sie hoffe, dass die Konstruktion niemals in Lübbenau aufgebaut wird. Martina Molle, die zum Thema bereits einen Leserbrief in der RUNDSCHAU veröffentlicht hatte, forderte eine Bürgerbeteiligung bei der Standortsuche ein. Auf ihre Frage, welche Behörden wann beteiligt wurden, ging Bürgermeister Helmut Wenzel ausführlich ein. Seine Antwort entsprach zum Teil den Angaben in der Internet-Präsentation: Die zuständige untere Wasserbehörde beteiligte ihrerseits neun weitere Ämter oder Behörden. Nur die untere Naturschutzbehörde lehnte das Pilotprojekt im Wotschofskaweg – konkret an der Stufenbrücke nahe der alten Badeanstalt – ab.

Weiter ging Wenzel auf den Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ ein, an dem sich Lübbenau erfolgreich beteiligt hat. Das Lübbenauer Projekt „Rad statt Auto“ umfasse drei Angebote: Radschober, Radauswahl und eben den „Brückenschieber“. Gedanke beim „Brückenschieber“ war, auch älteren Menschen Radwege mit Stufenbrücken zugänglich zu machen. Die Konstruktion müsse feststehend neben einer Stufenbrücke errichtet und ohne Strom mechanisch betrieben werden können, so Wenzel, außerdem müsse sie möglichst zerstörungssicher sein.

Dabei herausgekommen ist zumindest aus Sicht von Christina Balke eine „riesige Stahlkonstruktion“, die „nicht wirklich schön“ sei. Allerdings sei das im Laufe des Verfahrens nicht so klar vorhersehbar gewesen für die Stadtverordneten. Man sei, als das beauftragte Hannoveraner Unternehmen den Prototyp fertig hatte, etwa überrascht worden. Dennoch sei auch sie dafür, an anderer Stelle als im Wotschofskaweg Erfahrung mit der Konstruktion zu sammeln.

 130 Teilnehmer setzten kürzlich bei einer Wanderung ein Zeichen gegen einen Brückenschieberbau im Wotschofskaweg.
130 Teilnehmer setzten kürzlich bei einer Wanderung ein Zeichen gegen einen Brückenschieberbau im Wotschofskaweg. FOTO: LR / Daniel Preikschat