ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:51 Uhr

Die Verjüngungskur der alten Dame

In den 70er-Jahren werden Vorbereitungen getroffen, damit die Lok in die Bahnhalle im Schlosspark gezogen werden kann.
In den 70er-Jahren werden Vorbereitungen getroffen, damit die Lok in die Bahnhalle im Schlosspark gezogen werden kann. FOTO: Spreewald-Museum
Lübbenau. Der Betrieb der Spreewaldbahn wurde 1970 eingestellt. Die Eisenbahner des Betriebswerkes Lübbenau nahmen sich der Guste an, um sie wieder auf Vordermann zu bringen. Der erste Arbeitseinsatz war vor genau 40 Jahren. Evelyne Lungwitz und Sophie Bartholome

Vor knapp zwei Jahren hat die Spreewaldbahn mit der Lok Nr. 995 703 und dem Pack- und Personenwagen im Anbau des Spreewald-Museums Lübbenau ihre Heimstätte gefunden. Davor stand sie seit 1975 in einer Bahnhalle im Schlosspark.

Der passionierte Eisenbahner Willi Richter verbindet mit der sogenannten "Bimmelguste" ganz besondere Erinnerungen: Vor etwa 40 Jahren brachte er gemeinsam mit seinen Kollegen die Lok wieder auf Vordermann.

Der ehemalige Lokführer erinnert sich genau: "Dem Museumsleiter Gerhard Krüger gelang es im Jahr 1971, die Lokomotive mittels Tieflader vom Bahnhof Straupitz nach Lübbenau zu holen." Im Schlosspark sei die Spreewaldbahn zunächst abgestellt worden, da die Bahnhalle noch nicht fertiggestellt war. "Ich interessierte mich damals sehr für diese zwei Neuerwerbungen", sagt er weiter. Bereits auf den ersten Blick sah er, dass die Lok und der Wagen in einem sehr schlechten Zustand waren und dringend eine Verjüngungskur nötig hatten.

Dagegen musste etwas unternommen werden: Die Eisenbahner vom Lokfahrdienst Bahnbetriebswerk (BW) Lübbenau waren bereit, die notwendigen Instandsetzungsarbeiten zu leisten. Willi Richter, der damalige Leiter einer Dienstplangemeinschaft, leistete bei seinen Kollegen volle Überzeugungsarbeit: Denn für die Auffrischungsarbeiten an der Lok und dem Wagen opferten sie ihre Freizeit. "Anfänglich sagten acht Kollegen zu", sagt Richter. Der erste Arbeitseinsatz erfolgte dann am 6. Februar 1974. Zunächst musste die Lok für eine Grobreinigung vorbereitet werden, denn nach der letzten Zugfahrt im Jahr 1970 erfolgte keine Nachbehandlung mehr. "Sogar das Wasser musste noch aus dem Lokkessel abgelassen werden", sagt Richter. Auch die Feuerbuchse mit Aschkasten sowie die Rauchkammer wurden gründlich gereinigt. Anschließend wurden alle Bauteile am Lokkessel abgebaut, gereinigt und für einen Neuanstrich vorbereitet. Auch die Blechverkleidung wurde entfernt, um ebenfalls die Innenseite vom Rost zu befreien.

"Besonders viel Arbeit hat uns das Abbauen der Luftpumpe gemacht", sagt der ehemalige Lokführer und ergänzt: "Wir mussten sie im Betrieb reinigen. Bis auf die Radreifen, die von uns weiß gestrichen wurden, haben wir alle Teile wieder mit dem Originalanstrich versehen." Zur gleichen Zeit wurden am Personenwagen alle notwendigen Arbeiten erledigt.

Etwa sieben Monate und 740 freiwillige Arbeitsstunden später hatten insgesamt mehr als 30 Eisenbahner des BW Lübbenau mit viel Fleiß den Auftrag am Patenschaftsobjekt erfolgreich beendet. Als Anerkennung spendierte das Spreewald-Museum 1975 für jede Familie eine Busfahrt nach Stolberg im Harz.

Bis vor über 20 Jahren führten die Eisenbahner zudem den jährlichen Frühjahrsputz an der alten "Dame", die ihnen sehr am Herzen lag, durch.

Zum Thema:
Auf 99,75 Kilometern fuhr die Spreewaldbahn zwischen 1898 und 1970 als Personen- und Gütertransport zwischen Cottbus, Burg, Straupitz, Lieberose, Goyatz und Lübben. 1964 nutzten 960 000 Personen die Spreewaldbahn. Zwölf Bahnhofsgebäude gab es auf dieser Strecke. Neben acht Dampfloks standen 140 Güter- und 40 Reisezugwagen zur Verfügung. Letzter Zugführer war am 3. Januar 1970 Werner Jarik von Cottbus nach Straupitz. Die Lokomotive 995 703 wurde 1897 bei der Hohenzollern AG Düsseldorf gebaut. Sie ist eine der beiden letzten erhaltenen Dampfloks der Spreewaldbahn und hat ein Gewicht von 20 Tonnen.