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Die Lilie blüht in der Altdöberner Historie

Post vom Brandenburger Innenministerium flatterte kürzlich ins Altdöberner Rathaus. Ein historisch bedeutendes Schreiben für den erstmals im Jahr 1285 urkundlich erwähnten Ort. Ihm ist laut Verordnung über kommunale Hoheitszeichen die Führung eines Wappens und einer Flagge genehmigt worden. Über Jahrhunderte wurde Altdöbern nur mit den Familienwappen derer von Köckritz, von Heineken oder von Witzleben in Verbindung gebracht. Von Uwe Hegewald

Jetzt kann Altdöbern mit einem eigenen Gemeindewappen aufwarten, unabhängig früherer Herrschaftsverhältnisse. Damit scheinen die Tage gezählt, an denen das Siegel - auf den amtlichen Briefbögen und am Rathausgiebel sichtbar - als Hoheitszeichen der Gemeinde Altdöbern diente. Gespalten von Blau und Silber, vorne ein silberner Papierbogen, belegt mit einer blau gesäumten goldenen Lilie; hinten in Silber drei rote Schräglinksbalken, so lautet die korrekte Blasonierung (Wappenbeschreibung). Ganz unbekannt dürfte den Altdöbernern, Gästen und Durchreisenden das Em blem nicht sein, ziert doch eine stark verwandte Version seit rund vier Jahren die Begrüßungstafeln an wichtigen Ortseingängen.
Als geistiger Vater gilt Fritz Bönisch. Seit Jahrzehnten sind seine historischen Kenntnisse und Erfahrungen zur Heraldik (Wappenkunde) gefragt. Unter anderem stammen das Wappen von Großräschen und das des Kreises Oberspreewald-Lausitz aus seiner Feder. Schon im Jahr 1956 hatte der heute 82-Jährige seine Hilfe zum Entwurf eines Gemeindewappens für Altdöbern angeboten. Vier Jahrzehnte und vier Bürgermeister später schien er angekommen zu sein. Im Schützenhaus stellte er am 14. Mai 1998 den Einwohnern einen Entwurf vor. "Es gab nicht nur zustimmende Meinungen", erinnert sich Fritz Bönisch, "einige hätten im Wappen lieber eine Linde anstelle der Lilie gesehen", so der Großräschener. Dabei zieht sich gerade die Lilie wie ein roter Faden durch die Historie des Ortes.
"Drei Lilien zierten ehemals das Wappen der ältesten Gutsherrenfamilie von Köckritz (1362). Zudem prägte die frühere Altdöberner Papiermühle einst Bögen mit einer Lilie als Wasserzeichen", erzählt Fritz Bönisch und zieht ein Originalpapier aus dem Jahr 1817 aus seinen Unterlagen hervor. Eine Fülle von Altdöberner Dokumentationen hat der Räschener zusammengetragen, darunter viele Briefe, die auf einen regen Schriftverkehr mit dem Landeshauptarchiv in Potsdam hinweisen: "Ein Wappen muss einfach und dennoch unverwechselbar sein", verteidigt Fritz Bönisch seinen Entwurf.
"Die Charakteristika eines Wappens sollte aber auch eine angemessene Außenwirkung aufweisen", bekräftigt hingegen der Brandenburgische Wappenreferent Werner Heegewaldt. Er begrüßte den Vorschlag des thüringischen Heraldikers Karl-Heinz Fritze, die goldene Lilie blau zu säumen und auf einem silbernen (weißen) Papierbogen abzubilden, um das alte Altdöberner Gewerbe der Papierherstellung hervorzuheben.
Auf einen gemeinsamen Nenner kamen der Potsdamer (Heegewaldt), der Thüringer (Fritze) und der Großräschener (Bönisch) hinsichtlich der zweiten Wappenhälfte. Bei den drei roten Schräglinksbalken fand das Familienwappen des wohl bedeutendsten Altdöberner Schlossbesitzers von Heineken Berücksichtigung. Für viele Altdöberner eine dankbare Entscheidung, zumal sich darin auch die brandenburgischen Landesfarben und die der Niederlausitz widerspiegeln. Das genehmigte Wappen hat darüber hinaus auch seinen Platz auf der Gemeindeflagge gefunden. Zweistreifig in den Farben Weiß-Blau (Silber-Blau) mit dem Gemeindewappen in der Mitte, wird sie vielleicht bald an einem öffentlichen Haus zu bewundern sein.