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| 14:45 Uhr

Gemeinschaftsprojekt
Die Vier von der Bibliothek

Chapeau! Der Vetschauer Bürgermeister Bengt Kanzler (l.) und sein Amtskollege Helmut Wenzel (r.) gratulieren dem Bibliotheksteam für die geleistete Arbeit: Leiterin Dagmar Schierack, Simone Barth, Kerstin Preuß und Constanze Pönack.
Chapeau! Der Vetschauer Bürgermeister Bengt Kanzler (l.) und sein Amtskollege Helmut Wenzel (r.) gratulieren dem Bibliotheksteam für die geleistete Arbeit: Leiterin Dagmar Schierack, Simone Barth, Kerstin Preuß und Constanze Pönack. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau/Vetschau. Zehn Jahre gemeinsame Einrichtung für Lübbenau und Vetschau ist eine Erfolgsgeschichte.

Von Daniel Preikschat

Sie rechnet sich nicht, aber sie zahlt sich aus – so fassten die Bürgermeister-Kollegen Helmut Wenzel und Bengt Kanzler zusammen, was in der gemeinsamen Bibliothek für Lübbenau und Vetschau in zehn Jahren geleistet wurde. Beide Redner lobten die Einrichtungen in höchsten Tönen. Es war von der „oberen Liga der Kultur“ die Rede, von der „Seele des Hauses“, von „Lebensbewältigungsorten’“ und von „Persönlichkeitsentfaltung“, die hier möglich sei. Dabei zitierten die Rathaus-Chefs Geistesgrößen wie Goethe, wie sie gerne einräumten. Das liege in einer Bibliothek schließllich auch nahe.

Von der Landesfachstelle für Bibliotheken war am Mittwoch auch Lutz Sanne gern nach Vetschau in die Bibliothek in der Juri-Gagarin-Straße zur Jubiläumsfeier gekommen. Für den Fachberater ist die zehnjährige Geschichte dieser interkommunalen Bibliothek zweier benachbarter Städte ein mutiges Experiment, das gelungen ist. Wer weiß, fragte sich Sanne, ob es in der kleineren der beiden Städte heute noch eine Bibliothek geben würde, hätte man sich nicht rechtzeitig mit dem Nachbarn zusammengeschlossen. So konnten Bücher und andere Medien günstiger gemeinsam beschafft werden, das Personal sich aushelfen, Veranstaltungen gegenseitig beworben werden. Er würde sich mehr solcher mutig-experimentierfreudiger Kommunen wünschen im Land Brandenburg, sagte Lutz Sanne.

Was Bibliotheken können, demonstrierten zuvor die vier Bibliotheksmitarbeiterinnen, die in einem gemeinsamen Vortrag die zehn Jahre Revue passieren ließen – nämlich Wissen vermitteln und zugleich höchst amüsant unterhalten. Bibliotheksleiterin Dagmar Schierack und ihre drei Kolleginnen trugen eine Fülle an Fakten und Zahlen, aber auch witziger Anekdoten und Erlebnisse vor.

So erfuhren die geladenen Zuhörer nicht nur, dass der Bestand größer und vielfältiger geworden ist in den zehn Jahren. 36 500 Medien seien angeschafft, seit 2011 jährlich über 100 000 dieser Medien entliehen worden. Mittlerweile würden ebenso viele Bücher wie audiovisuelle Medien ausgewählt. Erfreulich und wichtig für die beiden Standorte: Rund 2000 Nutzer mit gültigen Bibliotheksausweise nutzen die Einrichtungen, die zeitgemäßerweise längst auch Online-Ausleihe anbieten.

Es herrscht in den Bibliotheken nicht immer nur Ruhe, wie weiter zu erfahren war. Über 20 000 Gäste besuchten in den zehn Jahren fast 1000 Veranstaltungen. Lesungen, Kabarettabende, Konzerte und Führungen wurden unter anderem angeboten. Ganz häufig kamen Schulklassen und Kitagruppen.

Zu lachen hatten die Besucher der Festveranstaltung, als die Vier von der Bibliothek von besonderen Erlebnisse berichteten. Da war zum Beispiel der vergessliche Künstler B. aus B., der ohne sein wichtigstes Arbeitsgerät zur ausverkauften Vorstellung kam. Trotz großer Fassungslosigkeit konnte auf die Schnelle ein Ersatzkeyboard ranorganisert werden.

Ebenfalls amüsant, die schiefgelaufene Klopapierbestellung. Statt der georderten zehn Packungen wurden per Lkw mit Aufleger zehn Industriepackungen in Vetschau angeliefert. Chefin Dagmar Schierack packte ihren kleinen Ford voll bis unters Dach mit den Rollen und bescherte auch den Lübbenauer Standort. „Das Toilettenpapier reichte stolze acht Jahre“, so Kerstin Preuß.

Die Ankedote vom schlafenden Kind mit dem Buch im Arm, das kurz vor Feierabend noch entdeckt wurde, hörten die Gäste ebenso gern wie die vom ehrlichen Leser. Ein im August 1976 ausgeliehenes Buch über General Franco fand erst 40 Jahre später den Weg zurück in die Bibliothek. Es kam als Päckchen.

Sehr schön war auch die Geschichte von der kleinen Tina, die sich eine leider etwas zerkratzte Kinderhörspiel-CD auslieh. Im Glauben, sie könnte die Kratzer durch Erhitzen beseitigen, legte sie die Scheibe in die Mikrowelle. Kopfhängend brachte die Sechsjährige die deformierte CD wieder zurück.