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| 15:24 Uhr

Stadtplanung
Die kritische Stimme der Neustadt

Hans Stolze, enagagierter Bürger der Neustadt in Lübbenau.
Hans Stolze, enagagierter Bürger der Neustadt in Lübbenau. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. Hans Stolze ist mit der Situation nur bedingt zufrieden und hat Verbesserungsvorschläge.

Am Roten Platz sieht man ihn oft im Gespräch mit Neustädtern.  Dann kann schon mal länger diskutiert werden. Über das, was in der Neustadt baulich passieren soll. Was nicht wenig ist. Zu Füßen des Hochhauses, in dem der bald 80-Jährige im fünften Stock wohnt und weit über die Dächer der Wohnblöcke Richtung Zerkwitz schauen kann, wird in diesem Jahr ein Kreisverkehr gebaut. Schlag auf Schlag geht es dann weiter: Komplette Neugestaltung des Einkaufszentrums, Ausbau der Kochstraße, danach soll das Mega-Verkehrsprojekt „Drunter und Drüber“ realisiert, mit Unter- und Überführungen die Bahngleistrennung von Alt- und Neustadt überwunden werden. Auch aus Sicht Stolzes durchdacht geplante, gute Bauprojekte, die Lübbenau braucht. Wie auch die bisherige  Stadtentwicklung Lübbenaus natürlich lobenswert sei.

Mehr noch aber redet der gelernte Industriekaufmann und Agraringenieur mit seinen Mitbürgern über das, was besser laufen könnte in Lübbenau, gerade auch in der Neustadt. Klar im Fokus des Rentners, der beruflich zuletzt im Tagebauvorfeld in Jänschwalde Archäologen bei ihren Ausgrabungen unterstützte, steht dabei die Kulturgeschichte der Spreewaldstadt. Hier sieht das langjährige Mitglied im Förderverein Lausitzer Kulturlandschaft noch einigen Nachholbedarf.

Und er hat viele Ideen, was man tun könnte. Ideen, die er nicht für sich behält, sondern im Rathaus, bei den Wohnungsunternehmen oder im Projektbüro Lübbenaubrücke unermüdlich vorzutragen versucht. Er stoße dort allerdings nicht gerade auf offene Ohren, wie er sagt. Mehr noch: Er sei dort mittlerweile auch schon nicht mehr so gern gesehen. Was Stolze nicht davon abhält, weiter seine Vorschläge zu machen und auch kritisch hinzuweisen auf ein aus seiner Sicht mitunter fehlendes Geschichtsbewusstsein.

Beispiel Schlosspark. Aus Sicht Stolzes müsste er für Gäste besser erschlossen werden, mehr Veranstaltungen wie etwa Konzerte dort stattfinden, die an die  Geschichte von Schloss und Park erinnern. Warum nicht auch Erklärtafeln dort aufstellen? Ähnlich ist Stolzes Ansatz für das Lindenfest, das die beiden Wohnungsunternehmen alljährlich auf der Wiese hinter dem Kolosseum veranstalten. Stolze schlägt einen anderen Veranstaltungsort vor. Die Lindenallee ist aus seiner Sicht passender, um mit dem Fest an die historische Entwicklung Lübbenaus zu erinnern. Dem Rentner schweben kleine Theaterstücke vor mit Auftritten historischer Figuren  oder Kutschfahrten auf der Lindenallee nach Beuchow zum Schloss dort.

Ein Denkmal in der Poststraße für alle Opfer und Gefallenen in Lübbenau in beiden Weltkriegen – auch das wäre ein wichtiger Beitrag, mehr Geschichtsbewusstsein zu zeigen. Oder Pflegearbeiten rund um den Lokschuppen, der ja nun der Stadt gehört. „Rund um den Lokschuppen sieht es liederlich aus. Das ist auch für durchreisende Bahnnutzer kein schöner Anblick.“ Sicher würden die Lübbenauer in Arbeitseinsätzen gern helfen, dort mal das Gestrüpp zu entfernen und für ein freundlicheres Bild zu sorgen.

Die jüngste historische Entwicklung infolge von Tagebau und Rekultivierung schließlich, noch so ein Stolze-Vorschlag,  könnte Lübbenauern und Gästen durch Radtouren besser erfahrbar gemacht werden. Nicht nur in den Spreewald sollte geradelt werden können, auch ins ehemalige Tagebaugebiet, bis hin zur Slawenburg.

Der kritische Kopf  mit der Schiebermütze betont, dass nicht nur er so denkt, sondern auch viele Bewohner der Neustadt. Aus vielen Gesprächen wisse er das. Oft bekomme er zu hören, die Stadt schenke den Bedenken gerade der älteren Menschen in der Neustadt zu wenig Gehör, es werde zu wenig vor Ort in der Neustadt informiert und ein offener Dialog zugelassen. Typische Stolzsche Redewendungen wie „Wir müssen …“ oder „Das will der Bürger nicht.“ zeugen davon, dass sich der störrische Senior als Sprachrohr der Neustädter begreift. Eine Art Ehrenamt, das er auch künftig gern ausüben will.