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| 15:33 Uhr

Zum Lausitzer Strukturwandel
Die Wirtschaft trifft sich in Calau

Wirtschaft, Industrie und Handwerk vereint in der Stadthalle.
Wirtschaft, Industrie und Handwerk vereint in der Stadthalle. FOTO: LR / Rüdiger Hofmann
Calau. 120 Gewerbetreibende, Unternehmer und Kommunalpolitiker sprechen über Strukturwandel. Von Rüdiger Hofmann

Inzwischen wird es zur Tradition: Zum fünften Mal hat Calaus Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) am Donnerstagabend in die Stadthalle zum Treffen der Wirtschaft geladen. Neben Gewerbetreibenden, Unternehmern und Freiberuflern waren Vertreter von Behörden, Kammern, Verbänden sowie Kommunalpolitiker vor Ort. Suchner konnte rund 120 Gäste begrüßen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von „The Circle“ – drei Schülerinnen vom Paul-Fahlisch-Gymnasium aus Lübbenau. Als Festredner hatte sich Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter des Brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), angekündigt.

Um es vorwegzunehmen: Es gab keine bahnbrechenden Neuigkeiten. Freytag referierte über die „Strukturentwicklung in der Lausitz“, ein Thema, das man – nicht nur in diesem Jahr – schon von vielen Seiten beleuchtet hat. Und dennoch bleibt es hochaktuell. Zum einen, weil laut Freytag rund 1,2 Millionen Menschen von der Strukturentwicklung vom Berliner Rand bis zum Zittauer Gebirge betroffen sind. Zum anderen, weil der Calauer Bürger wissen will, welche Auswirkungen dieser sperrige Begriff auf die hiesigen Handwerker, auf den kleinen Mann von nebenan, überhaupt hat. „Jeder einzelne spürt den Strukturwandel – bei seinem Dieselfahrzeug, bei seiner Heizung, im privaten Haushalt“, sagt Freytag.

Dass unmittelbar nach der Wende ganze Großbetriebe in der Region weggebrochen sind, wiegt noch heute schwer. Freytag nennt stellvertretend das TKC in Cottbus. „Wir fordern nun das als Brandenburger ein, was uns in den 90er-Jahren auf infrastruktureller Ebene weggenommen wurde“, gibt sich der Lausitzbeauftragte kämpferisch.

Redet Freytag vom Kohleausstieg, versucht er die Verhältnismäßigkeit der einzelnen Branchen zu bedenken – gerade, weil vielerorts oft der Tourismus als Allheilmittel nach der Braunkohle angesehen wird. „Der durchschnittliche Verdienst im Tourismusbereich liegt etwa bei 1600 Euro im Monat. Im verarbeitenden Gewerbe sind es rund 2400 Euro. Im Bergbau aber 4300 Euro. Das macht den Reichtum der Region aus“, so Freytag. Kein Handwerkerbetrieb sei in der Lage, solche Löhne zu zahlen.

Der Bergbau- und Wirtschaftsexperte zielt ab auf „Anker, die man in der Lausitz braucht“. Die Erweiterung der Papiermaschine in Spremberg/Schwarze Pumpe und den BASF-Konzern in Schwarzheide nennt er als Beispiele, an denen man sieht, dass hier „enorm etwas passiert“. „Der Wirtschaftsminister kommt auch zur Eröffnung einer Pommesbude, wenn dadurch über Jahrzehnte mehrere Arbeitsplätze gesichert werden.“

Freytags Ausblick gibt den Calauern Hoffnung. 1,5 Milliarden Euro befinden sich im Pott für die „Regionale Strukturpolitik/Strukturwandel Kohlepolitik“. Die seit Sommer existierende Kohlekommission hat ihre Arbeit aufgenommen, wobei sich bei der Vielzahl an Gremien manch Unternehmer – nicht nur in Calau – die Frage stellt, wer hier was  strukturiert. Und dennoch: „Eine Begleitung beim Strukturwandel durch den Bund haben Sie als Unternehmer und als Region verdient“, sagt der Lausitzbeauftragte. „Dann bleiben Stadt und Land attraktiv, nicht nur für die Rollatorfahrer.“