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| 02:32 Uhr

Die Schlossmühle stand lichterloh in Flammen

Vor 70 Jahren, am 19. November 1943, brannte die Lübbenauer Schlossmühle restlos nieder. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Im Bereich der ehemaligen Schlossmühle befinden sich heute ein Einkaufsmarkt und ein Einrichtungshaus. Eine Gedenkplakette erinnert an das einstige Gebäude und die Brandkatastrophe.
Vor 70 Jahren, am 19. November 1943, brannte die Lübbenauer Schlossmühle restlos nieder. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Im Bereich der ehemaligen Schlossmühle befinden sich heute ein Einkaufsmarkt und ein Einrichtungshaus. Eine Gedenkplakette erinnert an das einstige Gebäude und die Brandkatastrophe. FOTO: Bernd Marx/bdx1
Lübbenau. Die Stadt Lübbenau hat in ihrer fast 700-jährigen Geschichte zahlreiche Unglücke erlebt. Zu den verheerendsten Katastrophen gehört der Brand der Schlossmühle am 19. November 1943. Einige Lübbenauer Einwohner können sich an die Feuerbrunst vor 70 Jahren noch heute erinnern. Bernd Marx / bdx1

"Feuer, Feuer, die Schlossmühle brennt", diesen eindringlichen Ruf hat Ilse Müller bis heute nicht vergessen. Die damals 13-Jährige wohnte in der heutigen Ehm-Welk-Straße/Ecke Dammstraße, nur wenige dutzend Meter von der Mühle am nahen Schlossbezirk entfernt.

Als sie in der Nacht zum 19. November 1943 aus dem Fenster schaute, sah sie mit Entsetzen das Fachwerkgebäude der Mühle schon in hellen Flammen stehen.

Immer wieder barsten mit lautem Knall die Mehl- und Getreidesäcke auseinander. Die daraus sich entwickelnden Mehlstaubexplosionen gaben dem Brand immer wieder neue Nahrung. Eine gewaltige Feuerwand schoss aus dem Mühlengebäude gen Nachthimmel.

"Ich sah dann, wie unzählige brennende Fetzen plötzlich wie Glühwürmchen durch die Luft flogen", so die heute 83-Jährige. Es waren Teile von leeren Mehlsäcken, die durch die Hitze erst in die Höhe, und dann über die Dächer der Stadt getragen wurden. Bis zur Poststraße und noch viel weiter, sah sie die brennenden und glühenden Textilstücke durch die Luft fliegen.

Dass es zu keinen weiteren Bränden in der Stadt kam, gleicht einem Wunder. Noch heute rinnt den Augenzeugen der Angstschauer über den Rücken, wenn sie an den Brand von damals erinnert werden. "Es hätte die gesamte Stadt Lübbenau abbrennen können", meinte Gerda Jurischka (80) aus der Dammstraße. Sie wohnte bei Familie Knoll und sah, wie die Flammen in großer Schnelligkeit durch den Giebel und das Dach schlugen. Ein Inferno, das sie nicht mehr miterleben möchte.

Auch die heute 87-jährige Johanna Lubkoll sah die Feuerbrunst in der Nacht. Sie wohnte in der ehemaligen Hauptstraße 11, heute befindet sich dort das Fachgeschäft Leder-Wenske. Die gesamte Altstadt wurde durch den Brand gespenstisch erleuchtet. Dunkle Qualmwolken zogen über die Dächer. Menschen hetzten durch die Nacht, um den Brand zu bekämpfen und zu helfen.

Angst und Schrecken zeichnete sich auch beim damals zehnjährigen Robert Reiter ab. Der Junge wohnte nur wenige Meter vom Brandherd entfernt in der Ehm-Welk-Straße.

"Gegen 0.30 Uhr des 19. November wurden wir trotz der obligatorischen Kriegs-Verdunkelung von hellem Lichtschein, Geschrei und Lärm geweckt", so Reiter, der den Brand hautnah erlebte.

Er sah, wie die Luftschutzhelferinnen eine Kette mit Löscheimern bildeten und mutig den Brand bekämpften. Viele Lübbenauer Feuerwehrmänner waren an der Kriegsfront und fehlten beim Einsatz. Die Pappdächer der angrenzenden Häuser mussten mit Wasser gekühlt werden, um nicht in Brand zu geraten. Einige Holzzäune um den Brandherd sind sogar durch die Hitze verbrannt. Alle Lübbenauer Einwohner waren froh, dass es in dieser Nacht keinen Luftangriff gab. Der Lichtschein des Brandes war weit zu sehen und hätte ein Ziel für eine eventuelle Bombardierung gebildet.

Die Mühle brannte bis auf die Grundmauern nieder und wurde nicht mehr aufgebaut. Die Schlossmühle, auch als Lübbenauer Stadtmahlmühle bekannt, wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Angetrieben wurde die Mühle durch zwei unterschlächtige Wasserräder, die jeweils drei und fünf Meter Durchmesser hatten. Die Mühlräder waren gegen Unwetter eingehaust.

Um 1850 wurde der Wasserstand auf den Fachbaum (Wehrschwelle) mit 67,75 Zentimeter und das Gefälle mit 98 Zentimeter angegeben. An der Mühle befand sich auch eine Schleuse mit einer Länge von 12,80 Meter und einer Breite von 1,93 Meter. Der Wasserstand in der Schleuse, mit bergabwärts geöffnetem Schleusentor, betrug 30 Zentimeter. Maximilian Graf zu Lynar erwarb im Jahre 1880 die Mühle vom Müller Traugott Hirschberger. Um 1930 hatte der Kaufmann Erich Lehmann die Mühle gepachtet. Durch Modernisierung konnten bis zu 15 Tonnen Getreide täglich gemahlen werden.

Die Ursache für den Mühlenbrand am 19. November 1943 konnte nie eindeutig geklärt werden.